Palästina – CNN beschuldigt israelische Armee der Tötung von Shireen Abu Akleh

Israelische Armee hatte Kenntnis über die Anwesenheit der Journalisten – keine Schüsse von Seiten der Palästinenser belegt.

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Journalistin
Quelle Al Jazeera - Shireen Abu Akleh Journalistin bei Al Jazeera am 11.05.2022 getötet.

Amerikanischer Nachrichtensende CNN geht nach eingehender Analyse von gezielter Tötung der Al Jazeera Journalistin Shireen Abu Akleh im Westjordanland aus.

Atlanta – Der Tod der bekannten Al Jazeera Journalistin Shireen Abu Akleh löste vor allem in der arabischen und islamischen Welt große Bestürzung aus. Im Rahmen ihrer Berichterstattung über die Geschehnisse und den Aktionen der israelischen Armee im besetzten Westjordanland starb sie in Folge eines Kopfschusses. Alle Umstände legten nahe, dass die Journalistin in Folge eines Schussen von Seiten der israelischen Armee zu Tode gekommen ist.

Israel hat dies zunächst in Zweifel gezogen. Auch die Beerdigung und das Vorgehen der israelischen Armee während des Trauermarschs zeigte auf, wie groß die Spannungen in der Region sind und mit welcher Haltung Israel gegenüber den Palästinensern agiert.

Nun hat der bekannte und weltweit agierende amerikanische Nachrichtensender CNN die Geschehnisse umfassend analysiert und kommt zu einem schwerwiegenden Ergebnis.

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CNN geht von einer gezielten Tötung durch die israelische Armee aus.

Am 13. Mai 2022 nahmen Tausende von Palästinensern Abschied von einer ihrer Starjournalistinnen, Shireen Abu Akleh. Eine von CNN veröffentlichte Untersuchung zeigt die direkte Beteiligung der israelischen Streitkräfte an diesem „gezielten“ Angriff auf, auch wenn der Täter bislang noch nicht ermittelt wurde.

Am Donnerstag, den 26. Mai 2022, veröffentlichte CNN auf der eigenen Webseite eine umfassende Untersuchung uns Analyse der vorhandenen Materialien, die nahelegen, dass die Tötung der palästinensischen Journalistin Shireen Abu Akleh im Rahmen eines gezielten Angriffs erfolgte, und zwar nicht zufällig oder durch palästinensisches Feuer, wie es in einer Erklärung der israelischen Armee hieß.

In der bisherigen Stellungnahme der israelischen Armee heißt es dazu: „Während dieser Aktivitäten zur Terrorismusbekämpfung im palästinensischen Lager Jenin eröffneten Dutzende bewaffneter palästinensischer Männer das Feuer und warfen explosive Gegenstände in Richtung der israelischen Streitkräfte und bedrohten deren Leben. Die Soldaten erwiderten das Feuer. Einige Personen wurden getroffen“, so die Stellungnahme und weiter heißt es, dass „die Armee die Vorfälle untersucht und die Möglichkeit in Betracht zieht, dass die Journalisten von palästinensischen Bewaffneten getroffen wurden“.

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Dieser Darstellung widersprechen aus Sicht von CNN die Zeugenaussagen und vorhanden Aufzeichnungen.

Schüsse können nur von der israelischen Armee abgefeuert sein worden.

Die CNN-Untersuchung ergab anhand einer Analyse der aufgezeichneten Tonspur, dass die Entfernung zwischen der Kugel und ihrem Einschlag genau mit dem Standort der israelischen Soldaten zum Zeitpunkt des Treffers übereinstimmte: 309 Millisekunden, was einer schwankenden Entfernung zwischen 177 und 197 Metern entspricht.

Die Untersuchung stützt sich auch auf die Analyse eines Ballistikexperten, dem zufolge die Einschläge der Kugeln, die immer noch in den Bäumen zu sehen sind, beweisen, dass die Schüsse nicht zufällig gewesen sein können. Er erklärt, dass die drei Einschläge, die so dicht beieinander liegen und fast 200 Meter vom Ziel entfernt sind, nur von wohlüberlegten Schüssen stammen können.

Die Videos von Augenzeugen, die die Ermittlungen illustrieren, ermöglichen es auch, die Lastwagen und die Bewegungen der israelischen Truppen zum Zeitpunkt des Geschehens zu verfolgen, was ihre Beteiligung erneut belegen würde.

Israelische Armee hatte Kenntnis über die Anwesenheit der Journalisten – keine Schüsse von Seiten der Palästinenser belegt.

„Wir standen fünf bis zehn Minuten lang vor den israelischen Militärfahrzeugen, bevor wir uns bewegten, um sicherzugehen, dass sie uns sahen. Das ist eine unserer Gewohnheiten als Journalisten: Wir bewegen uns in Gruppen und stehen vor ihnen, damit sie wissen, dass wir Journalisten sind, und dann fangen wir an, uns zu bewegen“, bezeugte die palästinensische Journalistin Shatha Hanaysha, die während der Schüsse neben Shireen gestanden hat.

Als der Kameramann um die Ecke geht, hinter der er in Deckung gegangen war, sieht man Shireen mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden liegen, während ihre Kollegin Shatha sich neben sie kauert und hinter einem Baumstamm Schutz sucht. Hanaysha streckt ihre Hand aus und versucht vergeblich, sie zu wecken, während die Schüsse weitergehen.

Ein 16-jähriger Junge, der zu der Gruppe von Männern auf der Straße gehörte, sagte CNN, dass es „keine Schüsse, keine Steinwürfe, nichts“ gegeben habe, bevor Abu Akleh erschossen wurde. Er sagte auch, dass die Journalisten sie gebeten hätten, ihnen nicht zu folgen, wenn sie auf die israelischen Streitkräfte zugingen, also sei er zurückgeblieben.

Der Baum mit den erwähnten Einschusslöchern wird in Jenin nun „Baum der Journalistin“ genannt und ist zu einem improvisierten Schrein zu Ehren von Abu Akleh geworden, mit Fotos der Journalistin, die an den Stamm geklebt sind, sowie palästinensischen Schals, die an seinen Ästen drapiert sind.

Marokko – Pressegewerkschaft verurteilt Tötung von Al Jazeera – Journalistin

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