Tunesien – Proteste gegen Präsidenten und schlechter Versorgungslage

Tunesien leidet unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen.

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Bürgerinnen und Bürger sowie Junge Menschen beklagen Tod eines Teenagers und leere Regale in den Supermärkten und Geschäften. Kein Mehl, kein Zucker und kein Benzin, so die Klage der Demonstranten in Tunis.

Tunis – Die Menschen in Tunesien gehen immer öfter auf die Straße, um gegen die wirtschaftliche Situation und zunehmend auch gegen den Präsidenten, Kais Saied, zu protestieren. Auch an diesem Wochenende gingen tausende auf die Straßen der tunesischen Hauptstadt Tunis. Organisiert wurden die neuerlichen Proteste von der Front de Salut National, einem Zusammenschluss von Oppositionsparteien, dem auch die islam-konservative und von der Ideologie der Muslimbruderschaft beeinflussten Ennahdha – Partei angehört

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Auf den Plakaten und in Sprechchören wurden Parolen und Forderungen an und gegen den Präsidenten formuliert, wie: „Geh weg“, „Aufstand gegen Kais, den Diktator“, „Das Volk will den Präsidenten entlassen“ oder „Tunesien wach auf“.

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Tunesien leidet unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Die Wirtschaft des nordafrikanischen Landes und das Vertrauen in die politische Entwicklung Tunesiens sind schwer beschädigt. Die tatsächliche und vor allem die verborgene Arbeitslosigkeit unter den jungen Menschen ist hoch und wächst, die Inflationsrate steigt auf offiziell genannten 9% und aufgrund der geringen Kreditwürdigkeit werden Güter des täglichen Lebens, die meist importiert werden müssen oder von Importgütern, wie Treibstoffen oder Vorprodukten, abhängig sind, immer knapper. Der Mangel ist bereits in den Supermärkten und Geschäften zu sehen. Der Präsident macht für die schlechte Situation die Lage auf den Weltmärkten sowie Spekulanten verantwortlich, die Güter horten würden, um die Preise nach oben zu treiben.

Tunesien – Zunehmende Versorgungsengpässe werden spürbar.

Zugleich muss Tunesien derzeit mit dem IWF über neue Kredite verhandeln. Angesichts der bereits hohen Staatsverschuldung des Landes, die nahe der 100% des BIP liegen soll, stellt der internationale Währungsfonds schwierige Forderungen hinsichtlich Reformen des öffentlichen Dienstes und dem Abbau von Subventionen. Letzteres würde die Bevölkerung nochmals treffen und das Land weiter destabilisieren.

Proteste nach Tod eines Teenagers.

Am vergangenen Freitag kam es in einem Vorort von Tunis zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, nachdem ein junger Mann verstorben ist, der im August bei einer Polizeiverfolgung verletzt worden war.

Nachdem der junge Mann gegen Mittag in dem bekannten Vorort Al Omrane am Stadtrand von Tunis beerdigt worden sei, habe eine Gruppe von Jugendlichen begonnen, Steine nach den Sicherheitskräften zu werfen. Am Abend begannen im benachbarten Bezirk Ettadhmen weitere Unruhen, bei denen die Sicherheitskräfte Tränengas und Gummigeschosse verwendeten haben sollen, um mutmaßlich Hunderte von Demonstrantinnen und Demonstranten auseinander zu treiben, wie Augenzeugen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Der vierundzwanzigjährige Malek Slimi ist am Donnerstag gestorben, 50 Tage nachdem er in die Intensivstation eingeliefert worden war. „Als er bei einer Polizeiverfolgung in einen Graben stürzte, erlitte er Verletzungen am Hals“, so ein Verwandter gegenüber einem lokalen Radiosender. Seine Familie forderte eine Untersuchung der Umstände seines Todes.

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