Marokko – Prozessauftakt im Fall Khadija erneut vertagt.

Verschiebung des Prozessauftakts zum Unmut von Khadija.

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Missbrauch
Opfer von brutaler sexueller Gewalt

Die Entführung und der wochenlange Missbrauch von Khadija erschütterte Marokko.

Beni-Mellal – Der Prozess gegen 12 Männer, denen die Entführung und der wochenlange Missbrauch der jungen Khadija zu Last gelegt wird, wurde am gestrigen Dienstag zum dritten Mal binnen zwei Monaten vertragt. Der Fall der 17-jährigen Khadija löste national und international Bestürzung aus. Über zwei Monate war Khadija in den Händen ihrer Entführer, die sie in einem abgelegenen Haus gefangen hielten, unzählige Male missbrauchten und ihren Körper mit Brandwunden und teils obszönen Tätowierungen übersäten, so die Anklage des Gerichts in Beni-Mellal. Einige der Beschuldigten haben bereits in den Vernehmungen den Sachverhalt gestanden. Die Anhörung wurde sofort auf den 9. Juli verschoben, da zwei der Angeklagten noch immer keine Anwälte haben.

Erstes Aufeinandertreffen von Khadija und den Angeklagten vor Gericht.

Khadija, die bei ihren Eltern lebt, sagt, dass sie „eine schwierige Zeit durchmache“ und „immer noch Ängste hat, auch wenn es besser geworden ist“. Die junge Frau erschien vor Gericht, mit ihren Händen in Handschuhen, die ihre Tätowierungen verdeckten, weil ihre Anwälte diese als Beweis für ihre Nebenklagen verwenden wollen. Die Angeklagten im Alter von 19 bis 29 Jahren waren an dem Termin anwesend, mit Handschellen gefesselt und unter Bewachung. Gegen sie wird wegen „Menschenhandels, Vergewaltigung, organisierter Bandenbildung sowie Entführung und Freiheitsberaubung“ der Prozess geführt. Den Angeklagten drohen Haftstrafen von bis zu 30 Jahren. Gegen einen dreizehnten Beschuldigten wird separat und unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt, da er zum Zeitpunkt der Ereignisse minderjährig war.

Verschiebung des Prozessauftakts zum Unmut von Khadija.

Auf die erneute Verschiebung des Prozessauftakts regierte Khadija, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, mit Ablehnung und Unverständnis. Nach der Vertagung sagte sie gegenüber AFP: „Ich warte darauf, dass es zu ende geht und die Dinge richtig gestellt sind, um mich tätowieren lassen zu können.“ Ihr Fall löste in Marokko und darüber hinaus nicht nur Bestürzung, sondern auch heftige Debatten aus.

Um Gerechtigkeit zu erlangen, ging die damals 17-jährige Frau, aus einfachen Verhältnissen, im August 2018 mit einem viralen Video an die Öffentlichkeit und klagte an, dass sie zwei Monate lang von jungen Männern aus ihrem Dorf Oulad Ayad in der Nähe von Beni-Mellal entführt, eingesperrt, vergewaltigt und gequält worden sei. In dem Video klagt sie nicht nur an, sondern zeigt Brandwunden, die von Zigaretten stammen und obszöne Tattoos, die von den Beschuldigten auf dem Körper von Khadija gestochen sein sollen. Das Video verlieh dem Widerstand gegen „die Kultur der Straflosigkeit nach Vergewaltigungen“ neue Dynamik und rückte eines der großen Tabu-Themen in den Mittelpunkt einer gesellschaftlichen Debatte.

Gesellschaft macht es Opfern oft nicht leicht.

Nach ihrer Befreiung sah sich Khadija in ihrem Dorf persönlichen Angriffen ausgesetzt. Die Angehörigen der Angeklagten behaupteten, dass sie „aus eigenem Antrieb bei den Jungen Männern war“, einige wiesen ihr eine Mitschuld an den Geschehnissen zu, obwohl ihrer Angreifer die Vorwürfe bereits zugegeben hatten.

Ihre Entscheidung das weit verbreitete Schweigen zu brechen, indem sie sich öffentlich zeigt, ist in der konservativen Gesellschaft Marokkos, die Vergewaltigungsopfer meist zwingt zu schweigen, weil das Ansehen der Frau und die vermeintliche Ehre ihrer Familien zu schützen sind, sehr selten. Untersuchungen in Marokko lassen vermuten, dass eine sehr deutliche Mehrheit der Opfer über erlittene Gewalttaten und Missbrauch schweigt. Khadija hingegen äußert, „dem Druck standgehalten zu haben“ und fordert die Gewaltopfer auf, „nicht zu schweigen“.

Marokko – Fall von Gruppenvergewaltigung erschüttert die Menschen.

 

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