Marokko wird zur Müllkippe Europas

Geschäfte mit Müll aus Europa – Exporte von Italien und Frankreich nach Marokko führen zu Protesten.

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Müllproblm
Europa exportiert sein Müllproblem nach Marokko

Europa löst sein Müllproblem durch Exporte nach Afrika – Exporte von Italien und Frankreich nach Marokko führen zu Protesten.

Einige Länder Europas scheinen ihr Müllproblem durch Exporte zu lösen und laden ihren Abfall auch auf Müllkippen in Marokko ab. Als Hauptexporteure nach Marokko stehen Frankreich und Italien in der Kritik der marokkanischen Bevölkerung. Insbesondere die süditalienische Region rund um Neapel nutzt die Möglichkeit ihren Müll in Marokko loszuwerden. Der österreichische Fernsehsender ORF und das Nachrichtenportal „north africa post“ berichten ausführlich auf ihren Homepages über diesen Umstand.

Demnach bestätigt die für Abfallwirtschaft zuständige Vizeministerin Hakima al-Haiti, dass 450.000 Tonnen Müll pro Jahr von Marokko abgenommen werden. Aus Sicht der Vizeministerin handelt es sich dabei zwar um einen kleinen aber ausbaufähigen Teil der marokkanischen Wirtschaft. Eine solche Aussage lässt die Bürger des Landes aufhorchen.

Die Regierung des Königreiches steht unter Druck.

Umweltschützer protestieren bereits gegen diese Praxis und wissen Teile der Bevölkerung auf ihrer Seite. Die Regierung von Ministerpräsident Abdel Ilah Benkirane gerät zunehmend unter Druck. Es wird nicht nur heftig über den Müllimport kritisch diskutiert und protestiert, sondern durch eine Unterschriftensammlung (Petition) soll die Regierung dazu gezwungen werden den Müll an die Exportländer zurück zu senden. Die Menschen in Marokko sind nicht nur über den Müll im allgemeinen verärgert, sondern auch seine mögliche Zusammensetzung bereitet Sorgen. Ausgerechnet den Müll aus dem Großraum Neapel im Land zu wissen, sorgt für Unbehagen. Dieser gilt als besonders belastet, wenn nicht sogar verseucht. Giftmüllskandale sind in Neapel keine Seltenheit und die Belastungen reichen von Chemieabfällen bis hin zu radioaktiven Materialien.

Die marokkanische Regierung versucht indes zu beschwichtigen und versichert, das es sich nicht um belasteten Müll aus verseuchten Deponien der Region Neapel handelt und der importierte Müll in Marokko umweltfreundliche beseitigt, ja teils zu Energiegewinnung verwendet wird. Das beruhigt die Koalition für Klimagerechtigkeit nicht. Sie fordert die Herausgabe der Dokumente rund um das Müllgeschäft.

Auch die politische Opposition nutzt die Praxis für heftig Angriffe gegen die Regierung. Sie argumentiert damit, dass Marokko nicht die Mülldeponie Europas sein darf. Die Annahme von Müll wäre entwürdigend und stellt eine Beleidigung da.

Welche Folgen das Thema für das Image Marokkos hat, ist noch unklar. Das Königreich, an der westlichen Seite des Maghreb, präsentiert sich als besonders umweltfreundlich durch die Förderung von „Erneuerbaren Energien“ und dem Verbot von Plastiktüten. Marokko ist auch der nächste Gastgeber der Welt-Klima-Konferenz 2016. Diese soll in der Stadt Marrakech abgehalten werden. Die Stadt leidet unter dem schnellen und enormen Wachstum und den sehr hohen Temperaturen im Sommer.

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