Marokko – Unsicherheiten rund um die Grenzöffnung bestehen weiter.

Praktische Umsetzung erweist sich unzureichend koordiniert.

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MREs per Flugzeug
Auslandsmarokkaner reisen per Flugzeug nach Marokko

Großer Andrang vor den Büros der Royal Air Maroc. MREs äußern ihren Unmut.

Casablanca – Dutzende von voranging Ausreisewilligen Marokkanerinnen und Marokkanern mit Hauptwohnsitz im Ausland (MRE) versuchten in Casablanca mehr Informationen über die praktische Umsetzung zu erhalten, wie sie nun ausreisen können. Am vergangenen Freitag kam es vor den Büros der staatlichen Fluggesellschaft Royal Air Maroc zu einem großen Andrang.  Ab dem 14. Juli 2020 um Mitternacht können marokkanische Staatsbürger und im Königreich ansässige Ausländer sowie ihre Familien auf dem Luft- und Seeweg Aus- bzw. Einreisen. Alle Passagiere müssen jedoch vor dem Einsteigen in ein Flugzeug oder auf ein Schiff einen PCR- sowie einen serologischen Test (Antikörper-Test auf SARS-COV 2 – COVID-19) nachweisen, dessen Ergebnis bei Reiseantritt nicht älter als 48 Stunden sein darf. Das Nachrichtenportal Le Site Info sammelte vor einer der Royal Air Maroc Niederlassungen in Casablanca Stimmen von in Marokko gestrandeten MREs ein.

Praktische Umsetzung erweist sich unzureichend koordiniert.

Die Erfüllung dieser Anforderung durch Aus- oder Einreisewillige erweist sich schwierig, da detaillierte Informationen in weiten Teilen fehlen. In diesem Zusammenhang haben mehrere MREs, die teils seit letztem März in Marokko wegen der Schließung der Grenzen gestrandet sind, ihren Ärger über die Anforderung und Koordination zum Ausdruck gebracht. „Ich kam zu dieser Agentur, um mehr Informationen über die Test-Anforderungen zu erhalten, sagte eine Mutter von zwei Kindern, die ihren ständigen Wohnsitz in Italien hat. Ihr legen abweichende Informationen vor, die geforderten medizinischen Tests würden 3.000 oder gar 4.000 marokkanische Dirham MAD kosten. „Ich kann es mir nicht leisten“, sagte sie, selbst wenn die Tests 500 MAD kosten würden, denn sie habe zwei Kinder. „Mein Mann ist in Italien und meine beiden Kinder und ich sitzen in Marokko fest“, betonte die Mutter weiter.

Ein Mann beklagte seinerseits den Mangel an Organisation und Kommunikation durch die Behörde aber auch fehlende Disziplin der Betroffenen. „Nach der Ankündigung der Regierung wollte ich sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, dass meine Frau, die sich derzeit in Frankreich aufhält, nach Marokko zurückkehrt. Ich habe immer noch keine Informationen“, sagte er.

Marokko – Außenminister äußert sich zur beschränkten Grenzöffnung.

Detailorganisation fehlt in weiten Teilen.

Die Ende letzter Woche angekündigte partielle Grenzöffnung scheint von den marokkanischen Behörden kurzfristig und für die ausführenden Organisation teilweise zu kurzfristig erfolgt zu sein. So haben die beiden einzig zugelassenen Fluggesellschaften, Royal Air Maroc und Air Arabia, erst am Samstag ihre Sonderflugpläne veröffentlicht. Zwar hat man von Seiten der Regierung die Anforderungen für die Aus- und Einreise aufgelistet, die Ausnahme aber erst nachgereicht. So sind z.B. Kinder unter 11 Jahren von dem Nachweis des PCR-Tests befreit (ob dies auch für den Antikörpertest gilt, ist unklar). Für die sich in Marokko befindlichen ausreisewilligen Personen, ist es auch unklar, welchen Weg sie beschreiten müssen, um zugelassene medizinische Nachweise für eine nicht vorhandene SARS-COV 2 Infektion beschaffen zu können. Eine Liste von zuständigen Krankenhäusern oder zugelassen Labors ist nicht veröffentlicht worden. Auch für die nach Marokko Einreisewilligen ist nicht klar, wie deren medizinische Unterlagen gestaltet sein müssen. Gerade für Personen aus dem deutschsprachigen Raum kann es schwierig werden, wenn das Testergebnis in einer Sprache verfasst ist, die die Grenzbehörden oder das Flugpersonal nicht verstehen können.

Marokko – Neue Details zur angekündigten partiellen Grenzöffnung sickern durch.

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