Marokko – Regelung zum Anbau und Verwertung von Cannabis tritt in Kraft

Behördliche Kontrollen sollen illegalen Anbau zurückdrängen.

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Cannabis
Der meiste in Europa konsumierte Cannabis stammt aus Marokko.

Verordnung regelt Kontrollen und legale Anbaugebiete für Cannabis und deren Nutzung in drei Provinzen in Marokko.

Rabat – Marokko hatte sich in der vergangenen Legislativperiode unter PJD Premierminister El Othmani zu eine geordneten und modernen Drogenpolitik entschieden. Dabei folgte man einer Vorgabe der UNO und zugleich dem Motiv, den meist in prekären Lebensverhältnissen lebenden Cannabis – Bauern aus ihrem Elend herauszuhelfen. Zusätzlich will man die sich zunehmend abzeichnenden medizinischen Eigenschaften von Cannabis, z.B. in der Schmerztherapie, in den Aufbau einer Pharmaindustrie einfließen lassen.

Das nordafrikanische Land gehört zu den größten Produzenten und überwiegend illegalen Exporteuren von Cannabis – Produkten, vor allem nach Europa. Jährlich erreichen die Umsätze geschätzte 5,2 Mrd. marokkanische Dirham MAD oder rund 490 Mio. EURO*.

In der für die allgemeine Landwirtschaft wenig fruchtbaren und schwer zugänglichen Region im Nordosten (Rif) sollen, laut Angaben der marokkanischen Regierung, ca. 73.000 Hektar Land für den Cannabis – Anbau verwendet werden. Viel Geld kommt aber bei den Bauern nicht an. Da bisher der Anbau illegal gewesen ist, fand alles mehr oder weniger im Verborgenen statt. Die Profiteure des Drogenhandels nutzten ihre enormen Profite, um sich den behördlichen Kontrollen zu entziehen und Einfluss auf die Wirtschaft des Landes auszuüben.

Das Dekret über die legale Verwendung (nicht Konsum) von Cannabis in Marokko, den Anbau und die Herstellung in gewissen Gebieten ist im Bulletin Officiel (Gesetzesanzeige) BO 7078 veröffentlicht worden und damit in Kraft getreten.

Marokko – Regulierung des Cannabishandels ohne Freigabe für allgemeinen Konsum.

Dekret bestimmt Anbaugebiete.

Die drei nördlichen Provinzen des Königreichs, in denen Cannabis für den legalen Gebrauch angebaut und hergestellt werden darf, sind Al Hoceïma, Chefchaouen und Taounate. Landwirte in diesen Regionen werden Cannabisfarmen für die legalen Nutzungsanlässe betreiben können.

Künftig können weitere Regionen zugelassen werden, um der Nachfrage lokaler und internationaler Investoren gerecht zu werden.

Um Investitionen in diesem Sektor zu fördern, kann die Nationale Agentur für die Regulierung von Aktivitäten im Zusammenhang mit Cannabis Antragsteller bei den Verfahren unterstützen.

Zur Prüfung der Lizenzanträge wird ein beratender Ausschuss eingesetzt. Er wird vom Generaldirektor der Agentur geleitet und setzt sich aus Mitgliedern des nationalen Amtes für Lebensmittelsicherheit (ONSSA) zusammen.

Behördliche Kontrollen sollen illegalen Anbau zurückdrängen.

Um zu verhindern, dass die Lizenzen für den Cannabisanbau für illegale Zwecke missbraucht werden, müssen die lizenzierten Anbauer der Agentur außerdem monatliche Berichte vorlegen, in denen der Zu- und Abfluss von Cannabis sowie der Stand der Bestände an Samen, Pflanzen und daraus hergestellten Produkten im Einzelnen angegeben sind.

Die Lizenzinhaber sind außerdem verpflichtet, bis zum 31. Januar jeden Jahres eine Bestandsaufnahme der Cannabispflanzen, -samen, -pflanzen und -produkte des Vorjahres vorzulegen.

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass der zulässige Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC), dem Hauptwirkstoff von Hanf, in den genutzten Pflanzen noch durch einen gemeinsamen Erlass der verschiedenen betroffenen Ministerien (Gesundheit und Inneres) festgelegt werden muss.

*Wechselkurs Stand 8. April 2022

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