Marokko – Nasser Zefzafi im Hungerstreik

Nasser Zefzafi seit Mai 2017 in Haft.

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Nasser Zefzafi
Nasser Zefzafi weiterhin vor Gericht in Casablanca

„Hirak“ – Aktivist protestiert erneut gegen Haftbedingungen.

Rabat – Die bekannteste Stimme der „Hirak“ – Proteste im Rif, Nasser Zefzafi, ist erneut in einen Hungerstreik getreten. Dies bestätigte sein Vater gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Nasser (Zefzafi) befindet sich seit Dienstagabend im Hungerstreik aus Protest gegen seine Einzelhaft“, sagte sein Vater gegenüber Reuters. „Er bittet nur darum, seine Mithäftlinge im Gefängnis treffen zu können, aber die Behörden verweigern ihm dies“, sagte Zefzafis Vater.

Seine Anwältin Naima El Gallaf bestätigt ebenfalls auf Facebook den Hungerstreik. Nach ihren Angaben habe er den Hungerstreik aus Protest gegen seine erniedrigende Behandlung im Gefängnis begonnen. Nasser Zefzafi protestiert nicht zum ersten Mal gegen seine Behandlung im Gefängnis.

Nasser Zefzafi seit Mai 2017 in Haft.

Der auch als Anführer der Demonstrationen bezeichnete Zefzafi, will mit dem Hungerstreik gegen seine andauernde Einzelhaft protestieren. Naser Zefzafi wurde im Mai 2017 in seiner Heimatstadt Al Hoceima verhaftet und befindet sich seit dem in Casablanca im Gefängnis. Mit ihm befinden sich über 50 weitere Aktivisten in Casablanca in Haft und auf der Anklagebank. Seit Monaten wird gegen den „Hirak“ Aktivisten und seinen Mitangeklagten, vor der zweiten Kammer des Gerichtshofs von Casablanca, verhandelt. Er und die Mitangeklagten müssen sich unter anderem gegen die Vorwürfe der  „versuchter Revolution“, „Erschütterung des Staates und Gefährdung der Staatssicherheit“ sowie „Anstiftung zu Gewalttaten“ verteidigen.

Prozess nähert sich dem Ende zu.

Das Gerichtsverfahren hat sich in den letzten Wochen besonders mit der Rolle von Nasser Zefzafi beschäftigt. Dabei hat der Staatsanwalt Telefonmitschnitte, Videos und Zeugenaussagen als Beweismittel eingeführt, um den Nachweis zu erbringen, dass Zefzafi mit ausländischen Interessenvertretern, die Unruhen befürworten würden, in regelmäßigem Kontakt stand. Er soll auch Gewaltakte gegen die Staatsgewalt angewiesen haben. In der letzten Woche sind zwei Zeugen präsentiert worden, die Nasser Zefzafi mit dem Brandanschlag auf eine Polizeistation in Imzouren in Verbindung brachten. Gegen die Verurteilten von Imzouren wurden Haftstrafen bis zu 20 Jahren ausgesprochen. Das Beweisverfahren ist nahezu abgeschlossen, so dass der Prozess sich langsam dem Ende zuneigt. Im äußersten Fall droht Zefzafi die in Marokko noch immer vorgesehene Todesstrafe. Diese wurde aber seit mehr als 10 Jahren nicht mehr vollstreckt.

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„Hirak“ – Demonstrationen die intensivsten Proteste seit 2011.

Die „Hirak – Bewegung demonstrierte gegen die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im Königreich und hatte ihren Ursprung in der nordmarokkanische Stadt Al Hoceime. Entflammt hatten sich die Proteste an dem Tod des Fischhändlers Mouhcine Fikri, der im Rahmen einer behördlichen Maßnahme Ende Oktober 2016 sein Leben verlor. Die Proteste hatten sich im ganzen Rif ausgeweitet und drohten sich auf andere Regionen im Land auszuweiten. Zahlreiche Politiker, darunter der damalige Innenminister Hassad, reisten in die Region, um die Situation zu beruhigen. Letztendlich wurden die Proteste, durch den massiven Einsatz von Sicherheitskräften und Sondereinheiten der Polizei, beendet. Sowohl auf Seiten der Demonstranten als auch bei den Sicherheitsorganen forderten die teils gewalttätigen Zusammenstöße zahlreiche Verletzte. Mindesten zwei Aktivisten sind ihren Verletzungen erlegen. Sowohl die Proteste in Al Hoceima, wie auch Anfang 2018 in Jerada, waren die umfangreichsten seit 2011 und der anschließenden Verfassungsreform in Marokko.

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