Marokko veröffentlicht Zahlen zur HIV im Königreich.

Maßnahmen müssen durch politische und gesellschaftliche Programme ergänzt werden.

HIV
Gesundheitsministerium plant weiteren Ausbau der Untersuchungskapazitäten.

Insgesamt sollen 13.322 HIV – infizierte Menschen in Marokko leben.

Rabat – Anlässlich des Welt-Aids-Tags hat das marokkanische Gesundheitsministerium aktuelle und offizielle Daten zu HIV in Marokko veröffentlicht. In der Presseerklärung, welche am gestrigen Dienstag veröffentlicht wurde, berichtete der Minister Abdelkader Amaras über die Infizierungsquote im Land. Nach Angaben des Ministeriums ist der Anteil von HIV – infizierten Personen an der Gesamtbevölkerung relativ gering. Ca. 0,14% der Marokkanerinnen und Marokkaner sollen mit HIV infiziert sein. Das entspricht der Rate in Deutschland (Stand 2013). Damit liegt Marokko auf Platz 107 in der Welt. Leider hat Marokko damit aber auch die höchste Quote im Maghreb. Tunesien belegt Platz 123 und Algerien Rang 125 mit jeweils rund 0,04%. Trauriges Schlusslicht ist Swasiland wo mit mehr als 27% mehr als ein viertel der Bevölkerung das Virus in sich tragen.

Die Gesamtzahl der HIV – infizierten Personen wird von den Verantwortlichen, mit Stand Ende Juni 2017, mit 13.322 angegeben. Mehr als die Hälfte der betroffenen Menschen, nämliche 52%, wurden in der Zeit von 2012 bis Juni 2017 registriert. Alle anderen waren bereits zuvor als betroffene festgestellt worden. Es gibt regionale Unterschiede was die Anzahl der betroffenen betrifft. Das Ministerium weist in seiner Erklärung darauf hin, dass mehr als die Hälfte dieser Menschen in den Regionen Souss-Massa, Casablanca-Settat und Marrakesch Safi leben.

Besondere Bevölkerungsgruppen haben ein höheres Infektionsrisiko.

Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass es in einzelnen Bevölkerungsgruppen eine erhöhte Anzahl von HIV Infizierten gibt. Die Viruserkrankung sei „in Schlüsselpopulationen konzentriert“. Darunter sind weibliche Sexarbeiterinnen (Prostituierte), von denen 1,3% infiziert sind, Homosexuelle von denen 4,3% betroffen sein sollen und Personen, die Drogen injizieren, sind mit einer Rate von 8% infiziert. Nach den aktuellen Zahlen des Ministeriums fallen 67% aller Neuinfektionen auf diese Bevölkerungsgruppen.

Prävention, Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten wurden in Marokko erweitert.

Im Hinblick auf „Prävention, Testung und Versorgung von HIV – infizierten Menschen“ informierte das Gesundheitsministerium darüber, dass die Anzahl der Testeinrichtungen auf 1.200 Stationen bei Gesundheitszentren und Nichtregierungsorganisationen (NGO) erhöht werden konnte. Dadurch konnte die Anzahl der auf HIV getesteten Personen von 2012 bis 2016 von 218.951 auf 605.746 fast verdreifacht werden. Aktuell werden 11.661 Menschen, wegen einer HIV Infektion mit antiretroviralen Therapieansätzen (ART) behandelt. Unter den Patienten sind tragischer Weise auch 586 Kinder unter 15 Jahren.

Gesundheitsministerium plant weiteren Ausbau der Untersuchungskapazitäten.

Aktuell geht das Ministerium davon aus, dass nur 63% der wirklich infizierten Menschen ihren Status auch kennen. Bis zum Jahr 2030 sollen die Testkapazitäten soweit aufgestockt sein, dass ca. 90% der Infizierten über ihre Situation informiert sind. Die Kenntnis über die eigene Situation ist wichtig, um das zweite Ziel des Ministeriums zu erreichen. Bis zum Jahr 2020 soll die Zahl der Neuinfektionen um die Hälfte sinken. Im Jahr 2016 haben sich rund 1.000 Menschen neu mit HIV infiziert. Nur wenn Marokko dies schafft, kann es das Ziel der UNO und Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreichen. Bis zum Jahr 2030 soll es keine Neuinfektionen mehr geben und bestenfalls die Krankheit ausgerottet sein. Dies auch durch die weitere Forschung nach einem Impfstoff sowie bestenfalls durch die Entdeckung eines Heilmittels.

Maßnahmen müssen durch politische und gesellschaftliche Programme ergänzt werden.

Alleine Untersuchungs- und Behandlungskapazitäten aufzustocken wird bekanntlich nicht reichen. Das haben die Erfahrungen in Europa und USA gezeigt. Es gehört auch Aufklärung dazu. Gerade junge Menschen müssen auch in Schulen über die Risiken und Schutzmöglichkeiten aufgeklärt werden. Noch sind solche Themen in den Schulen eher tabuisiert, doch die gelebte Realität der jungen Menschen sieht bereits deutlich anders aus, als es die präsentierte konservative Haltung der Gesellschaft wahr haben möchte.

Auch im Kampf gegen den Infektionsweg durch Drogen kann es nur durch einen offensiven und präventiven Kampf zu Verbesserungen kommen. Auch hier ist Aufklärung wichtig, aber auch die Unterstützung der Drogenabhängige, z.B. durch die Bereitstellung von sauberen Spritzen in Drogenzentren. Dies ist ein in Europa erprobter und erfolgreicher Weg. Ergänzt muss dieser durch entsprechende Kapazitäten in speziellen Klinken. Doch der beste Weg ist der Kampf gegen den Drogenkonsum durch das Aufzeigen von positiven Zukunftsperspektiven.

Dies gilt auch für die Bekämpfung der Prostitution. Diese ist in Marokko eigentlich verboten, doch leider nicht selten. Marokko ist ein Land mit einem hohen Tourismusaufkommen, welches noch gesteigert werden soll. Überall wo Armut auf Wohlstand trifft, ist Prostitution und Missbrauch leider nicht weit. Auch hier bedarf es also gesellschaftlicher Anstrengungen. Diese müssen auch dazu führen, dass das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern verringert wird. Denn auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Freuen zu verbessern, schafft mehr Optionen, was die Entscheidung für die Prostitution (aus der Not heraus) seltener werden lassen wird.

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