Marokko – Unverständnis und Empörung nach Abbruch der Flugverbindung zu Deutschland, Großbritannien und Niederlande.

Kritik an strenger Maßnahme mit Folgen für den Tourismus.

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Ausreise
Ausreise aus Marokko

Viele Urlauber und Touristen nach Aussetzung der Flugverbindungen von und nach Marokko gestrandet.

Rabat – Die Meldung über eine zeitnahe Aussetzung aller direkter Flugverbindungen zwischen Marokko, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden kam für viele überraschend und praktisch ohne Vorankündigung. Zunächst informierte die CEO der zweiten marokkanischen Fluggesellschaft Air Arabia per Twitter ihre Kunden, über eine behördliche Anordnung. Erst mehrere Stunden später dann die offizielle Bestätigung durch die Nationale Flughafenbehörde ONDA, wonach man ab dem 21. Oktober 23:59 Uhr Ortszeit die direkten Flugverbindungen zu den drei genannten Ländern aussetzt. Erst danach reagierte auch die staatliche Fluggesellschaft Royal Air Maroc, bestätigte ebenfalls die Situation und bot Umbuchungsmöglichkeiten an. Weitere Stunden später begannen auch die gängigen Fluggesellschaften, die Marokko gerne anfliegen, darunter Ryanair, easyJet und die Reiseveranstalter ihre Kunden zu informieren und Flüge zu stornieren. Für alle Reisende auf dem Weg nach Marokko ärgerlich und enttäuschend, für alle die sich aber schon in Marokko befunden haben oder befinden ein Schock.

Marokko – Nationale Flughafenbehörde bestätigt Aussetzung von Flugverbindungen von und nach Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden.

Warnhinweise im Vorfeld.

Trotz all der Überraschung zeichnete sich bereits seit längerem ab, dass Marokko, ähnlich wie in der Vergangenheit, solche Verbindungsabbrüche einsetzen wird. Ebenfalls im Oktober unterbrach das nordafrikanische Königreich alle direkten Verbindungen zu Russland, nachdem dort eine neue Coronavirus – Infektionswelle grassiert.

Andrang an vielen Flughäfen und vor den Büros der Fluggesellschaften.

Vor allem in Deutschland bewegt man sich in dieser Woche auf das Ende der Herbstferien zu. Viele nutzten die Gelegenheit, um nochmals bei schönem Wetter Marokko zu besuchen. Gerade europäische Touristen besuchen die Regionen, um Marrakech und vor allem Agadir. Nicht wenige sind mit ihren Kindern unterwegs, die am kommenden Montag wieder in der Schule sein müssen. Dies gilt auch für die im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkaner MRE, die eher von den Flughäfen Nador, Al Hoceima, Fés, Oujda und Casablanca reisen. Entsprechend fiel auch die Reaktion aus. Nicht wenige versuchten noch vor Mitternacht irgendeinen Flieger zurück nach Hause zu bekommen. Jeder hat im Internet und in den sozialen Medien nach Informationen gesucht und auch seinen Frust freien Lauf gelassen. Die Fluggesellschaften müssen jetzt die zahlreichen Umbuchungswünsche bearbeiten und kommen dem Andrang kaum nach. Viele kontaktierten auch die Maghreb-Post, baten um Informationen oder Hilfe, schimpften und drückten milde formuliert auch ihr Unverständnis über eine solche kurzfristige Aktion der marokkanischen Behörden in der Ferienzeit aus.

Marokko versucht sich vor neuer Untervariante der SARS-COV 2 Delta-Mutation zu schützen.

Obwohl es rund um die behördliche Anweisung keine Erläuterung zum Hintergrund gegeben hat, wird zunehmend deutlich, dass Marokko Sorge vor der Einschleppung einer neuen Untervariante der Coronavirus SARS-COV 2 Delta-Mutation hat. Insbesondere in Großbritannien aber auch in Benelux und in Dänemark soll die neue Untervariante mit dem Kennung AY4.2 aufgetreten und auf dem Vormarsch sein. Sie gilt als nochmals 10% ansteckender als die ohnehin einfacher übertragbare Delta-Mutation. Zwar gehen die meisten Virologen noch davon aus, dass die bisher eingesetzten COVID-19 Impfstoffe gegen die neuen Variante schützen, aber die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.
Zugleich reagiert Rabat auf steigende Inzidenzwerte in Deutschland. Marokko hat gerade seine dritte Welle überstanden und aktuell einen Inzidenzwert von unter 2 Infizierten pro 100.000 Einwohner in einer Woche und geht aber davon aus, dass nach den Feiertagen und zum Winterbeginn eine neue Coronavirus – Infektionswelle aufkommen könnte. Zugleich ist man mit der eigenen Impfkampagne ins stocken geraten und hat angekündigt, dass für alle eine dritte Impfung nötigt sein wird. Da kann man keine neue Variante im Land gebrauchen.

Kritik an strenger Maßnahme mit Folgen für den Tourismus.

Bei allem Verständnis für die Sorgen des Landes ist die Kritik an der kurzfristigen Umsetzung groß. Viele verstehen nicht, dass das Land gleich wieder alle Personen einschränkt. So kritisierten viele Leserinnen und Leser der Maghreb-Post, weshalb man die Gruppe der Reisenden nicht einfach einschränkt, die sog. 3G-Regel (geimpft, genesen und geimpft und getestet) auf eine 2G oder gar 1G Regel verschärft und vor allem, weshalb man im zweiten Jahr der Pandemie auch die Ausreise für Gäste, Touristen und MREs verhindert. Insbesondere an der verlässlichen Ausreisemöglichkeit hängt ein großer Teil des Vertrauens der so wichtigen Touristen sowie MREs und nicht zuletzt auch ganze Existenzen. Viele Leserinnen und Leser der Maghreb-Post machten bei Anrufen und in E-Mails klar, dass Marokko für sie zukünftig kein Reiseziel mehr sein wird. Es bleibt vor allem für die vielen gestrandeten Familien zu hoffen, dass Marokko zumindest die Ausreise per Sonderflugzeuge wieder zulässt und auch die marokkanischen Airlines unterstützend zur Seite stehen, damit man das Land als hilfsbereiten Gastgeber in schwierigen Zeiten zumindest ein wenig positiv in Erinnern behält. Während der sog, Merhaba Aktion im Sommer dieses Jahrs hielt man die Grenzen trotz steigender Infektionszahlen lange für Reisende offen.

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