Marokko – Steuerbehörden nehmen YouTuber und Influencer unter die Lupe.

Steuerbehörden prüfen Vermögenswerte und nutzen produzierten Content

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Finanzämter senden erste Mahnschreiben zur Prüfung von Einkommen aus der Contentproduktion.

Rabat – Die marokkanischen Finanzbehörden haben ihren Fokus auf die sog. Contentproduzenten in den sozialen Medien ausgerichtet. Die Zeit des Abwartens bzw. der Zurückhaltung scheint zu Ende zu gehen. Die Zeitung La Vie Éco berichtet, dass z. Zt. mehrere Mahnungen an Internetinfluencer verschickt werden, in denen sie aufgefordert werden, ihr Einkommen zu deklarieren bzw. ihre Steuern zu zahlen. Die Steuerbehörden seien den Influencer dicht auf den Fersen.

Mehrere Medien berichteten in den letzten Monaten, dass die Urheberinnen und Urheber digitaler Inhalte (Content) zunehmend ins Visier der Steuerbehörden geraten. Darüber hinaus wurde berichtet, dass die Steuerbehörde DGI (Direction Générale des Impôts) an intensiven Ermittlungen arbeite, mit denen weitere Kontrollen und Steueranpassungen durchgeführt werden sollen.

Heute siehe es so aus, als hätte die GDI einen konkreten Aktionsplan, dessen Ansätze bzw. Methoden sich bewährt haben“, so die Zeitung weiter. Dank eines speziellen Vorgehens, das bereits 2015 begonnen wurde, gelinge es der DGI nun besser, mutmaßliche Steuerhinterzieher zu kontrollieren bzw. zu identifizieren.

Steuerbehörden prüfen Vermögenswerte und nutzen produzierten Content der Influencer und YouTuber

Mehrere Umfragen und Evaluierungen haben gezeigt, dass die Steuerbehörde dieses Manko wirksam bekämpfen bzw. zumindest verringern könnten. Sie verfügen über alle Angaben und können nun Daten mit denen der Grundbuchämter, des Bankensystems oder auch der Devisenbehörde abgleichen.

Die Bekämpfung von in der digitalen Welt tätigen mutmaßlichen Steuersündern sei hauptsächlich auf den Wunsch des Staates zurückzuführen, dessen Steuerbasis in Zeiten der Wirtschaftskrise und des fiskalischen Drucks zu erhöhen. „Die Einnahmeverluste für den Fiskus sind in der Tat beträchtlich“, sagt Steuerexperte Mohamed Rahj dem Nachrichtenportal La Vie Éco.

„Um das Einkommen von Influencern zu bewerten, greift die DGI angesichts des rechtlichen Vakuums in diesem Sektor auf die sog. globale Situation zurück.“ berichtet Mohamed Rahj weiter. Er plädiert für einen angemessenen rechtlichen und steuerlichen Status für Inhalteanbieterinnen und -anbieter.

In der Zwischenzeit wurde der Ansatz der Steuerbehörden konkretisiert. Die Steuerbehörden prüfen, ob das Einkommen der Influencer ihrem Lebensstil entspreche. Ihre Beiträge in sozialen Netzwerken geben den Steuerprüfern ggf. auch Aufschluss über den Wert ihrer materiellen Güter.

Tatsächlich verdienen viele marokkanische Influencer Geld mit der Darstellung ihres Lebensalltags und geben nicht selten auch Einblicke in ihre Wohlstandentwicklung seit Beginn ihrer Aktivitäten z.B. auf TikTok, YouTube oder Instagram. Dies könnte es den Behörden erleichtern, Ermittlungen durchzuführen.

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