Marokko – Missbrauch von Kindern – Mediziner u. Geisteswissenschaftler stellen Forderungen an Premierminister.

Kinderschutz soll hohe Priorität erhalten.

2324
Kinder
Kinder im Maghreb

Der Missbrauchsfall und Tod von Adnan sowie weiter Fälle in den letzten Tagen wühlen Menschen in Marokko weiter auf. Kinderärzte benennen Maßnahmen.

Rabat – In den letzten 10 Tagen mehrten sich Meldungen zu Übergriffen und Missbrauchsfälle an Kindern in mehreren Städten des Landes. Im Fall des 11-jährigen Adnan, der von seinem inhaftierten, mutmaßlichen Peiniger ermordet wurde, gab es im ganzen Land eine hitzige Debatte über die Todesstrafe. Es gab zahlreiche Fälle in ähnlicher Form vor Adnan und auch danach kamen Missbrauchsfälle ans Tageslicht. Unter den Tätern sind auch Geistliche aber meist enge Verwandte der Kinder, die das Vertrauen der Opfer in der denkbar schändlichsten Form ausgenutzt haben. Marokko ist offensichtlich genauso betroffen, wie zahlreiche Länder der Welt, so dass es darum geht, wie man die Kinder besser schützen kann. Dazu haben Kinderärzte und Geisteswissenschaftlicher dem Premierminister mehrere Vorschläge in einem offenen Brief unterbreitet.

Öffentliche Empörung genügt nicht.

Empört über diese Form eines abscheulichen Verbrechens hat der Präsidenten der Marokkanischen Gesellschaft für Medizinische Wissenschaften, Moulay Saïd Afif, die Präsidentin der marokkanischen Gesellschaft für Kinderpsychiatrie und verwandte Berufe, Nawal Idrissi Khamlichi und der Vorsitzende der marokkanischen Gesellschaft für Kinderheilkunde, Hassan Afilal, einen Brief an den Regierungschef geschickt, in dem sie eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz der Rechte der Kinder in Marokko vorschlagen. „Heute reicht Empörung, Wut oder die Anprangerung solcher Verbrechen nicht mehr aus. Unser Land braucht starke Maßnahmen, um Gewalt gegen Kinder zu verhindern“, sagen drei Kinderärzte. In dem Brief drücken die drei Spezialisten ihre Besorgnis als Betreuer aus, die in ihrer täglichen Praxis Kinder aufnehmen, die Opfer von Gewalt sind und oft großes psychisches Leid erfahren. Sie fordern daher, dass der Kampf gegen Gewalt gegen Kinder zu einer nationalen Priorität gemacht wird.

Kinderschutz soll hohe Priorität erhalten.

In ihrem Brief fordern die drei Spezialisten, bereits die Prävention zur wichtigsten Grundlage zu machen, durch Information und Sensibilisierung von Kindern, Eltern, Fachleuten und der Gesellschaft über die verschiedenen Arten von Gewalt. Dazu gehören Sexualerziehung, den Kampf gegen Cyber-Gewalt, illegaler Überwachung in allen Regionen…

Die anderen wichtigen Schwerpunkte sind:

– die Ausbildung von Fachkräften in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kriminalpolizei und Justiz,

– die Koordinierung medizinischer, psychosozialer und rechtlicher Maßnahmen,

– Erleichterung der Meldeverfahren,

– personalisierte medizinisch-psychosoziale Unterstützung für Opfer im Kindesalter,

– die Schaffung von Strukturen für die Aufnahme, das Zuhören und die soziale Rehabilitation von Opfern im Kindesalter,

– Vernetzung von Fachleuten,

– die Schaffung von spezialisierten Jugendgerichten, abschreckende Strafen für Gewalttäter und Maßnahmen zur Bekämpfung von Rückfällen.

Die drei kinderärztlichen Spezialisten forderten auch neue Sensibilisierungskampagnen, die alle Parteien und Kinder einbeziehen. Sie halten es für notwendig, über ein effektives System der Datenerfassung und evaluieren zu verfügen, was in den Regionen unternommen wird.

Schließlich erklären sich die Spezialisten bereit, zum Erfolg aller staatlich geführten Aktionen beizutragen.

Marokko – Update Fall Adnan weitere Verhaftungen und Wut der Menschen

Empfohlener Artikel