Marokko – Platz 121 im UNO – Human Development Index UNDP

Deutliche Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern.

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Entwicklungsmöglichkeiten für Menschen schlechter als in Palästina und dem Irak.

New York – Der Human Development Index 2019 (Index zur menschlichen Entwicklung) UNDP, des UNO – Entwicklungsprogramms, wurde in diesen Tagen veröffentlicht. Marokko wird auf Rang 121 von 189 der gemessenen Länder geführt. Marokko hat sich, gegenüber der letzten Messung, um zwei Plätze verbessert. Liegt aber in 2019 im Umfeld von Palästina und dem Irak. Mit einer Punktzahl von 0,676 hat Marokko eine sog. „mittlere menschliche Entwicklung“. Die weiteren Staaten des Maghreb haben, laut UNDP mit Algerien Rang 82 und mit Tunesien Rang 91, eine als „hohe menschliche Entwicklung“ bezeichnete Situation. Dies gilt auch für weitere sechs afrikanische Länder, die damit über Marokko rangieren. Der Human Development Index misst die Fähigkeit, „ein langes und gesundes Leben zu führen, Wissen zu erwerben und Einkommen für einen grundlegenden Lebensstandard zu erzielen“.

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UNO – Bericht zur menschlichen Entwicklung weist Marokko einen niedrigen Rang zu.

Marokko entwickelt sich unzureichend.

Marokko hat seit Beginn der Studie im Jahr 1990 eine allmähliche positive Verbesserung seines Wertes erreichen können. Im Jahr 1990 hatte Marokko einen Wert von 0,458, im Jahr 2000 einen Wert von 0,531 und im Jahr 2010 einen Wert von 0,618. Nur ca. 1% der marokkanischen Bevölkerung leben unter der international anerkannten Armutsgrenze und damit von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag. Über die monetäre Armut hinaus geht der UNO-Index davon aus, dass 19% der Marokkanerinnen und Marokkaner unter einer sog. „multidimensionaler Armut“ leben. Damit sind mehrere gleichzeitig zutreffende Defizite, gemessen an den oben genanten Kriterien, wie der Erwerb von Wissen und Einkommen für einen grundlegenden Lebensstandard, gemeint. Dies wird umso deutlicher, da die Studie auf ausgeprägte Ungleichheiten unter den Bevölkerungsgruppen hinweist.

Marokko
UNO-UNDP Index Ranking 2019 Marokko

Deutliche Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern.

Die auffälligsten Ungleichheiten erfasst der Bericht zwischen Männern und Frauen, in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und die Zeit, die für Hausarbeit aufgewendet wird. Ca. 70% der marokkanischen Männer sind erwerbstätig. Dem gegenüber sind es nur 21% der Frauen. Unterdessen berichteten Frauen, dass sie mehr als fünf Stunden pro Tag mit unbezahlten Haushaltsarbeiten verbringen, siebenmal mehr Zeit als Männer.

Frauen
Ehen von minderjährigen Mädchen angestiegen. Armut, Traditionen und Gesetzeslücken ursächlich.

Der Anteil der Frauen im marokkanischen Parlament beträgt 18%. Das sind nur wenige Prozentpunkt mehr, als der Frauenanteil im Land, der vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres bereits verheiratet ist. Dieser liegt bei 13%, obwohl inzwischen die sog. Kinderehe weitestgehend erschwert wurde und verboten werden soll. Im Gesundheitswesen stellt der Index ebenfalls Defizite zu Lasten der Frauen fest. Fast ein Viertel der schwangeren Frauen haben keine pränatale Betreuung, 13% gebären ohne „qualifiziertes Gesundheitspersonal“. Pro 10.000 Einwohner gibt es sieben Ärzte und 11 Krankenhausbeten.

Defizite in der Bildung und beruflichen Qualifikation

Marokkaner, die 2018 in das erste Schuljahr eintraten, können laut der UNO mit einem durchschnittlichen Bildungsweg von 13 Jahren rechnen, weit mehr als die fünf Jahre, die der durchschnittliche erwachsene Marokkaner derzeit hat. Marokkanische erwachsene Männer verfügen mit 36% über einen „gewissen“ Sekundarschulabschluss. Bei Frauen sind es nur 29%, die über Grundschulbildung hinauskommen. Das UNDP beschreibt nur 19% der marokkanischen Arbeitskräfte als „qualifiziert“ und sagt, dass 49% der Arbeitskräfte einer niedrigen Beschäftigungsform nachgehen.

Gesamtbericht finden Sie hier

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