Tunesien feiert seine Frauen – 60 Jahre Frauenrechte

Tunesische Frauen feiern Frauenrechte und fordern Gleichstellung.

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Frauenrechte
Tunesische Frauen feiern Frauenrechte

Tunesische Frauen feiern Frauenrechte und fordern Gleichstellung.

Tunis – Tunesische Frauen feiern die Frauenrechte zweimal im Jahr. Sie feiern den internationalen Weltfrauentag am 08. März und den tunesischen Erlass des sog. Personenstandsgesetzes vom 13.08.1956. Der „Code du statut personnel“ (CSP) war eines der Gesetze, die vom damaligen Premierminister und späteren Präsidenten Habib Bourguiba frühzeitig umgesetzt wurden. Der CSP ist in doppelter Hinsicht als historisch zu bezeichnen. Das Gesetz wurde gleich nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1956 verabschiedet, noch vor der Fertigstellung und Verabschiedung der Verfassung. Zugleich war es lange Zeit das fortschrittlichste Gesetzt, für die Rechte der Frauen, in der arabischen Welt. Der CSP übertrug den Frauen, für die damalige Zeit, wichtige Rechte. Unter anderem können seit dem Frauen selbst die Scheidung einreichen, das Sorgerecht für gemeinsame Kinder geht bei einer Scheidung nicht mehr automatisch an den Vater und die Polygamie wurde abgeschafft. Diese Regelungen verschafften Tunesien das fortschrittlichste Frauenrecht in der Region und in der arabischen Welt.

Tunesien ist aber noch auf dem Weg zur wirklichen Gleichstellung.

Alles gute Gründe den 60. Jahrestag zu feiern. Gleichzeitig muss man bei aller berechtigten Feierlaune auch einen kritischen Blick auf die Gesamtlage werfen. Denn auch in Tunesien klaffen Anspruch und Realität auseinander. So bewertet der tunesische Verband demokratischer Frauen (ATFD) den CSP als veraltet und reformbedürftig. Die Vorsitzende Monia Ben Jemia geht sogar einen Schritt weiter. Wie die Deutsche Welle berichtet, hält Monia Ben Jemia den aktuellen Status des Gesetzes für eines der Hemmnisse für die Weiterentwicklung der Frauenrechte in dem nordafrikanischen Land.

Tatsächlich ist die 2014 verabschiedete Verfassung Tunesiens weiterentwickelt. In der Verfassung ist festgeschrieben, dass Frauen wie Männer vor dem gesetzt gleichgestellt sind. Diese umfassende Gleichstellung macht es nötig nicht nur einen CSP zu haben, sondern auch andere Rechtbereiche zu reformieren. Dazu gehört auch das Erbrecht, in dem Männer immer noch einen doppelt so hohen Erbanspruch haben wie Frauen. Diese Regelung, die auf die muslimischen Regelungen im Quran zurückgeht, ist im CSP genannt. Damit ist z.B. das Erbrecht ein Tabuthema.

Wie in vielen Ländern der Welt ist auch in Tunesien die Gleichstellung noch nicht vollends im Alltag angekommen. Nach wie vor haben Traditionen einen großen Einfluss auf die Entfaltungsmöglichkeiten der Frauen. Sie haben nicht die gleichen Berufschancen und werden nicht identisch Entlohnt. In der Landwirtschaft sind die Möglichkeiten noch viel stärker eingeschränkt.

Es gibt also noch viel zu tun und dennoch hat Tunesien und die tunesischen Frauen Grund zum Feiern.

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