Marokko – Parlamentarischer Untersuchungsausschuss prüft Lage am Bab Sebta (Ceuta).

"Es ist Gnadenlos und ein großes Durcheinander." Parlament setzt Untersuchungsausschuss ein.

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Ceuta
Frauen als menschliche "Maultiere" am Grenzübergang zu Ceuta (Bab Sebta).

Lage der menschlichen „Maultiere“ und vernachlässigten Kinder an der Grenze zur Ceuta soll untersucht werden.

Rabat – Seit Jahren empfinden viele Marokkanerinnen und Marokkaner die Situation an der Grenze zur spanischen Enklave Ceuta als Schande und Notwendigkeit zugleich. Insbesondere die Situation am Fußgängerübergang hat die Gemüter über Jahrzehnte aufgewühlt. Aufgrund einer Sonderregelung untersteht die Einfuhr von Waren aus Ceuta nach Marokko einer Befreiung von Zöllen, solange die Waren als „Handgepäck“ am Körper anliegend über die Grenze transportiert werden. Dies führt dazu, dass die Händler auf marokkanischer Seite Personen mit der Einfuhr von Waren beauftragen, die dazu den Fußgängerübergang nutzen. Diese Transportaufgabe wird häufig von Frauen sowie Tagelöhnern übernommen. Sie tragen die schwere Last, unter enormen Anstrengungen, über die Grenze. Meist öffnet der spanische Zoll den Grenzübergang für Waren zeitlich begrenz. Die Folge ist ein unwürdiges Gedränge, bei dem es immer wieder zu tragischen Unfällen gekommen ist.

„Es ist Gnadenlos und ein großes Durcheinander.“ Parlament setzt Untersuchungsausschuss ein.

Beobachter der Gegebenheiten sprechen von einer Gnadenlosigkeit unter den Menschen und einem großen Durcheinander. Not und Profitgier treffen aufeinander und fördern nicht gerade die positiven Seiten aller Beteiligten ans Tageslicht. Doch für viele ist es die einzige Möglichkeit ihre Familien zu ernähren.
Nun hat das Repräsentantenhaus des marokkanischen Parlaments eine Untersuchung der bestehenden Situation, vor allem der Situation der sog. menschlichen „Maultiere“ an den Grenzübergängen von Ceuta, eingeleitet. Dazu wurde ein Untersuchungsausschuss eingerichtet.

Der Druck auf die Politik ist gestiegen, nachdem es gerade bei Frauen wiederholt zu schweren Verletzungen und sogar zu Todesfällen gekommen ist. Auch die Berichterstattung ausländischer Medien, z.B. des NDRs, hat die Politik zum Handeln gezwungen. Im Januar 2018 kamen zwei marokkanische Frauen bei einer Massenpanik ums Leben. Bereits im Jahr 2017 starben drei Menschen. Sie wurden alle zu Tode getrampelt.

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Mehrere Ministerien stehen in der Pflicht sich um Bab Sebta zu kümmern.

Gegenüber der marokkanischen – staatlichen Nachrichtenagentur MAP sagte der Abgeordneten Abdelwadoud Kharbouch, dass hier mehrere Ministerien in der Pflicht sind. Unter anderem sind im Untersuchungsausschuss Vertreter des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums, des Ministerium für islamische Angelegenheiten und des Ausschusses für die im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkanern (MREs). „Der Hauptzweck dieser Mission ist es, sich mit den Bedingungen am Grenzübergang Bab Sebta (Ceuta) auseinanderzusetzen, insbesondere mit Blick auf die Situation von vernachlässigten Kindern und Frauen, die Güter transportieren“, sagte Kharbouch gegenüber der Nachrichtenagentur Maghreb Arab Press (MAP). Der Untersuchungsausschuss soll „die menschlichen und sozialen Bedingungen, unter denen insbesondere die Frauen arbeiten, sowie die Auswirkungen des Schmuggels auf die Volkswirtschaft und die sozialen Strukturen in der Region beleuchten“. Nach Angaben des Abgeordneten Kharbouch arbeiten 8.500 Personen, als menschliche „Maultiere“, darunter ca. 3.000 Frauen.

Spanien hat bereits erste Maßnahmen eingeleitet.

Spanien, das vom Verkauf der Waren in Ceuta profitiert, hat nach den Tragödien im Jahr 2017 erste Maßnahmen ergriffen. Die spanischen Behörden haben eine Vereinbarung mit dem marokkanischen Parlament getroffen. Das Abkommen, das bereits im Juni 2017 auf Betreiben Spaniens geschlossen wurde, erlaubt es Frauen die Grenze nur montags und mittwochs zu überschreiten, während Männer dienstags und donnerstags passieren dürfen. Das soll den Andrang regulieren und die Lage etwas entspannen. Der Erfolg ist bisher begrenzt. Die eingeführten Waren werden nicht nur in der Region um Melilla und Nador vertrieben, sondern finden sich auch auf den Märkten zahlreicher Städte im Landesinneren wieder.

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