Marokko – Sand – Mafia zerstört Strände.

Küstenabschnitte und Strände werden geplündert.

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Küsten
Marokkanische Küste

Weltweit plündert die Bauindustrie illegal Strände und gefährdet den Küstenschutz.

New York – In einer kürzlich veröffentlichten Studie des UNO – Umweltprogramms wurde die weltweite Situation bei der Beschaffung von Sand in der Bauindustrie untersucht. Dabei beobachtet die UNO den weiter zunehmenden illegalen Abbau von Sand. Auch Marokkos Bauindustrie beschafft sich illegal Sand, so dass die UNO bereits von einer Sand – Mafia spricht. Sand ist eine sich immer weiter verknappende Ressource, was ihn zu einem begehrten Gut werden lässt und kriminellen Kreisen hohe Gewinne ermöglicht. In dem Bericht wird Marokko, als eines der vom illegalen Abbau am stärksten betroffenen Länder der Welt genannt. In dem Bericht, der Maghreb-Post vorliegt, wird festgestellt, dass etwa 10 Millionen Kubikmeter pro Jahr, vermutlich illegal in Küstengebieten abgebaut werden. Dieser Sand wird benötigt, um den seit Jahren anhaltenden Bauboom aufrecht zu erhalten. Ein Bauboom, der aus den Investitionen des Staates in Infrastruktur resultiert und der durch die Aktivitäten im Tourismus und im privaten Bausektor ergänzt wird.

Küstenabschnitte und Strände werden geplündert.

Im Bericht wird das Beispiel des Küstenstreifens zwischen Safi und Essaouira am Atlantik erwähnt. Dort soll die illegale Gewinnung von Sand große Teile des Strandes abgetragen und eine Felsküste hinterlassen haben. Bereits im vergangen Sommer haben Abgeordnete im marokkanischen Parlament besorgt auf die Situation hingewiesen und geschätzt, daß ca. 55% des auf dem nationalen Markt verkauften Sandes, aus illegalen Quellen stamme. Diese Informationen wurden von Aujourd’hui Le Maroc im Juni letzten Jahres veröffentlicht. In dem Artikel wird ausgeführt, dass der Sand aus den Wadis (Flüssen) 16%, der Sand aus der Zerkleinerung von Steinen ca. 7,25% und der Sand aus Dünnen ca. 14,49% des sich auf dem Markt befindlichen Baustoffs ausmacht. Die Herkunft des übrigen Sandes ist unklar. Neben dem Umweltaspekt beklagten einige Abgeordnete, laut der Tageszeitung, auch die entgangenen Steuereinnahmen. Denn für Sand den es vermeintlich nicht gibt, wird natürlich keine Steuer entrichtet.

Marokko
Marokko – Politiker im Parlament Rabat

Umweltschäden und wirtschaftliche Folgen durch illegalen Abbau von Sand sind für Marokko bedrohlich.

Die Situation ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch bedrohlich. Wirtschaftlich beraubt sich das Land selbst, was eines ihrer wichtigsten Attraktionen für Touristen betrifft, dass sind die Strände. Die Studie sagt dazu: „An manchen Orten kann die Fortsetzung des Baubooms zu einer unhaltbaren Situation und zur Zerstörung der natürlichen Hauptattraktion der Besucher führen: die Strände selbst“ Keiner verbringt seinen Strandurlaub in einem Land, wo es Strände immer weniger gibt, oder diese nur noch aus unzugänglichen Felsen bestehen. Darüber hinaus sind die Folgen aus ökologischer Sicht katastrophal. Im Bericht wurde der Fall Assilah erwähnt. Der Ort nahe Tanger hat „aufgrund von regulatorischen Problemen und tourismusbedingten Belastungen“ schwere Küstenerosionen erlitten. Der Sand ist nicht mehr da, um den ansteigenden Meeresspiegel aufzufangen oder die Küste bei Stürmen zu schützen. Immer mehr Erdreich und Pflanzengut wird ins Meer gespült.

Sand
Quelle UNO Bericht Zitat zu Marokko – Sand and Sustainability Finding new solutions for environmental governance 2of global sand resources

Erosion bedroht die Küsten

Zwischen 2012 und 2014 erlebte Assilah die Sandgewinnung sehr intensiv, als die Küstenstadt einen Anstieg des Baus von Wohnungen, Häusern, Hotels und Resorts verzeichnete und dabei einen günstigen Immobilienmarkt nutzte. Der umgebende Sand war die ideale Ressource für Bauherren. Doch „viele Orte in Küstennähe sind heute von der Erosion bedroht, die sie selbst geschaffen haben“, heißt es im Studienbericht. Ähnliche Situationen sind in anderen Küstenstädten wie Larache oder sogar Kenitra zu finden.

Marokkanische Regierung versucht gegenzusteuern.

Am 23. November 2017 verabschiedete die marokkanische Regierung das Dekret zur Umsetzung des Gesetzes 81-12. Dieses Gesetz zielt darauf ab, das „biologische und ökologische Gleichgewicht sowie das Naturerbe“ an den Küsten zu erhalten und die Entnahme von Sand aus Seedünen zu verbietet. Dabei werden Verstöße mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren verfolgt. Ein Gesetz, das nach Angaben von Telquel nur wenig abschreckt, da es nicht durchgesetzt wird. Dabei würde es ja genügen den Sandlastwagen einfach mal zu folgen, wenn diese sich in Küstennähe aufhalten.

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