Proteste in der tunesischen Stadt Sejnane.

Die Revolution von 2011 enttäuscht die Menschen. „Es geht uns nicht besser.“

Proteste
„Arbeit, Freiheit, nationale Würde, Wir sind alle Radhia Mechergui"

Versuchte Selbstverbrennung löst Proteste gegen Armut in Tunesien aus.

Tunis – Am gestrigen Mittwoch, dem 22. November 2017, trat die gesamte tunesische Stadt Sejnane in einen Generalstreik. Ausgelöst wurden die Proteste, nach dem sich eine Frau versucht hat selbst zu verbrennen. Der Frau wurde die Sozialhilfe entzogen. Die Demonstranten protestierten gegen die Armut in ihrer Region.

Öffentliche Einrichtungen, Geschäfte und Unternehmen wurden bestreikt.

Am gestrigen Mittwoch blieben Schulen, Unternehmen und Verwaltungen den gesamte Tag geschlossen. Mit Ausnahme von Apotheken, Krankenhausnotfallstationen und Bäckereien kam das gesamte öffentliche Leben in der Stadt zum erliegen, so ein Gewerkschaftsfunktionär und ein Aktivisten gegenüber der African Free Press AFP. In den soziale Netzwerken machen Videos von den Demonstrationen die Runde und zeigen eine große Masse an Menschen, die sich den Protesten auf der Straße angeschlossen hatten.

„Arbeit, Freiheit, nationale Würde, Wir sind alle Radhia Mechergui“

„Arbeit, Freiheit, nationale Würde, wir sind alle Radhia Mechergui“, skandierten die Demonstranten auf den Straßen von Sejnane. Radhia Mechergui ist eine fünffache Mutter aus der Stadt, deren Ehemann krank ist und Sozialhilfe in Höhe von 150 Dinar (51 Euro) monatlich erhielt. Nachdem die Zahlung durch die Behörden eingestellt wurde und mehrere Widersprüche durch die Mutter unbeantwortet geblieben waren, versuchte sie sich im Gebäude der Präfektur selbst anzuzünden und umzubringen. Der Selbstmordversuch misslang, doch die Mutter von fünf Kindern liegt seit dem mit schweren Verletzungen im örtlichen Krankenhaus.

Entzug der Sozialhilfe war ungerechtfertigt – Sozialkasse muss Verantwortung tragen.

Nach einer ersten Untersuchung durch den Vizepräfekt der Region erklärte dieser, dass die Behörden keine Grundlage gehabt habe, der Frau die Sozialhilfe zu verweigern. Der Unterpräfekt von Sejnane sagte, „dass es keinen Grund gab, diesen Zuschuss zu stoppen“. Sie profitierte von diesem Zuschuss bis 2016, bis das zuständige Amt für Sozialhilfe der Region beschlossen hatte, die Zahlungen zu stoppen … . Es gab wirklich keinen Grund der Frau, die sich in einer schwierigen sozialen Lage befand, der Unterstützung zu berauben“, so der Vizepräfekt Ali Hamdouni gegenüber AFP weiter. „Die Sozialhilfe muss die Konsequenzen dessen tragen, was sie angerichtet hat.“

Die Revolution von 2011 enttäuscht die Menschen. „Es geht uns nicht besser.“

Der Druck auf dem Kessel steigt in Tunesien. Viele Menschen hatten nach der friedlichen Revolution in Tunesien große Hoffnungen. Viele sind nach fast sieben Jahren enttäuscht. Gegenüber der AFP machte der örtliche Generalsekretär der UGTT Amor Barhoumi klar, dass der „Akt der Verzweiflung und der Wut von Radhia Mechergui der Funke ist, der den Zorn der Menschen in Sejnane entzündet hat“. Denn „die Straße kocht. In Solidarität mit Radhia und weil alle bisherigen Regierungen, die es seit der Revolution gegeben hat, nichts für Sejnane getan haben. Der Aktivist Riadh Ben Cherif ergänzte: „Nach der Revolution freuten wir uns und dachten, dass sich die Dinge ändern würden. Aber es wird immer schlimmer“. Er beklagt, neben anderen Übeln „eine steigende Armut, eine wachsende Zahl von Kindern, die die Schule abbrechen müssen sowie mangelnde Freizeit- und Kulturangebote.

In einem Bericht der Organisation FTDES, einer tunesischen NGOs, dass in einer Untersuchung die wirklichen Veränderungen in Tunesien seit dem Stürz der Diktatur von Ben Ali, analysierte, wurde deutlich, dass es Tunesien heute nicht wirklich besser geht. Das Ergebnis ist, trotz eines demokratischen Fortschritts, haben „Arbeitslosigkeit, Armut sowie soziale und regionale Ungleichheiten zugenommen“. Daraus leitet die Organisation eine Warnung ab, dass diese negative Entwicklung das Risiko für politische Instabilität in Tunesien erhöht..

سجنان في إضرابٍ عامٍّ_____________نفذ اهالي معتمدية سجنان من ولاية بنزت اليوم الاربعاء 22 نوفمبر 2017 إضرابا عاما على خلفية ما وصف بسياسة التهميش والإقصاء..ويذكر أنّه تقرّرالدخول في إضراب بكامل المعتمدية إثر حادثة إقدام والدة خمسة أطفال على إضرام النار في جسدها احتجاجا منها على حرمانها من منحة اجتماعية.و تمت الطالب بإقالة والي الجهة وبضرورة عقد اجتماع وزاري للنظر في مطالب الجهة وشواغلها مهددين بالدخول في عصيان مدني إذا لم تتم الاستجابة الى المطالب المرجوّة.

Posted by Chokri Ben Zarrouk on Mittwoch, 22. November 2017

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