Marokko – Zugunglück von Bouknadel durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht.

Zugführer in Untersuchungshaft

Zugunglück
Zugunglück in der Nähe von Salé

Zug fuhr mit Tempo 158 km/h, statt wie vorgesehen mit 60 km/h.

Salé – Die Staatsanwaltschaft von Salé hatte nach dem Zugunglück vom 16. Oktober 2018 die Ermittlungen an sich gezogen. Bei dem Zugunglück in Höhe der Ortschaft Sidi Bouknadel, in der Nähe von Salé / Rabat, prallte ein Regionalzug gegen einen Brückenpfeiler. Dabei starben sieben Personen. Weitere 125 Passagiere wurden verletzt, darunter sieben Schwerverletzte. Entgegen ersten Berichten war unter den Toten nicht der Zugführer. Er ist einer der Schwerverletzten und stand im Zentrum der Ermittlungen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Salé eine erste Stellungnahme zur Unglücksursache veröffentlicht. Danach soll deutlich überhöhte Geschwindigkeit das Zugunglück verursacht haben.

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Der Zug hatte eine Geschwindigkeit von 158 km/h.

Die Ermittlungsbehörden haben die Spuren und Zeugenaussagen über eine Woche ausgewertet. In einer Erklärung vom 23. Oktober 2018 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass der Zug zum Zeitpunkt des Unfalls, zu schnell gefahren sei. Die vorläufigen Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass der Zug mit einer Geschwindigkeit von 158 km/h zum Zeitpunkt des Unfalls unterwegs gewesen ist. An der Unfallstelle soll es aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h gegeben haben. In diesem Zusammenhang wurde nun auch der Zugführer vernommen. Im Anschluss an die Vernehmung hat die Staatsanwaltschaft Salé, gemäß den Paragraphen 432 und 433 des Strafgesetzbuches, den Vorwurf des (fahrlässigen) Todschlags erhoben. Der Zugführer wurde in Untersuchungshaft genommen.

Staatsanwaltschaft
Presseerklärung Staatsanwaltschaft Salé zum Zugunglück

Weitere Untersuchungen sind nötig.

Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Ungeklärt ist, weshalb der Zug bzw. der Zugführer mit einer so hohen Geschwindigkeit gefahren ist. Nach wie vor wird untersucht, ob es Sicherheitsmaßnahmen von Seiten der Eisenbahngesellschaft ONCF gegeben hat, die versagt haben könnten. Bei dem Zug handelte es sich um einen relativ jungen Zug, der ein Doppeldecker gewesen ist und als Regionalzug eingesetzt wurde. Er hatte moderne Sicherheitstechnik an Board, die ggf. hätte eingreifen können. Auch wenn es derzeit danach ausschaut, dass es menschliches Versagen gewesen sein könnte, dass zu diesem Unglück geführt hat, will man bei der Staatsanwaltschaft weitere Faktoren nicht ausschließen. Die marokkanische Eisenbahngesellschaft ONCF ist daher ebenfalls Gegenstand weiterer Ermittlungen.

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