Tunesien – Journalist verbrennt sich selbst.

Ausschreitungen nach der Beerdigung

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Proteste
Quelle Amine GHRABI - Tunesische Sicherheitskräfte bei Demonstrationen

Ausschreitungen in Tunesien nach dem sich ein Journalist aus Protest selbst verbrannt hat.

Tunis – Die Stadt Kasserine erlebte in der Nacht vom 24. Auf den 25. Dezember 2018 eine der schwersten Formen des Protestes. Ein Journalist brachte seinen Protest gegen die anhaltende Armut zum Ausdruck, in dem er sich öffentlich selbst verbrannte. Der 32-jähriger Abdel Razzaq Zorgui ist Kameramann, Fotograf und Vater gewesen. Er hatte seinen Tod anscheinend eingeplant. In den sozialen Medien soll er ein ergreifendes Video veröffentlicht haben, in dem es sein Handeln ankündigt und begründet. Der Dreißigjährige verurteilte die Lebensbedingungen der Einwohner seiner Region Kasserine. Die Region liegt ca. 270 km von der tunesischen Hauptstadt entfernt und ist von großer Arbeitslosigkeit betroffen.

Ausschreitungen nach der Beerdigung

Nach islamischem Ritus hat die Beerdigung am Dienstag stattgefunden. Im Anschluss gab es Proteste und Ausschreitungen in der Stadt Kassarine. Dabei kam es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen einigen Demonstranten und den Sicherheitskräften. Die Demonstranten zündeten Autoreifen an und warfen mit Steinen auf die Sicherheitskräfte. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

Erinnerung an den Beginn des „Arabischen Frühlings“

Kasserine gehört zu den Städten, in denen Ende 2010 die tunesische Revolution ihren Anfang nahm. Acht Jahre danach demonstrieren die Menschen immer noch gegen ihrer Lebensumstände und der Vernachlässigung ihrer Region. Auch damals begann alles mit der Selbstverbrennung eines von der Polizei gedemütigten jungen Obsthändlers aus Sidi Bouzid. Die Regierung unter dem damaligen Machthaben Zine El Abidine Ben Ali lies die Sicherheitskräfte auf Demonstranten schießen und wurde doch gestürzt. Heute ist die politische Lage anders und zugleich durch Konflikte geprägt. Die Lebenssituation hat sich für viele Menschen nicht geändert und auch das Vertrauen in die politische Elite ist mittlerweile gering. Dies löst solche Verzweiflungstaten, wie dir von Abdel Razzaq, aus.

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