Maghreb – Ureinwohner des Maghreb „Amazigh“ begehen das Jahr 2970

Aktivisten fordern alljährlich die Einführung eines Feiertags.

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Yennayer
Quell: inumiden.com - Verbreitungsgebiet der Imazighen

Maghreb-Post wünscht ein frohes neues Jahr.

Maghreb – Heute und morgen feiern die Ureinwohner des Maghreb, die sog. Amazigh oder Berber, wie sie noch immer häufig teils verächtlich genannt werden, ihr Neujahrsfest. Die Amazigh stellen, neben den Arabern, die größte Volksgruppe im Maghreb und lange Zeit wurden ihre Bräuche und Traditionen durch die Regime in Nordafrika unterdrückt. Doch zunehmend bekommt ihre Kultur wieder mehr Gewicht und öffentliche Präsenz, womit auch die Feiertage wieder an Bedeutung gewinnen. Die Ureinwohner begehen ihr Neujahrsfest immer im ersten Drittel des Januars, meist vom 12. auf den 13. Das Neujahrsfest wird seit der Antike gefeiert. So kommt es, dass sie bereits das Jahr 2970 einleiten. Mit dem als „Yennayer“ bezeichneten Fest wird an mehrere Ereignisse in der wechselhaften Geschichte der Amazigh erinnert. Hauptsächlich wird ein Naturfest gefeiert, um den Winter zu vertreiben und ein neues Erntejahr einzuleiten. Das Neujahrsfest wird aber auch in Verbindung mit der Thronbesteigung von Pharao Schenschong I. gebracht. Der libysche Pharao soll den ägyptischen Thron im Jahr 950 v. Chr. bestiegen haben, nachdem er einen erfolgreichen Feldzug gegen Ägypten geführt hatte. Auf ihn soll die 22. Dynastie Ägyptens begründet sein.

„Yennayer“ nicht in allen Ländern des Maghreb ein Feiertag.

Das Volk der Amazigh ist in sich nicht einheitlich, sondern besteht aus vielen ethnischen Gruppen, die auch relativ abgegrenzt voneinander leben und handeln. Einzig bei einer Bedrohung der eigenen Kultur oder des Landes schließen sie sich zusammen. Sie sind historisch eine Mischung aus Nomaden, Reitervolk und Bauern. Sie besitzen eine Grundsprache, die aber in zahlreiche Dialekte unterteilt ist. Seit der Eroberung durch arabisch stämmige Volksstämme aus dem heutigen Saudi-Arabien, die auch die Islamisierung des Maghreb und sogar großen Teilen Spaniens betrieben haben, wurde die Amazigh – Kultur zurückgedrängt und eingeschränkt. Dies ändert sich erst seit wenigen Jahren und auch nur sehr langsam. So hat Marokko erst seit der Thronbesteigung von König Mohammed VI. und insbesondere erst nach der Verfassungsreform von 2011, die Sprache Tamazigh als Amtssprache anerkannt und eingeführt. In Algerien ist auch das Neujahrsfest der Amazigh ein offizieller Feiertag. Das ist in den übrigen Ländern nicht der Fall.

Amazigh – Aktivisten fordern alljährlich die Einführung eines Feiertags.

Das Neujahrsfest ist seit Jahren Anlass für Petitionen und Aufforderungen an die Regierungen des Maghreb, den Neujahrstag als offiziellen Feiertag einzuführen. Darin sehe man eine Anerkennung der Gebräuche und der Volksgruppen im Allgemeinen. Auch in diesem Jahr erreichte die marokkanische Regierung und den marokkanischen König Mohammed VI. eine solche Petition. Doch außer in Algerien hat noch keine Regierung einen solchen Feiertag eingeführt. Kritiker werfen den Amazigh vor, dass es solche Feiertage in der Vergangenheit nicht gegeben hat und man nun lediglich zur Abgrenzung von der arabischen Kultur solche Forderungen stellt. Andere Gruppen aus dem religiösen Umfeld fordern dazu auf, einen solchen Feiertag nicht einzuführen, weil er an „heidnische“ Gebräuche erinnert und es außerhalb der islamischen Feiertage keine anderen Festtage geben dürfe.

Marokko – Amazigh senden Petition an König Mohammed VI. zum Neujahrsfest.

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