Marokko – Papst Franziskus in Marokko

Besuchsprogramm sieht Gespräche mit zahlreichen Gruppen vor.

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Papst
König Mohammed VI. und Papst Franziskus I.

Oberhaupt der katholischen Kirche besucht erstmalig das muslimische Königreich.

Rabat – Am heutigen Samstag traf das katholische Oberhaupt, Papst Franziskus I., in der marokkanischen Hauptstadt Rabat ein. Der Papst wird sich am 30. und 31. März 2019 zu einem offiziellen Besuch in Marokko aufhalten. Dabei trifft er König Mohammed VI. von Marokko, der neben seiner weltlichen Rolle auch das Oberhaupt der marokkanischen Muslime ist und den Titel Amir al-Mu’minin (Prinz / Anführer der Gläubigen) trägt. Eine Doppelfunktion die unter den Herrschern der islamischen Welt einmalig ist. Der christliche Papst und Staatsoberhaupt des Vatikans besucht ein Land, in dem nicht nur die absolute Bevölkerungsmehrheit (über 90%) Muslime sind, sonder wo der Islam offizielle Staatsreligion ist. Durch die besondere Rolle der marokkanischen Monarchie ist Marokko kein Land, bei dem Staat und Religion getrennt sind.

Besuchsprogramm sieht Gespräche mit zahlreichen Gruppen vor.

Erster Tag

König Mohammed VI. hat Papst Franziskus am Flughafen Rabat / Salé begrüßt. Bei Regen empfingen König Mohammed VI., Kronprinz Hassan sowie Moulay Rachid den Papst.

Papst
König Mohammed VI., Prinz Hassan und Papst Franziskus I.

Die erste Station nach seiner Landung am Samstag gegen 14:00 Uhr Ortszeit ist das Mausoleum Mohammed V., das er gemeinsam mit dem marokkanischen König besuchte. Von dort geht es dann in den Regierungspalast von Rabat, wo es ein Gespräch zwischen dem Papst und König Mohammed VI. gibt. Bei den Fahrten durch die Stadt, die durch ein großes Sicherheitsaufgebot gesichert sind, nutzt der Papst sein eigenes sog. Papa-Mobil und fährt nicht mit König Mohammed VI. in seinem Fahrzeug mit. Nach dem Treffen im Palast wird Papst Franziskus eine staatliche Akademie für Imame aufsuchen.

Die marokkanische Ausbildung von muslimischen Gelehrten, die vorrangig die Lehre eines gemäßigten sunnitischen Islam vermittelt, ist inzwischen weltweit angesehen, so dass viele Akademieteilnehmer aus dem Ausland stammen. Ebenfalls noch für den ersten Tag ist ein Besuch einer von der Caritas geführten Flüchtlingsunterbringung vorgesehen.

Ansprachen von König Mohammed VI. und Papst Franziskus

Bei einer offiziellen Veranstaltung auf dem Platz des Mausoleum Mohammed V. richten beide einige Worte an die zahlreichen Gäste. Unter den Gästen sind Vertreter der marokkanischen Regierung sowie aller Glaubensrichtungen. Nach Medienberichten sollen rund 10.000 Gäste geladen gewesen sein.

Die beiden religiösen und staatlichen Oberhäupter versicherten sich gegenseitig ihre Wertschätzung und ihren Respekts. König Mohammed VI. betonte in arabischer Sprache die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen und erinnerte an die zahlreichen Herausforderungen der heutigen Zeit. Im Verlauf der Rede richtete König Mohammed VI. an seinen hohen Gast einige Worte in dessen Muttersprache Spanisch. Er richtete im Anschluss weitere Worte an die internationalen Gäste in englischer Sprache. Die gleichen Worte richtete der König an die Gäste in französischer Sprache.

 

König
Rede König Mohammed VI. an Papst Franziskus in Rabat.

Video der Rede von König Mohammed VI.

Papst richtet Worte an die Gäste und Marokkanerinnen und Marokkaner.

Auch der Papst wandte sich mit einer Rede an die Gäste im Mausoleum V. und an alle Marokkanerinnen und Marokkaner. Der Papst richtet in italienisch einige Worte, die im direkten Anschluss ins Arabische übersetzt wurden, an seinen Gastgeber und begrüßte ihn und die Gäste mit dem muslimischen Gruß Assalamou Alaykoum.

Wie König Mohammed VI. zuvor verurteilte auch der Papst den Extremismus, gleich welcher Religion er entspringt. Der Papst lobte das Engagement des marokkanischen Königreiches im Kampf gegen den Extremismus. Dabei sei die Mohammed V Akademie zur Ausbildung von Imame ein leuchtendes Vorbild. Papst Franziskus I. betonte das Recht auf freie Ausübung einer jeden Religion.

Papst
Papst Franziskus I. spricht zu König Mohammed VI. und den Gästen.

Papst erweist verstobenen Königen seinen Respekt

Nach der Ansprache des Papstes an die offiziell rund 10.000 Gäste nutzte er die Gelegenheit und besuchte das Innere des Mausoleums, in dem die letzte Könige seit der Unabhängigkeit Marokkos von Frankreich beerdigt sind. Im Beisein des Imam der angeschlossenen Moschee und ohne König Mohammed VI. legte er vor die Gräber der verstorbenen Könige Mohammed V., Hassan II. und seines Bruders Moulay Abdellah Blumen nieder.

Gräbern
Papst erweist Königen seinen Respekt.

Im Anschluss schrieb er sich ins Gästebuch ein.

Papst Franziskus
Papst Franziskus trägt sich ins Gästebuch des Mausoleums der Könige in Rabat ein.

Zweiter Tag

Am zweiten Tag wird sich das katholische Oberhaupt ganz den Treffen und Gesprächen mit Vertretern der christlichen Gemeinde Marokkos widmen. Er wird auch am morgigen Sonntag eine Messe abhalten, zu der ebenfalls 10.000 Teilnehmer erwartet werden. Im Anschluss reist Papst Franziskus I. wieder nach Rom zurück.

Papst sieht sich als Pilger.

In einer Botschaft vorab, beschrieb der Papst, mit Blick auf seine Reise, sein Selbstbild. In der Erklärung heißt es: „Auf den Spuren meines Vorgängers Papst Johannes Paul II. werde ich als Pilger des Friedens und der Brüderlichkeit, in einer Welt die diese Werte derzeit sehr braucht, kommen. Als Christen und Muslime glauben wir alle an Gott, den Schöpfer und den Barmherzigen, der die Menschen geschaffen und in der Welt angesiedelt hat, um als Brüder zusammenzuleben, die einander in Vielfalt respektieren und sich gegenseitig in Not helfen.“

Geschenke mit Symbolkraft

Papst Franziskus soll mehrer Geschenke erhalten. In einem Interview gegenüber der Zeitung La Vanguardia Ediciones berichtete der Erzbischof von Rabat, Cristóbal López, darüber, dass dem Papst eine Darstellung von Jesus mit dem Kreuz auf dem Rücken überreicht werden soll. Eine künstlerische Arbeit eines marokkanischen Bildhauers“. Unter den Geschenken, die der Papst in Marokko erhalten soll, gibt es auch einen Arganbaum, ein Baum, der nur in Marokko wächst, ergänzte Cristóbal López. Eine Gruppe junger Muslime soll diesen lebenden Baum vorbereitet haben, um ihn dem Papst zu geben. Er soll im Vatikan gepflanzt werden. „Ich weiß nicht, ob er Wurzeln schlagen wird (im Vatikan), weil er in anderen Breiten nicht existiert kann. Wenn er dort Wurzeln schlägt, wäre es ein echtes Wunder“, sagte er weiter.

Erzbischof
Cristóbal López Romero neuer Erzbischof von Rabat.

Ein Angebot des Dialogs

Der Besuch eines christlichen Oberhauptes in einem islamischen Land ist immer ein schwieriges Unterfangen. In Zeiten, in denen nicht selten von einem Krieg der Kulturen gesprochen und in denen der Islam mit Terrorismus eng in Verbindung gebracht wird sowie die Christen als Eroberer und Kolonialisten angesehen werden, die sich mit militärischer Gewalt und politischer Manipulation an den Schätzen der arabisch – islamischen Welt bereichern wollen. Dies ist alles so wahr wie es zugleich unwahr ist. Den weder steht der islamische Glaube für Terrorismus noch das Christentum für Ausbeutung. Es sind politische und wirtschaftliche Interessen die auf beiden Seiten dazu führen, dass der jeweilige Glauben missbraucht wird. Der Besuch stellt ein Angebot zum Dialog da, mit einem muslimischen Land vor den Touren Europas. Dazu bedarf es aber mehr als nur schöne Bilder und Worte, sondern Geduld und Respekt auf allen Seiten.

Marokko – Botschaft von Papst Franziskus an die Marokkaner

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