Marokko – Restriktive Visa-Politik schädigt Frankreichs Ansehen im Königreich Marokko

Frankreich will Maghrebiner ausweisen können und Algerien, Marokko und Tunesien zur „Rücknahme“ von Personen drängen.

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Algerier, Marokkaner und Tunesier reagieren auf die französische „Visa – Vergabepolitik“ mit Verärgerung und allgemeiner Ablehnung und zeigen vermehrt Sympathie für Deutschland.

Paris – Die drastische und politisch motivierte Einschränkung bei der Visavergabe Frankreichs für den Schengenraum, vor allem gegenüber Antragstellern aus Marokko, aber auch aus Algerien und teilweise aus Tunesien, scheint sich zunehmend auf die grundlegende Einstellung gegenüber Frankreich auszuwirken. Dieses Thema beschäftigt seit Monaten die Bürgerinnen und Bürger in den Maghreb-Staaten und erregt die Gemüter. Eine große Meinungsumfrage des Arabischen Barometers zeigt, dass Frankreich bei den Bewohnern der betreffenden Länder nicht mehr beliebt ist.

Die Ergebnisse der bisher größten Meinungsumfrage im Nahen Osten und in Nordafrika, an der sich 23.000 Personen beteiligten, erscheinen unmissverständlich. Auf die Frage, welches Land die Marokkaner bei der Vergabe von Infrastrukturaufträgen bevorzugen, lehnte die Mehrheit Frankreich ab. Deutschland steht an erster Stelle. Dies sei zweifellos auf die jüngste Annäherung zwischen Rabat und Berlin zurückzuführen.

USA gilt in Marokko als engster Verbündeter.

Paradoxerweise gelten die USA weiterhin als Marokkos erster großer Freund, wenn auch nicht immer. Aber wenn es um die Vergabe von Aufträgen geht, geht offenbar nichts über solides deutsches Know-how. An zweiter Stelle stehen die Amerikaner mit 23%, an dritter Stelle die Türkei mit 18%. China liege in Algerien an der Spitze, aber im Königreich liege es mit 14% auf Platz 4.

Nur 6% der Befragten nannten Frankreich an erster Stelle. Die gleiche Situation zeigt sich, wenn es um Vertrauen gegenüber einer Nation geht. Nur noch 12% der Marokkaner vertrauen Frankreich. Die USA und Deutschland teilen sich mit ca. 19% den Spitzenplatz des Rankings, so der Bericht von Arab Barometer in ihrer Ausgabe vom Dienstag, 20. September. An zweiter Stelle folgt China mit 18% der Befragten, während die Türkei auf 16% komme.

Ein weiteres Problem scheint Frankreich bei seinem Image als „gastfreundliches Land“ oder Wertschätzung von marokkanischen Arbeitnehmern zu bekommen. Laut der Umfrage sei Deutschland das mit Abstand beste Gastland (29%), gefolgt von der Türkei (21%), den USA (18%) und China (15%). Frankreich erreiche nur noch 7% Zustimmung in dieser Frage.

Arab Barometer
Quelle Arab Barometer

Möglicher Besuch von Emmanuel Macron im Oktober

Frankreich Einfluss scheint zu schwinden. Vielleicht bringt der Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit Äußerungen, wie sie Annalena Baerbock im August in Rabat gemacht hat, oder wie er sie kürzlich in Algerien machte, einen Stimmungsumschwung in dieser Angelegenheit.

Frankreich will Maghrebiner ausweisen können und Algerien, Marokko und Tunesien zur „Rücknahme“ von Personen drängen.

Frankreich hatte gegenüber allen drei Ländern seine Visa-Vergabepolitik geändert und die Anzahl der Visa um mindesten 50% reduziert. Damit will Paris den Druck auf Algerien, Marokko und Tunesien erhöhen, mehr gegen illegale Migration in Richtung Frankreich zu tun und auch Staatsbürger wieder zurückzunehmen, die Paris gerne ausweisen würde. Insbesondere Marokko will dem Druck nicht nachgeben und will nur eindeutig als Marokkaner identifizierte „illegale“ Migranten zurücknehmen. Neben diesen Personen will Frankreich aber auch straffällig gewordene Marokkanerinnen und Marokkaner ausweisen, auch wenn diese eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen oder als radikale Gefährder gelten. Dies lehnt Rabat gänzlich ab, da die betroffenen Personen keine Straftaten in Marokko verübt haben und man sich nicht als Strafkolonie betrachtet oder nutzen lassen möchte. Auch betrachtet man die Ausweisung nach Marokko als Teil einer Strafe als Abwertung des eigenen Landes.

Ähnlich sehen dies die anderen Mitgliedsstaaten. Tunesien hat erst im August, nach einem Besuch der tunesischen Premierministerin in Paris, eine Lockerung bei der Visavergabe durch Frankreich erreichen können, zeitlich begrenzt und sicherlich unter nicht genannten Auflagen.

Marokko – AMDH kritisiert Visa-Vergabepraxis durch Frankreich

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