Marokko – Update Fall Adnan weitere Verhaftungen und Wut der Menschen

Polizei verhaftet Mitbewohner.

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Adnan
11-jährige Junge Adnan tot. Missbraucht und ermordet.

Todesstrafe von der Bevölkerung gefordert – Onlineaufruf gestartet – Premierminister drückt Beileid zum Tod von Adnan aus.

Tanger – Der Missbrauch und Mord am 11-jährigen Adnane B. schlägt in Marokko weiterhin hohe Wellen. Der Junge verschwand am vergangenen Montag (7. September 2020) in der Nähe seines Elternhauses. Nach jetzigen Ermittlungsergebnissen ist ein 24-jähriger Mann dringend Tatverdächtig. Er soll den Jungen in seine vom Elternhaus des Opfers nicht weit entfernten Wohnung gelockt haben, um ihn dann zu missbrauchen und unmittelbar danach zu erwürgen. Durch die Auswertung von Kameras in dem Stadtteil konnte der mutmaßliche Täter identifiziert und am vergangenen Freitag verhaftet werden. Er soll die Polizei dann zum inzwischen kaum 100 Meter vom Tatort begrabenen Adnan geführt haben.

Polizei verhaftet Mitbewohner.

In der Zwischenzeit hat die Polizei die Mitbewohner des mutmaßlichen Täters verhaftet. Als Arbeiter in der Industriezone teilte sich der Tatverdächtige eine Wohnung mit weiteren Mitbewohnern, die sich aber zur Tatzeit nicht in der Nähe der Wohnung aufhielten. Ihnen wird auch keine direkte Tatbeteiligung vorgeworfen. Die Kriminalpolizei wirft ihnen aber vor, die Polizei über das „merkwürdige“ Verhaltes ihres Mitbewohners nicht informiert und damit die Ermittlungen behindert zu haben. Es wird ihnen auch vorgeworfen passiv geblieben zu sein, als Fotos des Jungen und des möglichen Täters in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden. Inwiefern ihnen eine Schuld nachzuweisen ist, müssen die Ermittlungen ergeben. In Marokko ist es eine Straftat, wenn man die Behörden nicht über Kenntnisse im Zusammenhang mit einer kriminellen Handlung informiert.

Täter
Adnan B. und mutmaßlicher Täter

Menschen in Marokko fordern empört die Anwendung der Todesstrafe.

Der Fall löste in ganz Marokko Empörung, Trauer und Mitleid aus, sowie Sorge um die Sicherheit der eigenen Kinder. Die sozialen Netzwerke sind angefüllt von der Forderung den mutmaßlichen Täter mit dem Tode zu bestrafen. Eigens dazu wurde eine Website online gestellt, die „Unterschriften“ für ein Todesurteil sammeln soll. Das marokkanische Strafrecht sieht die Todesstrafe grundsätzlich vor. Obwohl diese immer wieder durch Gerichte ausgesprochen wird, ist seit mehr als zehn Jahren niemand mehr in Marokko hingerichtet worden. Nicht wenige NGOs fordern Marokko seit Jahren dazu auf, die Todesstrafe aus dem Strafgesetzbuch zu entfernen und nur noch Haftstrafen vorzusehen. Tatsächlich ist auch in Marokko die Todesstrafe zunehmend umstritten. Zwar könne man die Empörung und den Schmerz hinter dieser Forderung verstehen, aber es gebe auch Gründe keine Todesstrafe zu verhängen, so Intellektuelle in einer ersten Reaktion.

Premierminister spricht Beileid aus.

Der Regierungschef, Saad-Eddine El Othmani, drückte seine Trauer und Betroffenheit über den Tod des Kindes Adnane B. aus.

Premierminister
Marokkanischer Premierminister drückt sein Mitgefühl zum Tode von Adnan B. in Tanger aus.

„Mit tiefer Trauer, Sorge und Ergriffenheit habe ich die Nachricht vom Tod des Kindes Adnane B. erhalten, das in der Nähe des Hauses seiner Eltern in Tanger begraben aufgefunden wurde“, schrieb Premierminister El Othmani in einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite. Der Regierungschef sagte auch, dass er die Nachricht von seiner Entführung mit der Hoffnung verband, dass er sicher und wohlbehalten gefunden werde.

„Wir flehen zum Allmächtigen, ihm Barmherzigkeit zu gewähren, ihn in seinem Paradies willkommen zu heißen und seinen Eltern Beistand und Trost zu spenden“, fügte er hinzu.

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