Marokko – Abriegelung von 8 Städten löst Verkehrschaos aus.

Zuletzt Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zwingt Regierung zum Handeln.

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Verkehrschaos
Verkehrschaos auf marokkanischen Autobahnen

Kilometerlange Staus auf Autobahnen und Landstraßen – Menschenansammlungen an Transportknotenpunkten.

Rabat – Marokko hat ein Aus- und Einreiseverbot für acht Städte im Land verfügt. Neben der größten Stadt des Landes, Casablanca, und der zuvor bereits abgeriegelten Hafenstadt Tanger, wurde mit Wirkung um Mitternacht eine quasi Quarantäne über Tetouan, Féz, Meknés, Berrechid, Settat und Marrakech verhängt. In einer gemeinsamen Erklärung des Gesundheits- und Innenministeriums wurde diese Maßnahme damit begründet, dass die Bürgerinnen und Bürger in diesen Städten zunehmend, die im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus SARS-COV 2 verhängten Eindämmungsmaßnahmen, missachtet hätten und es in Folge dessen zu einem Anstieg an Neuinfektionen gekommen sei. Die Abriegelung der Städte wurde um 20:00 Uhr Ortszeit bekannt gegeben.

Marokko – Reisebeschränkungen über 8 Städte verhängt.

Bürger versuchen vor Mitternacht ihre Reiseziele zu erreichen.

Die staatliche Maßnahme durchkreuzte die Pläne von Zehntausenden von Menschen, die ihren Urlaub zum Opferfest oder für Anfang August geplant hatten. Zugleich waren bereits viele aus den genannten Städten verreist und standen vor der Situation nicht genau zu wissen, wann sie wieder in ihr Zuhause zurückkehren können. Infolgedessen wurden Busbahnhöfe, Bahnhöfe und die Hauptstraßen zu und aus den von dieser Maßnahme betroffenen Städten von den Bürgern buchstäblich gestürmt. Verkehrsstaus, lange Warteschlangen an den Mautstellen, Unfälle und vieles mehr. Die Verkehrsknotenpunkte und die marokkanischen Straßen waren Schauplatz beispielloser Szenen.

Die ohnehin nur wenig ausgeprägte gegenseitige Rücksichtnahme und Verzweiflung über diese plötzliche Lageänderung führten zu Situationen, die das nicht selten verwendete Attribut „Krieg auf den Straßen“ teils völlig neu definierte. Von Solidarität und Besonnenheit in Zeiten der Krise war zumindest wenig zu sehen.

Unvernunft und Egoismus regieren.

Dass sich, wie marokkanische Medien übereinstimmend berichten, zehntausende auf den Weg gemacht haben, darf nur bedingt überraschen. Wenig überraschend war die Reaktion von All denen, die in diesen Städten ihr Zuhause haben und vor Eintritt der Sperren in ihr Heim zurückkehren wollten und mussten. Gleiches gilt für alle, die sonst gestrandet wären bzw. nun sind. Umso mehr zeugt jede Fahrt von einer Person, die bloß rechtzeitig zum Urlaubsantritt die Städte verlassen wollte von Unvernunft und Egoismus. Nicht nur, dass man in solchen Krisenzeit auf eine Urlaubsfahrt hätte verzichten können oder gar müssen, auch wenn man seine Verwandten schon lange nicht gesehen hat, nehmen es diese Personen billigend in Kauf, im schlimmsten Fall das Virus mit auf die Reise zu nehmen und überall im Land wieder zu verbreiten sowie einen neuerlichen schweren Lockdown zu provozieren. Einen zweiten Lockdown kann sich das Königreich wirtschaftlich nicht leisten und das Gesundheitssystem ist nur begrenzt belastbar. Die Folgen könnten dramatisch sein.

Zuletzt Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zwingt Regierung zum Handeln.

Vorgestern erreichte die Zahl der Neuinfektionen mit 811 Fällen den bisher höchsten Wert seit Ausbruch der Pandemie. Auch gestern musste das Gesundheitsministerium wieder mehr als 600 neue Infektionsfälle vermeldet. Hier sind vor allem die abgeriegelten Städte betroffen. Zugleich beklagte die Regierung, aber auch Beobachter sowie Leserinnen und Leser von Maghreb-Post, die sich in Marokko aufhalten, dass die Bevölkerung weitestgehend die Distanzierungsregeln, Hygienevorschriften und den Maskenzwang ignorieren oder versuchen zu umgehen. Das Bewusstsein für die Situation hat deutlich nachgelassen. Derzeit sind mehr als 3.000 aktive COVID-19 Fälle bestätigt und über 50 Patienten werden intensivmedizinisch behandelt. Nach Angaben des Gesundheitsministers hat Marokko nur 1.250 Intensivbetten für COVID-19 Patienten bereitstellen können. Die Einhaltung der Eindämmungsmaßnahmen und das Vermeiden von unnötigen Reisen ist das billigste Instrument, um der Pandemie zu begegnen, solange es keine Medikamente oder einen Impfstoff gibt.

Marokko – Gesundheitsminister nimmt Stellung zur Abriegelung von 8 Städten.

 

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