Tunesien – Premierminister verkünden verschärft COVID-19 Maßnahmen.

Behörden fürchten eine baldige Überlastung des Gesundheitssystems.

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Premierminister
Tunesischer Premierminister Hichem Machichi im Parlament.

Erweiterte Maskenpflicht, Versammlungsverbote und lokale Lockdowns. Sorge vor Überforderung der Krankenhäuser durch COVID-19 Patienten.

Tunis – Die tunesische Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, um die immer schnellere Ausbreitung des Coronavirus SARS-COV 2 im Land einzudämmen.

Am Samstagabend sagte der tunesische Regierungschef Hichem Mechichi am Ende einer vertraulichen Ministerratssitzung, die der epidemiologischen Situation gewidmet war, dass in der öffentlichen Verwaltung ein System von einzelnen Arbeitstagen und Schichtbetrieb eingeführt wird, um die Arbeitszeit zu entzerren und den parallelen Personalbestand am Arbeitsplatz zu begrenzen.

Eingeschränkte Versammlungsfreiheit und erweiterte Maskenpflicht.

Der Premierminister verwies auch auf das Verbot aller Versammlungen an öffentlichen und privaten Orten und wies darauf hin, dass die Nichteinhaltung dieser neuen Bestimmungen strafbar ist.

Regierungschef Mechichi sagte in diesem Zusammenhang auch, dass das Tragen von Masken künftig an allen öffentlichen Orten, einschließlich Transportmitteln und Arbeitsplätzen, obligatorisch sein wird.

Es drohen lokale Lockdowns.

Premierminister Mechichi sagte, dass eine gezielte Eindämmung in den stark von Neuinfektionen mit SARS-COV 2 und COVID-19 Todesfällen betroffenen Regionen eingeführt wird. Am vergangenen Donnerstag wurde in den Küstenregionen Sousse und Monastir sowie in einigen Gebieten um Sidi Bouzid im Landesinneren eine Ausgangssperre verhängt, die die Aussetzung der Wochenmärkte und die Schließung von öffentlichen Gebäuden zur Folge hatte. Zugleich wurde beschlossen, die Schulklassen in den verschiedenen Bildungseinrichtungen weiter offen zu halten, um das Recht der Schüler und Studenten auf Bildung zu garantieren, fuhr er fort.

Im gleichen Zusammenhang forderte er die Bürger auf, die angekündigten Maßnahmen zur Prävention von Kontaminationen und die Gesundheitsvorschriften rigoros anzuwenden und erinnerte daran, dass der Staat keine Mühen scheuen wird, um diese neuen Bestimmungen durchzusetzen.

Krankenhäuser sollen mehr Intensivbetten erhalten.

Offenbar erwartet man in der tunesischen Regierung einen steigenden Bedarf an Intensivbetten in den Krankenhäusern.

Der tunesische Regierungschef kündigte an, dass in Abstimmung mit dem Privatsektor Maßnahmen ergriffen werden, um die Zahl der Reanimationsbetten bis Ende Oktober auf 1.200 zu erhöhen, und fügte hinzu, es sei auch beschlossen worden, das Coronavirus als eine Art Berufskrankheit einzustufen.

Diese Maßnahmen werden zwei Wochen lang in Kraft bleiben und gleichzeitig die Entwicklung der epidemiologischen Situation überwachen, erklärte er.

Behörden fürchten eine baldige Überlastung des Gesundheitssystems.

Die tunesischen Behörden hatten darüber informiert, dass die Krankenhäuser mit dem Zustrom von Patienten zu kämpfen haben, die sich mit dem neuen Coronavirus angesteckt hatten, und forderten die Einhaltung der Distanzregeln, um eine weitere Ausweitung der Eindämmungsmaßnahmen, die für die Wirtschaft katastrophal wäre, zu vermeiden.

„Die Kapazität des tunesischen Gesundheitssystems hat noch nicht die volle Auslastung erreicht, aber wir bekommen erste Probleme im Großraum Tunis und (…) auf der Sousse-Seite“, sagte der Sprecher des wissenschaftlichen Komitees für den Kampf gegen COVID-19, Hechmi Louzir, in vorherigen Erklärungen vor der Presse. „Auf den Intensivstationen fehlt es an Personal“, um die Kapazitäten der Krankenhäuser schnell erhöhen zu können, warnte Herr Louzir, Direktor des Instituts Pasteur von Tunis.

Tunesien erlebt massive Rückkehr des Coronavirus SARS-COV 2

Tunesien, das die Pandemie bis Ende Juni mit 1.000 Fällen und 50 Todesopfern praktisch eingedämmt hatte, hob im Sommer die meisten Beschränkungen auf. Aber die Zahl der bestätigten Fälle liegt jetzt bei 20.000, darunter fast 300 Todesfälle. „Wenn es uns nicht gelingt, diese Kurve, die wirklich nach oben geht, zu drehen, riskieren wir, überrollt zu werden“, warnte er.

Laut einer jüngsten vom Gesundheitsministerium vorgelegten Bewertung wurden am 1. Oktober 1.223 Fälle von Neuinfektionen und fünf neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Die Zahl der in Krankenhäuser eingewiesenen kontaminierten Personen beträgt 375, davon 107 auf der Intensivstation und 42 unter künstlicher Beatmung.

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