Marokko – Weiterer Prozesstag im Mordfall Imlil

Staatsanwaltschaft nennt Mörder „Tiere in Menschengestalt“.

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Opfer
Opfer des Mordes in Imlil am Jabal Toubkal

Autopsiebericht enthüllt Grausamkeit und Brutalität des Mordes.

Salé – Am vergangenen Donnerstag nahm das Gericht in Salé, das für terroristische Aktivitäten und Straftaten in Marokko zuständig ist, den Prozess zu den Morden von Imlil wieder auf. Ende letzten Jahres wurden, nahe der Ortschaft Imlil am Fuße des Jabal Toubkal, zwei skandinavische Touristinnen ermordet. Aufgrund der Grausamkeit der Tat und dem Bekenntnis der Hauptverdächtigen zur Terrororganisation Daech (ISIS), hat das für terroristische Straftaten zuständige Gericht in Salé, die Zuständigkeit an sich gezogen. Insgesamt stehen 24 Personen vor Gericht. Vier Männer gelten als Haupttäter, wobei drei von ihnen die Tat selbst ausgeübt haben sollen. Der vierte Hauptverdächtige soll die Täter kurz vor der Tat verlassen haben. Er soll es aber unterlassen haben, die Behörden zu informieren oder helfend einzuschreiten. Alle weiteren Angeklagten sollen Teil des Netzwerkes und zu einer Gruppe von Unterstützern der mutmaßlichen Haupttäter und der Terrororganisation Deach gehören. Während des letzte Verhandlungstages bekannten sich die drei mutmaßlichen Haupttäter bereits schuldig. Ihnen droht die Todesstrafe.

Autopsiebericht enthüllt die Grausamkeit der Tat.

Im Zentrum des Verhandlungstages stand der Bericht der Autopsie. Die Staatsanwaltschaft versuchte die Grausamkeit der Handlungen aufzuzeigen. Die beiden Frauen wurden nicht nur ermordet und teilweise enthauptet, sondern zuvor auch misshandelt. So wurde beispielsweise Louisa V. J., die junge dänische Touristin, 23 Mal verletzt. Ihr Tod resultierte aus einem Bruch der Halswirbel, gefolgt von einer Enthauptung. Weitere Verletzungen fanden sich an den Augen, der Stirn, an einer Hand sowie an Fingern, Ohren und Beinen. Die junge Norwegerin Maren U. wies sieben Verletzungen und zwei Frakturen auf. Darunter eine Verletzung des Brustkorbs. Tödlich war ein ca. 20 Zentimeter tiefer Schnitt am Hals. Die Enthauptung wurde nicht vollendet.

Staatsanwaltschaft nennt Mörder „Tiere in Menschengestalt“.

Wie Gerichtsbeobachter berichten, waren alle Anwesenden über die Ausführungen des Gerichtsmediziners schockiert. Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft zeigen die Schlussfolgerungen dieser Autopsie die Brutalität des Verbrechens dieser „Tiere in Menschengestalt“.

Staatsanwaltschaft fordert Todesstrafe und langjährige Haftstrafen.

Die Staatsanwaltschaft bekräftigte ihre Anträge. Sie fordert für die drei unmittelbar an den tödlichen Handlungen beteiligten Angeklagten die in Marokko noch immer vorgesehene Todesstrafe. Allerdings wird sie seit 1993 nicht mehr umgesetzt. Für den vierten Hauptverdächtigen wird eine lebenslange Haft beantragt. Den übrigen Beschuldigten drohen Haftstrafen von 10 und bis zu 30 Jahren. Der nächste Prozesstag ist für den 17. Juli angesetzt.

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