Marokko – Polizei löst Sitzblockade von Lehrern auf.

Lehrervereinigung sieht Schuld beim Bildungsministerium.

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Lehrer
Demonstrierende Lehrer auf dem Weg zum Parlament

Konflikt zwischen nicht verbeamteten Lehrern und Bildungsministerium geht in die 7. Woche.

Rabat – In der Nacht vom 24. Auf den 25. April 2019 kam es in der marokkanischen Hauptstadt wieder zu Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden Lehrern und Sicherheitskräften. Seit sieben Wochen demonstrieren Lehrer, die keinen Beamtenstatus haben, gegen ihre Anstellungsverhältnisse. Eigentlich hatten sich die beiden Kontrahenten darauf geeinigt, dass die Lehrer ab dem 15. April in den allgemeinen Schulbetrieb zurückkehren und der Dialog mit dem Bildungsministerium fortgeführt wird. Doch große Teile der Lehrerschaft trauten den Zusagen des Bildungsministeriums nicht und führten ihren Streik fort. Nun hat der marokkanische Bildungsminister, Saaid Amzazi, beschlossen, den Dialog mit den Lehrkräften, der regionalen Schulen bis zur Wiederaufnahme des Unterrichts auszusetzen. Die Reaktion der Lehrerschaft lies nicht lange auf sich warten. In besagter Nacht hat man versucht vor dem marokkanischen Parlamentsgebäude in Rabat einen Sitzstreik zu organisieren.

Polizei löst Sitzblockade auf und setzt auch Wasserwerfer ein.

Die Polizei hat sehr schnell die Sitzblockade aufgelöst. Mit entsprechenden Einsatzkräften, die sich stets im Umfeld des Parlaments befinden, ging man gegen die Lehrer im Angestelltenverhältnis vor. Dabei setzte man auch Wasserwerfer ein. Die gesamte Sicherheitszone rund um das marokkanische Parlament wurde umfassend geräumt. Einzelne Lehrer hatten versucht sich in der Nähe zu verstecken, um bei Gelegenheit an den vorgesehenen Demonstrationsort zurückzukehren. Dies wurde von den Sicherheitskräften unterbunden.

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Lehrervereinigung sieht Schuld beim Bildungsministerium.

Youssef Alakouch, Sprecher der Freien Bildungsvereinigung, kritisierte in einer Erklärung gegenüber TelQuel Arabi die Reaktion der Regierung, die er in erster Linie für die aktuelle Situation verantwortlich macht.

„Diese Entscheidung, den Dialog mit Vertragslehrern auszusetzen, ist nachteilig für die Schüler“, sagte er. „Das Bildungsministerium arbeitet nicht zum Wohle der Schüler und Studenten, da die Beamten wissen, dass einige Bereiche eine beispiellose Krise im Bildungsbereich erleben“, fuhr er fort. Youssef Alakouch ist der Ansicht, dass „sich das Ministerium nicht damit zufrieden geben sollte, Argumente vorzubringen, die fernab jeglicher Objektivität sind“.

Bildungsministerium hat Zugeständnisse gemacht.

Die Lehrer im Angestelltenverhältnis fordern eine Übernahme in dem Beamtenstatus. Das lehnt die Regierung ab. In einer ersten Vereinbarung hatte das Bildungsministerium Zugeständnisse gemacht. Es wurde vereinbart:

Aufhebung der bereits gegen einzelne Lehrer ergriffenen Verwaltungs- bzw. Disziplinarmaßnahmen (Aussetzung von Gehaltszahlungen, Suspendierungen, Entlassungen usw.),

Eine zeitliche Verschiebung der Berufsqualifikationsprüfungen, damit sich die Lehrer besser vorbereiten können,

Fortsetzung des Dialogs über alle Streitpunkte.

Die Vertreter der Lehrer im Angestelltenverhältnis haben sich ihrerseits im Namen aller betroffenen Lehrer verpflichtet, den Unterricht ab Montag (15. April) wiederaufzunehmen. Das ist nicht vollständig geschehen. Daraufhin hat das Bildungsministerium das nächste Treffen am 23. April abgesagt.

https://youtu.be/rLbqv1XpbYM

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