Tunesien ändert Eherecht – Verbot von religiösen Mischehen aufgehoben.

Menschenrechtsorganisationen begrüßen die Änderung in Tunesien

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Eherecht
Änderung des Eherecht - Muslimische Frauen dürfen jetzt auch nicht-muslimische Männer heiraten.

Tunesien schafft Verbot für muslimische Frauen, einen nicht-muslimischen Mann zu heiraten, ab.

Tunis – Tunesien baut seine Gesellschaft weiter um. Bereits Mitte August kündigte die tunesische Regierung an, das Eherecht zu ändern. Dabei geht es um eine Verfügung, wonach eine muslimische Frau nur einen muslimischen Mann heiraten darf. Für eine Tunesierin war es bisher nicht möglich einen nicht-muslimischen Mann rechtsgültig zu heiraten. Wollte die Frau die Ehe rechtsgültig anerkannt haben, so musste der Ehepartner vor Zeugen zum Islam konvertieren. In der Vergangenheit soll es bereits Fälle gegeben haben, bei denen die rechtssichere Anerkennung von Ehen erfolgreich gerichtlich durchgesetzt werden konnte, aber dies blieb die Ausnahme.

Menschenrechtsorganisationen begrüßen die Aufhebung in Tunesien

Die Verfügung, welche in seiner letzten Fassung aus dem Jahr 1973 stammte, soll mit Wirkung von heute 14. September 2017 nicht mehr gelten. Dies gab der tunesische Regierungssprecher, laut dem Nachrichtenmagazin telquel, per Rundschreiben bekannt. Menschenrechtsorganisationen und Vertreter der tunesischen Zivilgesellschaft begrüßten die Aufhebung der Verfügung.

So ganz freiwillig hat die tunesische Regierung diese Aufhebung aber nicht vorgenommen. Eben diese Vertreter und Organisationen in Tunesien hatten vor dem obersten tunesischen Verwaltungsgericht gegen die Verfügung geklagt. Nach ihrer Auffassung verstoße die Verfügung gegen den Gleichstellungsgrundsatz zwischen Mann und Frau und damit gegen die Verfassung. Da die Verfügung in der letzten Fassung nur den muslimischen Frauen die Ehe mit einem nicht-muslimischen Mann verboten hatte, der Mann aber auch eine Nicht-Muslimin ehelichen durfte, gab das Gericht den Klägern Recht.

Tunesien gilt als Vorreiter bei den Frauenrechten in der arabischen Welt.

Tunesien gilt bereits seit Jahrzehnten als Vorreiter bei Frauenrechten in der arabischen und muslimischen Welt. Erst vor wenigen Wochen kündigte das Land an, auch das Erbrecht zu verändern. Dazu wurde eigens eine Kommission eingerichtet, um neue Vorschriften zu entwickeln – maghreb-post berichtete. Nun wurde auch das Eherecht verändert. Doch ist man auch in Tunesien, wie auch im Rest der Welt, noch weit von einer völligen Gleichstellung entfern. Ähnlich wie in Europa oder Asien reicht es nicht die Gesetze und Verfügungen zu verändern, sondern auch die Gesellschaft selbst muss sich entwickeln. Trotz vorhandener Gesetzeslage haben Frauen im Beruf, in der Familie und in der Politik noch nicht alle Möglichkeiten, wie sie die Männer besitzen.

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