Marokko – Video über mutmaßliche Richterbestechung führt zu Ermittlungen.

Staatsanwaltschaft Casablanca nimmt Ermittlungen auf.

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Bestechung
Video filmt mutmaßliche Bestechungsverhandlungen und führt zu Ermittlungen

Video zeigt mögliche Verhandlungen, um eine Haftstrafe zu verringern.

Casablanca – Ein kürzlich in den sozialen Medien aufgetauchtes Video, zeigt einen mutmaßlichen Vermittler, der um eine in Aussicht gestellte Haftverkürzung für eine inhaftierte Frau verhandelt. Er sichert in dem Video zu, ihre Haftstrafe von acht auf zwei Monate reduzieren zu können. Ohne Hinweise oder Angaben zum Zeitpunkt oder Ort der gefilmten Handlung sehen wir mehrere Personen in einem PKW, die darüber verhandeln, was eine Haftverkürzung kosten wird. Dieser Vermittler erklärte einer Frau namens Ouafae (in Niqab, anscheinend die Tochter der Inhaftierten), dass das Maximum, über das er verhandeln könne, eine feste Haftstrafe von zwei Monaten, anstelle von acht Monaten im Gefängnis, sei. Um sein „Angebot“ zu unterstützen, kontaktiert er eine Person, die er als „den Richter“ bezeichnet, der den Fall untersuchen würde. Das Geschäft wird dann, für einen Betrag von 35.000 marokkanische Dirhams MAD (rund 3.300,-€), abgeschlossen.

Staatsanwaltschaft Casablanca nimmt Ermittlungen auf.

Die marokkanische Staatsanwaltschaft hat, inzwischen auf das sich im Umlauf befindlichen Video reagiert. Laut dem Nachrichtenportal 360.ma, das sich auf mit den Ermittlungen betraute Quellen beruft, ist der als Vermittler auftretende Mann den Sicherheitsbehörden bekannt. In Folge dessen wird dem Video offensichtlich eine ausreichend hohe Glaubwürdigkeit zugesprochen, so dass die Staatsanwaltschaft Casablanca nun die Ermittlungen aufgenommen hat.

Maghreb-Post.de hat sich dazu entschlossen hier nur ein Video zur Verfügung zu stellen, bei dem die Gesichter unkenntlich gemacht wurden, da die Ermittlungen der Behörden noch laufen.

Korruption im Land hemmt die Entwicklung.

Seit Jahrzehnten ruft jede Regierung in Marokko dazu auf, gegen die Korruption anzukämpfen und benennt diese, als eines der größten Übel und Hindernisse für die Entwicklung des Landes. Immer wieder berichten die Menschen über Vetternwirtschaft und einer sog. Alltagskorruption, sei es bei Behördengängen, bei Polizeikontrollen, im Gesundheitswesen oder auch in der Wirtschaft.

Die Justiz hat ebenfalls keinen guten Ruf, wenn es um ihre Glaubwürdigkeit geht. „Er oder Sie hat Geld gegeben“ ist fast schon zum geflügelten Wort geworden, wenn etwas überraschend funktioniert, ungewöhnlich gut oder schnell verläuft. Zum Wesen der Korruption gehört meist, dass nur selten etwas nachweislich an die Öffentlichkeit gerät, weil meist sich zwei Parteien darüber einig sind, für sich einen jeweiligen Vorteil zu erzielen, nicht selten zulasten einer dritten Partei. Wenn die Justiz bestechlich ist, nimmt das Vertrauen in die staatlichen Institutionen Schaden und damit das ganze Land.

Schaden durch Korruption liegt bei 5-7% des BIP.

Die Korruption in dem nordafrikanischen Land verursacht auch konkrete wirtschaftliche Schäden. Der marokkanische Premierminister bezifferte den Schaden für die marokkanische Volkswirtschaft auf 5-7% des jährlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Das wären zwischen 53 und 74 Milliarden marokkanische Dirham MAD. Entsprechend hoch ist die aktuelle vermeintliche Entrüstung, über die mutmaßliche gefilmte Bestechung. Doch diese ist teilweise auch geheuchelt, denn die Vorteilnahme zu Lasten andere bedarf immer mindesten zweier Parteien. Solange die Gesellschaft auch aus Bestechlichen und Bestechern besteht und die Vorteilserringung, nicht selten als Beweis für eine clevere Vorgehensweise in der Gesellschaft gewertet wird, was in Marokko und auch anderen Ländern Afrikas meist so ist, wird Korruption nur dann verurteilt, solange diese nicht dem eigenen Vorteil dienlich ist.

Marokko – Regierungschef beziffert Schaden durch Korruption.

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