Marokko – Touristen mit Wohnmobilen sitzen an Außengrenze fest.

Schwierige Versorgungslage für Touristen aus europäischen Ländern.

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Wohnmobil
Quelle - Thea + Dr. Stefan Becker vor Ort - Wohnmobile an der Grenze zu Ceuta

Ca. 1.000 Personen sitzen an der Grenze zu Ceuta mit ihrem Wohnmobil fest und können nicht ausreisen.

Rabat – Seit in Kraft treten des Gesundheitsnotstands und der damit verbundenen allgemeinen Ausgangssperre in Marokko, sind auch der Luftraum und die Außengrenzen geschlossen. Das führte nicht nur zu dramatischen Szenen an den Flughäfen und zu gestrandeten Urlaubern und MREs im ganzen Land, sondern hat direkte Folgen für eine große Anzahl von Touristen, die das nordafrikanische Königreich mit dem Wohnmobil bereist haben. Viele von ihnen sitzen z.B. im Süden Marokkos, in Agadir und Umgebung, fest. Derzeit befinden sich aber auch zahlreiche Urlauber, mit ihren Wohnmobilen auf der marokkanischen Seite an der Grenze zur spanischen Enklave Ceuta. Marokko lässt die Grenze geschlossen und so hat sich ein langer Stau von Wohnmobilen entlang der Küstenstraße gebildet. Nach Medienberichten befinden sich ca. 1.000 Menschen in dieser schwierigen Situation.

Schwierige Versorgungslage für Touristen aus europäischen Ländern.

Unter den meist eher etwas älteren Touristen, die teils regelmäßig in ihren Wohnmobilen den Winter in Marokko verbringen, befinden sich unter anderem Franzosen, Niederländer, Deutsche und Engländer. Sie alle stehen aufgereiht am Rande einer öffentlichen Straße ohne die nötige Infrastruktur, die für die Wohnmobile eigentlich benötigt wird. In einer an Maghreb-Post gerichteten Email berichtet ein deutsches Ehepaar darüber, dass man sein Abwasser nicht ordnungsgemäß entsorgen kann, die Versorgung mit Lebensmitteln schwierig ist, die Energieressourcen nicht mehr lange ausreichen und viele der Menschen auf Medikamente angewiesen sind, die es häufig in den lokalen Apotheken nicht gibt. Das Paar nennt die Zahl von 300 Wohnmobilen vor Ort die teilweise seit Freitagabend aufgereiht stehen. Ein britisches Paar nennt die Zahl von 500 Fahrzeugen, die sich auf einer Länge von 5 km entlang der Küstenstraße zwischen Fnideq (im Norden Marokkos) und Ceuta aufreihen.

Marokko lässt schwierig planbar Ausreisen zu.

Marokko tut sich schwer die Grenzen oder den Luftraum zu öffnen. Die getroffenen Regeln im Kampf gegen die Coronavirus COVID-19 Pandemie gelten grundsätzlich für alle Menschen im Land. Man will keinen Grund für Verärgerungen schaffen, in dem man bestimmte Gruppen mit Sonderprivilegien ausstattet. Zugleich scheint man von Seiten der marokkanischen Behörden im Stillen flexibel zu sein. So gab es, auch nach dem letzten Freitag, noch vereinzelt Flüge von Casablanca ins Ausland. Darunter vor allem nach Frankreich, aber auch in die Schweiz. Die Landgrenze zur spanischen Enklave Ceuta war zeitweise ebenfalls für die Ausreise mit dem PKW geöffnet. Es herrscht aber keine Regelmäßigkeit, die für einer Planungsgrundlage dienen könnte. Alle Aktionen werden sehr kurzfristig angekündigt und können so nicht von allen in Anspruch genommen werden. Derzeit bemüht sich der britische Botschafter für eine Lösung der mit ihrem Wohnmobil gestrandeten Touristen an der Grenze zu Ceuta.

Britischer Botschafter bemüht sich um Wohnmobil-Touristen.

Der britische Botschafter in Marokko, Thomas Reilly, versicherte zumindest seinen britischen Staatsangehörigen, die in Wohnmobilen in der Nähe von Ceuta gestrandet sind, dass sie Hilfe von den marokkanischen Behörden erhalten werden. Botschafter Reilly war das Ziel vieler Tweets von gestrandeten britischen Touristen an der marokkanisch-spanischen Grenze Ceutas und hat, nach eigenen Bekunden, direkten Kontakt zu den marokkanischen Behörden aufgenommen. „Ich habe gerade mit den marokkanischen Behörden gesprochen. Wir werden Sie rausholen“, versicherte der Botschafter den Touristen in einem Tweet. Doch trotz seines Tweets vom 21. März 2020 ist bis gestern nichts passiert.

Botschafter
Tweet – britische Botschafter in Marokko, Thomas Reilly

Marokko geht entschlossen gegen die Coronavirus Pandemie vor.

Das nordafrikanische Königreich gehört zu den Ländern, die sehr entschlossen auf die Verbreitung des Coronavirus COVID-19 reagiert und bedingt durch das politische System auch sehr schnell die Bewegungsfreiheit eingeschränkt haben. Dennoch hat man, über mehrere Tage Staaten bei der Organisation von Ausreiseaktionen für ihre Staatsbürger unterstützt. Es wird immer wieder die Frage aufgeworfen, weshalb Marokko nicht nur die Einreise stoppt, sondern auch die Ausreise.

Zusätzlich zum Gleichbehandlungsgrundsatz müssen zum einen solche Transfers mit den Aufnahmeländern und ggf. mit Transitländern abgestimmt werden. Zum anderen ist Marokko ein islamisches Land. Der US-Amerikanische Forscher Dr. Craig Considine, Dozent an der Rice University und Autor zum Thema christlich-muslimische Beziehungen, verweist auf einen Ausspruch (Hadit) des Propheten Mohammed. Der Prophet Mohammed riet zum Thema Seuchen und Quarantäne: „Wenn Ihr von einem Ausbruch der Pest in einem Land hört, betretet es nicht; wenn die Pest an einem Ort ausbricht, während Ihr euch dort aufhalten, verlasst diesen Ort nicht.“

Tweet
US-Amerikanische Forscher Dr. Craig Considine, Dozent an der Rice University

Touristen wollen ausreisen.

Marokko mag entschlossen gegen die Verbreitung des Virus vorgehen, doch sollte es nicht vergessen, dass es sich mit keinem der Herkunftsländer der Gäste in einem politischen Konflikt befindet. Solange ausländische Staatsbürger sich im Land befinden, hat Marokko, auch nach alter islamischer Sitte, die Verantwortung für diese Menschen. Hunderte von Menschen an einer Küstenstraße festzusetzen und sie ihrem Schicksal zu überlassen, ist kein Zeichen von Gastfreundschaft und Verantwortung sowie Solidarität. So heißt es seit jeher, dass jeder Gast, auch wenn er nicht angekündigt ist, ein von Allah gesandter Gast ist. Marokko tut gut daran, entweder die Versorgung und Betreuung von Menschen, die aus Interesse an dem Land einreisten, sicherzustellen oder deren Ausreise zu ermöglichen. So behalten sie das Königreich in guter Erinnerung und besuchen es vielleicht bald wieder, was für die heimische Wirtschaft sehr wichtig ist.

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