Maghreb – Die Couscous – Initiative von Algerien, Marokko und Tunesien.

Anerkennung im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Interessen.

Couscous
Couscous ist gleich Couscous und doch wieder nicht.

Couscous soll bei der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt werden.

Algier – Man mag es kaum glauben, doch die drei maghrebinischen Länder können bei historisch bedeutsamen Projekten tatsächlich zusammenarbeiten. Nicht nur dies, sie erkennen Gemeinsamkeiten. Doch es geht hier nicht um ein Projekt, dass auf die Bevölkerungsstruktur, Wirtschaftsentwicklung, dem vorherrschenden islamischen Glauben oder einer gemeinsamen Friedenspolitik basiert. Man ist sich, nach langer Suche und Streit über die Urheberschaft einig geworden, dass der Couscous ein gemeinsames Erbe ist. Na wenigsten dies, möchte man ausrufen. Dieses gemeinsame Erbe soll nun durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt werden.

Couscous ist gleich Couscous und doch wieder nicht.

Bei dem Couscous handelt es sich um ein traditionelles Gericht auf Basis von Hartweizen. Dieser wird gedämpft und gemeinsam mit gegartem Gemüse, Fleisch oder Fisch bzw. Geflügel gegessen. Dabei gibt es je nach Region abweichende Zubereitungen. So nehmen einige Amazigh – Völker und Stämme statt Hartweizen auch mal gerne Maismehl. Ebenso können die übrigen Zutaten der Beilagen variieren und oft spiegeln sie das saisonale Produktangebot wieder. Für die Algerier und Marokkaner wird es in Tunesien mit dem Couscous schwierig. Nicht selten erreicht der Schärfegrad, durch die zugeführte Harissa (Paste auf Basis getrockneter Chilischoten), überraschende Stärken und Höhen. Die Reaktion der Gäste aus dem übrigen Maghreb darauf trägt nicht selten zur Belustigung der tunesischen Gastgeber bei. Dass die Algerier und Marokkaner den tunesischen Schärfegrad noch nicht als Angriff auf Leib und Leben gewertet haben, zeigt die grundsätzliche Friedfertigkeit der jeweiligen Bevölkerung. Obwohl Couscous doch nicht gleich Couscous ist, sehen die drei Staaten eine ausreichende Basis für eine gemeinsame Initiative.

Algerien, Marokko und Tunesien starten gemeinsame Initiative.

Die drei Staaten haben sich nun entschlossen gemeinsam die Anerkennung des Couscous als Weltkulturerbe bei der UNESCO anzustreben. Dazu wurde bereits im November letzten Jahres eine Kommission gegründet. Vorsitzender der Kommission ist der Direktor des Algerischen Zentrums für prähistorisch, anthropologisch Forschung (CNRPAH) Slimane Hachi. Er hat einen Expertenrat einberufen um alle Informationen und Nachweise für die Antragsstellung bei der UNESCO abzustimmen. Nach Recherchen der CNRPAH gibt es erste Hinweise auf den Couscous im Maghreb aus den Jahren zwischen 202-148 v. Chr. Es wurden Gegenstände und Utensilien in Gräbern gefunden, die zur Zubereitung geeignet sind und auf die Regierungszeit von König Massinissa datiert werden konnten.

Anerkennung im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Interessen.

Dieser gemeinsamen Initiative ging ein jahrelanger Streit voraus. Alle drei Länder hatten ein handfestes wirtschaftliches Interesse daran, dass das Urheberrecht dem jeweiligen eigenen Land zugesprochen wird. Eine solche Anerkennung lässt die Chancen auf markenrechtliche Schutztitel steigen. Wer einen Markenschutz bzw. einen Regionalschutz besitzt, kann die Bezeichnung exklusiv verwenden und allen anderen Regionen die Nutzung des Begriffs verwehren. In Europa kennt man ähnliche Rechtstitel, z.B. Champagne. Durch eine gemeinsame Initiative bleibt eine freie Nutzung des Namen Couscous innerhalb der Region möglich. Außerhalb des Maghreb könnte sich dies ändern. Dann könnte es passieren, dass Produkte nur als Couscous bezeichnet werden können, wenn diese aus dem Maghreb stammen.

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