Marokko – Gespräche über königlichen Besuch in Israel.

König will Engagement für Palästinenser untermauern.

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König
Seine Majestät König Mohammed VI. von Marokko

König Mohammed VI. bietet Staatsbesuch in Israel im Gegenzug für die Wiederaufnahme von direkten Verhandlungen mit den Palästinensern an.

Rabat / Tel Aviv – In dem bisher ersten und einzigen direkten Telefonat zwischen dem israelischen Premierminister Netanyahu und König Mohammed VI. von Marokko, soll der Monarch, nach Angaben von Netanyahu, zu einen offiziellen Staatsbesuch nach Israel eingeladen worden sein. Nur wenige Wochen, nach der offiziellen „Normalisierung“ der Beziehungen zwischen Marokko und Israel werden nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite Maarev Gespräche über eine Reise des marokkanischen Königs geführt. Derzeit bereiten beide Länder den ersten Besuch einer hochrangigen marokkanischen Delegation, wahrscheinlich angeführt vom marokkanischen Außenminister Nasser Bourita, in Israel vor. Dieser war eigentlich noch für diesen Januar 2021 geplant. Über den Termin ist aber bisher noch nichts bekannt.

Außenminister
Quelle marokkanisches Außenministerium – Marokkanischer Außenminister Nasser Bourita empfängt US-Außenminister Michael Pompeo in Rabat

Kritik in und außerhalb des Königreichs an der neuen Position zu Israel.

Marokko und König Mohammed VI. haben sich zum Jahresende 2020 nicht nur Lob aus den westlichen Staaten, sondern auch viel Kritik für die Wiederaufnahme von offiziellen Beziehungen zu Israel anhören müssen, insbesondere aus der arabisch-islamischen Welt.
Zwar unterdrückte man inländische kritische Berichterstattungen und Kundgebungen, dennoch fanden ablehnende Stimmen ihren Weg an die Öffentlichkeit und ins Parlament. Auch innerhalb der islam-konservativen PJD des Premierministers El Othmani geht der Riss durch alle Gruppierungen und gefährdete die Regierungsarbeit.

Marokko – Beziehungen zu Israel lösen Kontroverse in der PJD aus.

Die Isolation Israels galt als klare Reaktion auf die Situation der Palästinenser und stellte in Marokko eine Art Staatsräson da. Der König selbst ist Vorsitzender des Al-Quds Komitees, das im Namen der islamischen Organisation und Staatengemeinschaft die Öffnung von Jerusalem (Al-Quds) für die Muslime, aber auch grundsätzlich für alle monotheistischen Weltreligionen, verfolgen soll.

Die Ablehnung der neuen Politik und der wahrgenommene Deal mit den USA, bzgl. der Anerkennung der marokkanischen Ansprüche auf die Westsahara, beschädigte in Teilen das Ansehen bei der eigenen Bevölkerung des Landes und führte zu teils hitzigen pro und contra Diskussionen in den sozialen Netzwerken.

König will Engagement für Palästinenser untermauern.

Die marokkanische Regierung und vor allem König Mohammed VI. machten in Erklärungen klar, dass die territoriale Integrität des Landes inkl. der Westsahara das höchste Gut darstellt. Zugleich hob man das Engagement für die Palästinenser und ihrem Streben nach einem eigenen Staat nahezu auf die gleiche Ebene. Marokko versprach, dass die neuen Beziehungen zu Israel das Engagement für Palästina nicht schmälern würden.
Geradezu demonstrativ rief der König die Mitglieder des Al-Quds Komitees zur einer baldigen Sitzung nach Marrakech (Termin steht noch nicht fest), um das weitere Vorgehen zu beraten. Nun stellt er Israel einen Staatsbesuch in Aussicht, der aber an wesentliche Bedingungen geknüpft ist, deren Erfüllung Israel nicht leichtfallen dürfte.

König
König Mohammed VI. und Moulay El Hassan

Direkte Verhandlungen zwischen Israel und Palästinenser.

König Mohammed VI. hat nach Medienberichten die Wiederaufnahme von direkten Verhandlungen zwischen Israel und Palästina als Bedingung für die Annahme der Einladung des israelischen Premierministers zu einem Besuch in Tel Aviv gemacht.

Am Montag zitierte die israelische Nachrichtenagentur Maarev französische diplomatische Quellen, die mitgeteilt haben sollen, Marokkos König Mohammed VI. bestehe auf der Wiederaufnahme der palästinensisch-israelischen Verhandlungen.

Die Gesprächsaufnahme sei eine Bedingung, die der König gestellt habe, um die Einladung von Benjamin Netanjahu zu einem Besuch in Israel anzunehmen, berichtete das Nachrichtenmagazin weiter. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Al-Quds Komitees, so die israelische Zeitung, beabsichtigt der König von Marokko, die Rolle des Vermittlers wieder einzunehmen, die sein Land beim Abschluss des Friedensabkommens mit Ägypten und der Abkommen von Oslo und Casablanca innehatte.

König stellt weitere Bedingungen für einen Staatsbesuch.

Der Monarch, dessen Besuch noch diplomatisch vorbereitet werden müsste, hat Berichten zufolge, sogar darum gebeten, den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas zu treffen.
König Mohammed VI. habe auch den Wunsch geäußert, während seines Aufenthalts in Jerusalem in der Al-Aqsa-Moschee zu beten, fügte die israelische Zeitung hinzu.

Jerusalem
Al Quds – Felsendom in Jerusalem

Offenes Gespräch zwischen König Mohammed VI. und Benjamin Netanyahu.

Am 25. Dezember letzten Jahres führten König Mohammed VI. und Premierminister Netanjahu ein Telefongespräch, in dem der israelische Premierminister den marokkanischen Monarchen zu einem Besuch in Israel einlud.

Während des Telefongesprächs stellte König Mohammed VI. auch die Position Marokkos in Bezug auf die palästinensische Sache klar. Der Monarch sagte Netanjahu, dass Marokkos Position bezüglich der Sache „konsistent, konstant und unverändert“ sei. Er bekräftigte auch die Entschlossenheit Marokkos, weiterhin Frieden und Stabilität im Nahen Osten zu fördern.
Vor seinem Gespräch mit dem israelischen Premierminister bekräftigte König Mohammed VI. die gleiche Position gegenüber dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas.

In einem Brief an die palästinensische Autonomiebehörde sagte der König, dass die palästinensische Sache für Marokko genauso wichtig sei wie der Sahara-Konflikt.

Marokko ermutigte auch Israel und Palästina, Gespräche aufzunehmen, um eine endgültige und umfassende Lösung zur Beendigung des Konflikts zu erreichen.

Außenminister
Quelle marokkanisches Außenministerium – Palästinenserpräsident Abbas trifft marokkanischen Außenminister Bourita

Sorge vor neuer Präsidentschaft in den USA

Laut Medienberichten möchte der Souverän mit dem Vorschlag einer Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts seine Position stärken, indem er die Reaktion der neuen amerikanischen Regierung vorwegnimmt. In Rabat sieht man durchaus das Risiko, dass die Biden-Administration das einfache Präsidialdekret von Donald Trump, zur Anerkennung der territorialen Zugehörigkeit der Westsahara zu Marokko, durch einen Aufhebungsbeschluss zurücknimmt. Marokko hatte als Ziel, die politische Achillesferse Westsahara durch die US-Anerkennung der eigenen Ansprüche und Positionen besser zu schützen. Da es sich, aber noch um kein durch das US-Capitol verabschiedete Gesetz handelt und es auch keinen Völkerrechtskonformen Beschluss in der UNO gibt, schwebt ein Damoklesschwert über Rabat. Man stände praktisch im Regen, wenn Präsident Biden die bisherige Unterstützung zurücknehmen würde. Ein diplomatischer Erfolg zu Gunsten der Palästinenser wäre da hilfreich, um weitere ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates zu einer ähnlichen offiziellen Position, wie die der USA, zu bewegen. Allen voran Frankreich und Großbritannien.

Staatsbesuch des marokkanischen Königs von großer Bedeutung für Israel.

Für die israelische Innenpolitik wäre ein offizieller Staatsbesuch des marokkanischen Herrschers, der der zweitältesten Dynastie der Welt vorsteht, ein großer Erfolg. In Israel lebt die zweitgrößte Diaspora Marokkos mit ca. 800.000 von Marokko als Staatsbürger geführten Menschen. Hinzu kommen sog. marokkanische Juden, die nach der Ausrufung Israels als eigener Staat, aus dem Königreich ausgewandert sind, Marokko aber immer noch als Heimat ansehen. Viele führende Politiker, insbesondere aus dem sozialistischen Lager, haben marokkanische Wurzeln und sprechen teils den besonderen maghrebinischen Dialekt.

Somit haben von den ca. 8,9 Mio. Einwohnern Israels rund 1 Mio. Menschen einen engeren Bezug zu dem nordafrikanischen Königreich. Zugleich besitzen Marokko und sein König ein hohes Ansehen, als glaubwürdiges Land mit engeren und einflussreichen Beziehungen in der islamisch-arabischen Welt. Marokko und seine Bevölkerung gelten als verhältnismäßig offen und liberal ohne Ablehnung gegenüber der jüdischen Religion, sondern nur gegenüber der israelischen Politik gegen die Palästinenser sowie den islamischen Nachbarstaaten und über Politik muss und sollte man Reden können, wenn es um Frieden gehen soll. Marokkos König könnte ein glaubwürdiger Vermittler zwischen Palästinenser und Israelis sein, mit der klaren Botschaft an die Welt, dass die islamische Gemeinschaft seine Konflikte selbst lösen kann. Dazu muss er aber auch genau von dieser die nötige Unterstützung bekommen.

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