Marokko – Rapper Gnawi erhält Haftstrafe.

Verhaftung und Anklage löste Kritik aus.

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Rapper
Quelle Youtube - Video Rapper Gnawi

Ein Jahr Haft und 1.000 MAD Geldstrafe für mutmaßliche Beamtenbeleidigung.

Salé – Das Gericht Salé hat in erster Instanz den marokkanischen Rapper „Gnawi“ zu einem Jahr Haft und einer Geldstrafe von 1.000 marokkanische Dirham MAD (ca. 94€) verurteilte. Am gestrigen Montagabend gab das Gericht, in der Schwesterstadt der marokkanischen Hauptstadt, gegen 19:00 Uhr Ortszeit sein Urteil bekannt. Der gesellschaftskritische Rapper wurde für schuldig erklärt, Polizeibeamte und die Sicherheitsorgane persönlich und im Allgemeinen „beschimpft“ und „beleidigt“ zu haben. In der Urteilsbegründung heißt es, dass der Angeklagte „schwere Beleidigungen“ gegen die Polizei in einem Video, das in den sozialen Medien Verbreitung fand, geäußert habe. Der Rapper, so das Gericht weiter, sei ein „Wiederholungstäter“, der für seine Beteiligung der Gesetze bekannt sei. Er ist auch Mitautor eines Clips, der Institutionen beleidigt habe.

Weitere Zivilklage gegen Rapper eingereicht.

Trotz des Urteils vom gestrigen Montagabend drohen dem Musiker weitere juristische Auseinandersetzungen. Die Generaldirektion für nationale Sicherheit (DGSN), das wichtigste Sicherheitsorgan des Landes, soll laut Medienberichten, eine Zivilklage eingereicht haben. Die Anwälte des DGSN, das sowohl den Auslands- und Inlandsgeheimdienst sowie das BCIJ beaufsichtigt, machen geltend, dass den Sicherheitsorganen durch die Beleidigungen Schaden entstanden sei. Diesen mache man nun geltend. Welcher Art und in welcher Höhe der wahrgenommene Schaden auf Seiten des DGSN ist, wurde nicht bekannt.

Verhaftung und Anklage löste Kritik aus.

Die Verhaftung des in Marokko sehr bekannten Rappers, Anfang des Monats, löste große Diskussionen im Land aus. Gerade sehr junge Leute empörten sich und stellten sich teilweise deutlich hinter die Äußerungen des Musikers. Das umstrittene Video wurde nach Medienberichten über 13 Millionen Mal auf Youtube angesehen. Auch Amnesty International meldete sich zu Wort und warf den Behörden und der Justiz einen Angriff auf die freie Meinungsäußerung von Künstlern vor. In seinem letzten Video kritisierte Gnawi die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in teils sehr deutlichen Worten. Er sprach den Drogenhandel, die Arbeitslosigkeit und die Korruption an. In einer Zeile wird auch das Staatsoberhaupt, in seiner Rolle als geistliche Autorität, angesprochen. Daher sehen viele die Verhaftung und die Verurteilung im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Kritik an König Mohammed VI. Die Position und die Person des Monarchen werden kulturell wie juristisch als unantastbar bewertet.

Marokko – Rapper droht Gefängnis wegen „Beamtenbeleidigung“.

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