Marokko – Urteil im mutmaßlichen Erpressungsversuch an König Mohammed VI. erwartet.

Anzeige gegen die Angeklagten durch Marokko eingereicht.

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Gericht kündigt Urteil gegen die Autoren Éric Laurent und Catherine Graciet für den 14. März 2023 an.

Paris – Nach mehreren Jahren der Kontroversen, Beschuldigungen und gerichtlicher Verfahren soll in wenigen Monaten der Prozess gegen die beiden Autoren bzw. Journalisten Éric Laurent und Catherine Graciet am 14. März 2023 enden. Das Gericht in Paris (Frankreich) hat für dieses Datum seine Urteilverkündung angekündigt.

Mutmaßliche Erpressung des marokkanischen Königs

Trotz der Schwere der Anschuldigungen erscheint der Antrag der Staatsanwaltschaft in dem Prozess recht milde. Lediglich ein Jahr Haft auf Bewährung und 15.000 Euro Geldstrafe wurden am Montag gegen die zwei französischen Journalisten gefordert, die verfolgt werden, weil sie 2015 den marokkanischen König Mohammed VI. versucht haben sollen zu erpressen. Hintergrund dieses mutmaßlichen Erpressungsversuchs seien die Ergebnisse von Hintergrundrecherchen zum marokkanischen König gewesen, die in einem „Enthüllungsbuch“ gemündet sein sollen. Diese Anschuldigung wurden von den Angeklagten stets bestritten, die versichern, dass der Vorschlag für eine finanzielle Vereinbarung von Rabat ausgegangen wäre.

„Wo ist die Erpressung, Herr Präsident?“, zitiert das marokkanische Nachrichtenmagazin Telque Herrn Éric Laurent, ehemaliger Reporter von Radio France und dem Figaro Magazine und Autor zahlreicher Bücher. Er wurde in diesem Verfahren beschuldigt, 2 Millionen Euro dafür verlangt zu haben, dass er auf die Veröffentlichung peinlicher Informationen verzichtet. Der heute 75-jährige Ex-Journalist habe vor dem Pariser Strafgericht eingeräumt „einen berufsethischen Fehler“ und „einen Schiffbruch“ begangen zu haben, weil er „akzeptiert hatte, sich in diese Affäre hineinziehen zu lassen“, jedoch „nicht im geringste in eine strafbare Handlung“.

Unterschiedliche Darstellung der Ereignisse

Das Gericht musste sich über den langen Verfahrenszeitraum mit unterschiedlichen Darstellungen der Ereignisse beschäftigen. Die beiden Journalisten, die bereits 2012 ein Buch über Mohammed VI. mit dem Titel „Le roi prédateur“ („Der räuberische König“) verfasst hatten, schlossen mit dem Verlag Le Seuil einen Vertrag für einen zweiten Band zum selben Thema. Am 23. Juli 2015 kontaktierte Éric Laurent das Privatsekretariat des marokkanischen Königs und bat um ein Treffen, das am 11. August in einem Pariser Palast mit einem Abgesandten der Monarchie, dem Rechtsanwalt Hicham Naciri, organisiert werden sollte.

„Ich beschrieb ihm den Inhalt des Buches“, in dem Spannungen innerhalb der königlichen Familie und Vorwürfe der finanziellen Veruntreuung, in die staatliche Unternehmen des Landes verwickelt sind, zur Sprache kommen sollen, berichtete Éric Laurent, der in eigener Sache als Zeuge aussagte. Der Anwalt Naciri sagte zu mir: „Das passt uns alles nicht in den Kram“, und sehr schnell kam es zu einem Vergleich. Er ist derjenige, der den Vorschlag macht“, zitiert das marokkanischen Nachrichtenmagazin Telque die Behauptungen weiter.

Ralph Boussier, einer der Anwälte des marokkanischen Staates, erwiderte: „So ist es nicht gewesen“, sondern Eric Laurent habe „von einer Abmachung gesprochen“. Das Buchprojekt „hat nie existiert, sie haben keinerlei Grundlage, um es zu schreiben (…) Die Enthüllungen, die das Königreich Marokko erschüttern würden: Wo sind sie? Es gibt nichts“, argumentiert er und meint, dass die beiden Journalisten in einem Erpressungsversuch „eine Gelegenheit“ gesehen hätten, „ihr Leben neu zu beginnen“.

Anzeige gegen die Angeklagten durch Marokko eingereicht.

Marokko habe sich nach dem Treffen an die französischen Behörden gewandt. Es wurden Ermittlungen eingeleitet, und unter der Aufsicht von Ermittlern wurden zwei weitere Treffen am 21. und 27. August 2015 vereinbart. Beim letzten Treffen, bei dem Catherine Graciet ebenfalls anwesend gewesen ist, unterzeichneten die beiden Journalisten eine Vereinbarung, das Buchprojekt gegen 2 Millionen Euro zurückzuziehen. Anschließend wurden sie mit jeweils 40.000 Euro in bar festgenommen. Dabei erfuhren sie, dass die drei Treffen von einem Abgesandten des Königs aufgezeichnet worden waren. Als Herr Laurent mit der Abschrift des ersten Treffens konfrontiert wurde, bei dem er aktiv eine Summe anzubieten schien, wischte er die Abschrift beiseite: „Diese Aufnahme ist eine Fälschung“, so seine Behauptung.

Ein Gutachten räumte ein, dass die Kopie, die den Ermittlern übergeben wurde, „einer Nachbearbeitung unterzogen worden war, die unmöglich zu spezifizieren ist“, aber die Klagen der Verteidigung, die sie für rechtswidrig hielten, wurden 2017 abgewiesen. „Es gibt keinen Beweis dafür, dass die Aufnahme verändert, zerstückelt oder bearbeitet bzw. zusammengeschnitten wurde“, betonte die Staatsanwaltschaft.

Die Entscheidung wird nun für den 14. März 2023 erwartet.

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