Marokko – Hohe Glaubwürdigkeit als Vermittler zwischen Israel und Palästinenser.

Ismail Haniyeh lobt die Politik von König Mohammed VI. und deutet möglichen Wunsch nach Vermittlung im Nahen Osten an.

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PJD
Quelle PJD - Premierminister El Othmani mit Hamas Chef Ismail Haniyeh , der Marokko auf Einladung des Regierungspartei besucht.

Chef der Hamas, neuer Premier Israels und USA stehen Marokko positiv gegenüber, mit hoher Glaubwürdigkeit für eine mögliche Vermittlerrolle im Nahostkonflikt.

Rabat – In diesen Tagen besucht der Chef der Hamas in Gaza Marokko. Es ist kein offizieller Besuch in Rabat, sondern Ismail Haniyeh ist als Gast der islam-konservativen Regierungspartei PJD, unter Führung des Premierministers Dr. El Othmani. Es ist kein Zufall, dass die PJD den Hamas-Chef und nicht den Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland, Abbas, eingeladen hat, denn die ideologische Nähe ist größer. Der Besuch ist auf den ersten Blick eine Wahlkampfhilfe für die PJD, die sich als Unterstützer der Palästinenser im Wahlkampf positionieren will. Es ist aber auch ein Signal der PJD, die der Muslimbruderschaft nahesteht, an König Mohammed VI., der den Machtanspruch der Islam-konservativen teils misstrauisch beobachtet, dass man die „Normalisierung“ der Beziehungen zu Israel nur gezwungenermaßen mitgetragen hat.

Hamas-Chef dankt König Mohammed VI. für sein Engagement für die Palästinenser.

Bei seinem Besuch wird er auf mehrere Tage verteilt, mit verschiedenen Parteiführern und politischen Vertretern zusammenkommen. Bei einer ersten Parteiveranstaltung der PJD am gestrigen Mittwoch (16. Juni 2021) erinnerte der Hamas Chef zurückhaltend aber unmissverständlich daran, dass man die „Normalisierung“ der Beziehungen zwischen Marokko und Israel ablehnt. Eine Position des Hamas – Führers, die der marokkanische Premierminister versuchte abzumildern. Zugleich sprach der Hamas-Führer seinen Dank gegenüber König Mohammed VI., dem marokkanischen Volk, der Regierung, den politischen Parteien und dem Parlament für ihre Unterstützung der palästinensischen Sache“ aus. Er sagte weiter: „Dieser Besuch findet unter der Schirmherrschaft Seiner Majestät des Königs und in der herzlichen Umarmung des lieben marokkanischen Volkes statt“. Er ergänzte: „Ich hoffe, dass dieser Besuch das gewünschte und erwartete Echo im brüderlichen Marokko haben wird.“ Bereits während der Coronavirus – Pandemie aber auch während der letzten kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Palästinensern in Gaza und Israel lieferte Marokko Hilfsgüter an alle Palästinenser (sowohl im Gaza-Streifen wie auch im Westjordanland).

Ismail Haniyeh lobt die Politik von König Mohammed VI. und deutet möglichen Wunsch nach Vermittlung im Nahen Osten an.

Im weiteren Verlauf seiner Ansprache vor den PJD Mitgliedern betonte und lobte er, dass über Jahrzehnte andauernde Engagement des Königs für das gesamte palästinensische Volk. Er hob hervor, dass das Königreich ohne politische Einflussnahme und ohne eigene Agenda präsent sei und daher eine hohe Glaubwürdigkeit genieße. Dann machte Ismail Haniyeh Äußerungen, die darauf hindeuten könnten, dass die Hamas eine mögliche marokkanische Vermittlerrolle im Nahen Osten akzeptieren könnte. „Viele Aufgaben erwarten uns nach diesem Sieg (Anmerkung des Autors: der von der Hamas beanspruchte Sieg über Israel bei der letzten Gewalteskalation), die wir mit unseren Brüdern in Marokko eingehend besprechen werden, und sie (Aufgaben) werden sicherlich auf dem Tisch Seiner Majestät zu finden sein, denn die Beziehung Marokkos zu Palästina ist weder neu, noch flüchtig oder interessensbasiert, sondern ist eine seriöse, religiöse, brüderliche und patriotische Verbindung.

El Othmani
Quelle PJD – Premierminister El Othmani mit Hamas Chef Ismail Haniyeh bei einer Parteiveranstaltung der PJD in Rabat

Neuer Premierminister Israels will Beziehungen zu Marokko ausbauen.

Vor wenigen Tagen endete in Israel die Regierungszeit von Benjamin Netanyahu und der aus dem rechten Parteienspektrum stammende Naftali Bennett übernimmt das Runder. Bei einer öffentlichen Stellungnahme reagierte er auf die Glückwünsche von König Mohammed VI. zur Amtsübernahme und betonte, dass er die Beziehungen zu Marokko in allen Bereichen ausbauen will. In mehreren Twitter-Botschaften bezog er sich wiederholt auf die Beziehungen zu Marokko. An der neuen Acht-Parteienkoalition, die nicht nur das gesamte israelische Parteienspektrum umfasst, sondern erstmals ist in Israel eine arabische Partei Teil der Regierung. Zugleich leben viele sog. marokkanische Juden bzw. marokkanisch-stämmige Bürger jüdischen Glaubens in Israel (teils mit der marokkanischen Staatsangehörigkeit), die nicht nur generationenübergreifend eine große Verbundenheit zu Marokko pflegen, sondern die marokkanische Monarchie sehr schätzen.

Israel
Quelle Twitter – Premierminister Naftali Bennett dankt König Mohammed VI. für die Glückwünsche zum Amtsantritt und betont seinen Wunsch die Beziehungen zu Marokko ausbauen zu wollen.

Bei allen Beteiligten besitzt Marokko eine hohe Glaubwürdigkeit und hat als Vermittler Erfolge vorzuweisen.

Das nordafrikanische Land und sein König genießen nicht nur bei den Palästinensern, sowohl im Westjordanland als auch anscheinend in Gaza-Streifen, ansehen, sondern auch bei den Israelis, wie der israelische Sicherheitsberater Schabbat durch eine formvollendete Ehrerbietung im marokkanischen Dialekt vor König Mohammed VI., beim Empfang zur Unterzeichnung des Kooperationsabkommens, demonstrierte. Auch die USA, engster und wichtigster Unterstützer Israels, könnten Marokko als Vermittler akzeptieren. Zum einen ist Marokko der älteste Partner der USA überhaupt (1. Land der Welt, dass die USA als unabhängige Nation anerkannten) und zum anderen ist das Königreich der wichtigste Verbündete in Nordafrika. Zugleich hat die USA durch ihre einseitige Unterstützung für Israel jedes Vertrauen bei den Palästinensern verspielt und würde als Vermittler wohl nicht akzeptiert werden. Auch die EU fällt als Vermittler aus, weil man Israel bedingungslos unterstützt und nicht wagt zu kritisieren, anders als Marokko, dass dennoch nicht an Sympathie in Israel verliert. Zuletzt hat Marokko in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es in der Lage ist, diskret und glaubwürdig z.B. den Frieden in Libyen zu ermöglichen. Zugleich hätte man noch den Rückhalt Frankreichs und inzwischen sehr gute Kontakte zu Großbritannien.

König
Quelle MAP – König Mohammed VI. empfängt israelisch-amerikanische Delegation im Regierungspalast von Rabat 22. Dezember 2020

Marokko sollte nur den „Runden Tisch“ anbieten.

Viele sind an dem Versuch Frieden im Nahen Osten zu vermitteln gescheitert. Es ist einer der längsten und die Welt stark beeinflussende Konflikt, und sollte der Ruf aufkommen, dass Marokko vermitteln sollte, nach fast 13 Jahren der Blockade und der schleichenden wie offen Gebietsannektion in der Ära Netanyahu, dann ist das Land und sein König gut beraten, dies nur mit Vorsicht anzugehen. Zu zahlreich sind die Interessengruppen, die an einem Fortbestand des Nahost-Konflikts interessiert sind. Etwas kleiner aber vorhanden ist eine Gruppe von Staaten, die Marokko gerne bei einer solchen gewaltigen Aufgabe scheitern sehen würden. Ähnlich wie im Libyen-Konflikt wäre es eine Möglichkeit, lediglich den Rahmen bzw. den symbolischen „Runden Tisch“ anzubieten. Aber alleine die Beteiligten wieder an einen Tisch zu direkten Gesprächen zu bekommen, könnte als diplomatischer Coup des Jahrzehnts gelten. Die Welt ist müde. Nach 70 Jahren Konflikt und Leid. Vielleicht gelingt es Marokko zumindest wieder Hoffnung aufkommen zu lassen und zugleich darauf zu achten, dass sich das Land nicht übernimmt.

Libyen
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