Tunesien – COVID-19 Situation wieder als „kritisch“ eingestuft.

Coronavirus SARS-COV 2 Neuinfektionen in Tunesien deutlich angestiegen.

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Tunesien
Tunesische Flagge

Behörden reagieren mit lokalen Eindämmungsmaßnahmen.

Tunis – Das nordafrikanische Land wird derzeit wieder von der Coronavirus SARS-COV 2 Pandemie heimgesucht. Nach dem es im Vergleich zu den Nachbarländern so ausgesehen hat, als hätte man das Virus erfolgreich eingedämmt und die Situation unter Kontrolle bekommen, ändert sich in diesen Tagen die Einschätzung der Behörden. Das Land sah sich bereits in der Lage, die Landesgrenzen zu öffnen und Touristen aus Europa zu empfangen. Doch das Virus ist wieder auf dem Vormarsch und droht das Gesundheitssystem an seine Grenzen stoßen zu lassen. Nach aktuellen Angaben hatte das Land damit seit Ausbruch der Pandemie im Februar 17.404 Infektionsfälle (Stand 29. September 2020). Im weltweiten Vergleich sehr wenig. An den beiden Tagen (27. und 28. September 2020) wurden 4.707 PCR – Tests durchgeführt, also durchschnittlich 2.350 Tests in 24 Stunden. Im Vergleich dazu Marokko mit zuletzt rund 23.000 PCR – Test je 24 Stunden bei insgesamt 126.044 Infektionsfälle seit dem 2. März 2020.

Coronavirus SARS-COV 2 Neuinfektionen in Tunesien deutlich angestiegen.

Am 26. September 2020 sprang die Zahl der täglichen Coronavirus – Neuinfektionen erstmals seit Ausbruch der Pandemie über den Wert von 1.000. Am 29. September 2020 meldete das tunesische Gesundheitsministerium 1.291 SARS-COV 2 Neuinfektionen binnen 24 Stunden und 32 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer COVID-19 Erkrankung. Wie das Gesundheitsministerium weiter bekanntgab, befinden sich 331 COVID-19 Patienten aktuell in Krankenhäusern, wovon 87 Patienten auf Intensivstationen behandelt werden müssen. 42 Patienten befinden sich in Lebensgefahr (Stand 29. September 2020).

Gesundheitsministerium nennt Lage kritisch.

„Die Gesundheitssituation ist kritisch und erfordert mehr Wachsamkeit und Prävention“, sagte am vergangenen Mittwoch der Generaldirektor für Gesundheit im Gesundheitsministerium, Faycel Ben Salah. Auf einer Pressekonferenz in Tunis sagte der Beamte, dass die nationale Strategie zur Reaktion auf das Coronavirus auf fünf Säulen beruht, nämlich Prävention, Kontrolle, Wachsamkeit, Patientenversorgung und angemessene Verwaltung der Ressourcen. Er erinnerte auch daran, dass die Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus darauf abzielt, die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen und gleichzeitig die Volkswirtschaft am Laufen zu halten. „Am 1. September wurden 95 Intensivbetten für COVID-19 Patienten zur Verfügung gestellt“, sagte der Generaldirektor Faycel Ben Salah. Jetzt sind es 110 mit einer Auslastung von 87 Patienten. Der Beamte sagte, das Ziel war 115 Betten bis zum 30. September, 150 bis zum 15. Oktober und 250 oder 300 bis zum 30. November. Nach seinen Angaben wären dies 40% der Gesamtkapazität an Intensivbetten des Landes. Derzeit habe Tunesien rund 700 Intensivbetten (450 in Krankenhäusern und 250 in privaten Gesundheitseinrichtungen), so der Beamte auf der Pressekonferenz am Mittwoch in Tunis.

Tunesien muss Eindämmungsmaßnahmen verschärfen.

Die Regierung in Tunis sieht sich gezwungen, die Eindämmungsmaßnahmen wieder zu verschärfen. Zwar appellierten alle Beteiligten weiterhin an die Bürger, die empfohlenen und vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen einzuhalten, darunter vor allem die soziale Distanz und das Tragen des Mund- und Nasenschutzes (Alltagsmasken), doch will man lokale Verschärfungen von Eindämmungsmaßnahmen nicht ausschließen. Lokale Sperrungen wäre vorerst eine Lösung, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, fügte Ben Salah hinzu. „Die regionale Sperrung wird erlassen, wenn dies gerechtfertigt ist, aber wir wollen nicht wieder die Vollsperrung ausrufen müssen.“ Nur wenige Tage nach dieser Pressekonferenz wurden in ersten Regionen verschärfte Eindämmungsmaßnahmen und nächtliche Ausgangsbeschränkungen ausgerufen.

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