Marokko – Zahl der Schulabbrecher über 400.000.

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Schule
©Maghreb-Post - Marokkanische Schule

Alarmierend viele Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss.

Rabat – Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Obersten Rates für Bildung, Ausbildung und wissenschaftliche Forschung (CSEFRS) hat erneut alarmierende Zahlen veröffentlicht, die die Schulabbrecherquote im Land offenbaren. Der Bericht mit dem Titel „Atlas territorialer Schulabbrecher“ besagt, dass 431.876 Schüler im Jahr 2018 die öffentlichen Schulen verlassen haben, „ohne einen Schulabschluss erreicht zu haben“. Die meisten dieser Schulabbrüche finden auf der Ebene der Pflichtschulen statt, mit 78,3% der gesamten Schulabbrecher, das sind etwa 338.000 Schulabbrecher sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarschule.

Schulabbrecher
Quelle CSEFRS – Atlas territorialer Schulabbrecher

Zahl der Schulabbrecher steigt wieder an.

Der Bericht stellt fest, dass die Zahl der Schulabbrecher im öffentlichen Schulsystem im Jahr 2015 bei 505.300 Schülern lag. Diese Zahl entsprach einer Rate von 8,8% auf nationaler Ebene.

Die Zahl der Schulabbrecher ging jedoch 2016 deutlich zurück. Dem Bericht zufolge haben im Jahr 2016 407.674 Schülerinnen und Schüler die Schule abgebrochen (7,1% aller eingeschriebenen Schülerinnen und Schüler).

Ein Jahr später stieg die Zahl der Studienabbrecher im Jahr 2018 wieder an und erreichte die genannte Anzahl von 431.876 Schülerinnen und Schülern, was 7,4% aller Schüler entspricht. Zum Vergleich: In einer Studie für Deutschland weist die CARITAS eine Quote von 6,9% der Schülerinnen und Schüler aus, die 2017 den Hauptschulabschluss nicht erreichten.

Schulabbrecher
Tabelle Entwicklung der Zahl der Schulabbrecher pro Bildungsgrad – Quelle CSEFRS – Atlas territorialer Schulabbrecher 2018

Ursachen sind Armut und die Infrastruktur auf dem Land.

Mehrere Faktoren sind für die Rate verantwortlich, darunter Armut und die Qualität des Zugangs zu Bildungseinrichtungen in ländlichen Gebieten, so die Autoren des Berichts für 2018. Meist schaffen es die von Armut betroffenen Familien, die Kinder in die Grundschule gehen zu lassen, da sich kleinere Grundschulen meist noch in der Nähe des Wohnorts befinden und auch die finanziellen Kosten bei der Erziehung von kleineren Kindern geringer sind. Die finanziellen Anforderungen steigen, mit dem Alter der Kinder hinsichtlich der benötigten Ausstattung und den Kosten für den Transport zu den weiterführenden Schulen, die sich gerade auf dem Land nicht mehr in jedem Ort befinden.

Mädchen stärker betroffen.

Nicht selten treffen die Familien eine traurige Wahl. Entweder werden sowohl die Jungen und die Mädchen von der Schule genommen oder die Familie entscheidet sich für die schulische Ausbildung für den Jungen, zu Lasten des Mädchens in der Familie. Dies hat gerade für die Mädchen auf dem Land dramatische Folgen. Sie werden damit frühzeitig und eingeschränkt auf die Rolle als Ehefrau ausgerichtet und zunehmend auch sehr jung verheiratet. Die Abbrecherquote betrifft 5,6% der Mädchen in der Grundschule gegenüber 4% der Jungen. Jungen sind stärker vom Abbruch in der Mittel- und Oberschulen in ländlichen Gebieten betroffen.

Analphabeten
Frauen und Mädchen stärker betroffen als Jungen und Männer. Land stärker als Stadt.

Folgen für soziale und wirtschaftliche Entwicklung sind schwerwiegend.

Wie entscheiden eine gute Bildung für die Zukunft eines jeden Einzelnen ist, bedarf keiner Erklärung. Der Zugang zu Wissen und die Ausbildung zur Aneignung von Fähigkeiten ist ein wichtiger Faktor zur Schaffung von Entwicklungschancen eines jeden Einzelnen. Zugleich hat das, wiederholt als unzureichend bewertete Bildungsniveau der Menschen, und damit das Bildungssystem in Marokko, einschränkende Wirkung für die Gesamtentwicklung. Die Arbeitslosenquote ist gerade unter jungen Menschen hoch und zugleich stellen ausländische Investoren fest, keine geeigneten Mitarbeiter zu finden. Gesellschaftlich baut sich eine Perspektivlosigkeit auf, welche zu Unzufriedenheit und sozialen Spannungen führt. Für die Gleichstellung der Geschlechter ergeben sich ebenfalls dramatische Folgen. Frauen können sich ihre Rolle in der Gesellschaft nicht aussuchen und müssen darauf hoffen, dass die Männer auf teile ihrer Privilegien verzichten. Ein Konflikt zwischen den Geschlechtern, der Einfluss auf die immer wieder zu beklagende Gewalt gegen Frauen hat.

Marokko – PISA Studie belegt katastrophales Bildungsniveau

 

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