Tunesien – Bekennender Homosexueller kandidiert um Präsidentenamt.

Kandidat spricht von über 10.000 Unterstützern

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Baatour
Quelle Facebook Shams - Rechtsanwalt Mounir Baatour will um das Präsidentenamt in Tunesien kandidieren.

Tabu-Thema kommt im Vorfeld des Wahlkampfs zur Sprache.

Tunis – Es ist ein mutiger Schritt von Mounir Baatour, dem Rechtsanwalt und Vorsitzenden des Interessenverbandes „Shams“, der Homosexuellen und Transgender in Tunesien. Er hat seine Kandidatur, um das Präsidentenamt in Tunesien, öffentlich bekanntgegeben. Noch nie hat es einen offen bekennenden homosexuellen Kandidaten, um ein hohes politisches Amt in einem nordafrikanischen oder arabischen Land gegeben. Dies ist umso bemerkenswerter, da auch in Tunesien die Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Liebe tief in der Gesellschaft verankert ist. Die Ablehnung findet sich nicht nur im Umgang mit den Menschen wieder, sondern ist weiterhin Teil der geltenden Gesetzeslage. Doch die Kandidatur hat zu Aufmerksamkeit über die Grenzen Tunesiens hinaus gesorgt und hat die Diskussion angeregt.

Kandidat spricht von über 10.000 Unterstützern

Mounir Baatour ist Vorsitzender von „Shams“, der bekanntesten tunesischen Organisation, die sich für die Interessen von Schwulen und Lesben einsetzt und die versucht die Gesellschaft aufzuklären sowie politischen Einfluss zu nehmen. Eines der wichtigsten Ziele ist es, die Entkriminalisierung der Schwulen und Lesben. Aus ihrer Sicht ist ein größerer politischer Einfluss dringend nötig. In Tunesien, und in allen anderen Nationen des Maghreb sowie in fast allen durch den Islam geprägten Ländern, gibt es noch immer Gesetze, die homosexuelle Handlungen unter Strafe stellen. Der seit 1996 als Rechtsanwalt für Wirtschafts- und Immobilienrecht tätige Mounir Baatour gab seine Kandidatur gegenüber der belgischen Nachrichtenagentur Belga bekannt. Dabei sagte er, dass er bereits mehr als die geforderten 10.000 Unterschriften bzw. Unterstützer hat. Gegenüber Belga sagte er auch, dass er nun verstanden habe, dass niemand einen besseren Job für einen erledigen kann, als man selbst. Er will die Abgrenzungen abbauen, die gegenüber Minderheiten bestehen.

Wahlbehörde muss Kandidatur bestätigen.

In Tunesien muss die Wahlbehörde jeden Kandidaten prüfen und die Erfüllung der Voraussetzungen erklären. Doch hier wird es Rechtsanwalt Baatour ggf. schwer haben. Neben der weit verbreiteten Ablehnung seiner sexuellen Orientierung, könnte auch die Gesetzeslage ein Hindernis sein. Im tunesischen Strafgesetzbuch von 1913 stellt Paragraph 230 gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen unter Strafe. Dabei sind Geldbußen aber auch bis zu drei Jahren Haft möglich. Dazu kommt die Erniedrigung durch die Polizei, den Ärzten bei der „Beweisermittlung“ und der Justiz. Es kann bezweifelt werden, dass ein „potentieller Straftäter“ zugelassen wird. Mounir Baatour wurde bereits 2018 wegen „Sodomie“ zu drei Monaten Haft verurteilt.

Shams
Quelle Facebook Shams – Interessenverband der Schwulen und Lesben in Tunesien fodert Abschaffung des Paragraphen 230
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