Algerien – 5 von 23 Kandidaten zur Präsidentschaftswahl zugelassen.

Bevölkerung lehnt Präsidentschaftswahl ab.

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Präsidentschaftswahlen in Algerien

Regimenahe oder regimefreundliche Kandidaten werden zur Präsidentschaftswahl im Dezember zugelassen.

Algier – Die algerische Wahlbehörde teilte am vergangenen Samstag mit, dass sie die Bewerbungen von fünf Kandidaten, für die für den 12. Dezember 2019 geplanten Präsidentschaftswahlen, zugelassen habe. Unter den fünf Kandidaten sind zwei ehemalige Premierminister des abgesetzten Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Insgesamt 23 Kandidaten hatten ihre Zulassung bei der anstehenden Präsidentschaftswahl beantragt, um einen Nachfolger für Ex-Präsident Abdelaziz Bouteflika zu finden, der Anfang April, nach 20 Jahren an der Macht, zurücktreten musste, sagte der Präsident der unabhängigen nationalen Wahlbehörde (Anie), Mohamed Charfi, auf einer Pressekonferenz in Algier. Die Wahlbehörde soll bei der anstehenden Präsidentschaftswahl eine faire Abstimmung sicherstellen. Von nun an hat der Verfassungsrat sieben Tage Zeit, um die Kandidatenliste, nach etwaigen Berufungen oder Protesten, offiziell bekannt zugeben.

Regimenahe und regimefreundliche Kandidaten dürfen sich zur Wahl stellen.

Drei der zugelassenen Kandidaten arbeiteten unter der Führung von Ex-Präsident Bouteflika. Das sind Ali Benflis, ehemaliger Stabschef und spätere Premierminister, Premierminister Abdelmaldjid Tebboune, der auch andere Ministerposten innehatte und der ehemalige Minister Azzedine Mihoubi. Als vierter Kandidat geht Abdelkader Bengrina, ehemaliger Tourismusminister und ehemaliger Abgeordneter von Algier ins Rennen. Er gehört einer Partei an, die Ex-Präsidenten Bouteflika unterstützte. Der fünfte Kandidat ist Abdelaziz Belaïd. Er war Mitglied von Jugendorganisationen, die ebenfalls den ehemaligen Präsidenten unterstützten.

Kandidaten
Quelle APS – Bisher fünf Präsidentschaftskandidaten zugelassen.

Zwei Kandidaten stechen hervor.

Ali Benflis, 75, präsentiert sich seit 15 Jahren als Hauptgegner von Bouteflika, dessen Regierungschef er im Jahr 2000 war. Er wurde 2003 entlassen und kandidierte im folgenden Jahr gegen Herrn Bouteflika und wiederholte dies 2014. Der ehemalige Generalsekretär der Nationalen Befreiungsfront (FLN) gründete die Freiheitspartei der Allgemeinen Avantgarde. Herr Tebboune, 74, war seinerseits ein hoher Beamter, dann mehrmals Wali (Präfekt), bevor er 1999 zum Kommunikationsminister von Herrn Bouteflika ernannt wurde. Herr Tebboune präsentiert sich als „unabhängiger“ Kandidat.

Bevölkerung lehnt Präsidentschaftswahl ab.

Die Wahl am 12. Dezember 2019 wird, nicht nur während der Freitagsdemonstrationen von den Menschen auf den Straßen Algiers und anderen Städten, abgelehnt. Die Protestbewegung, die die Absetzung bzw. den Rücktritt von Abedelaziz Bouteflika erwirken konnte, befürchtet, dass die Wahlen nur dazu dienen werden, dass alte System wieder zu beleben. Die erste Präsidentschaftswahl, die für den 4. Juli angesetzt war, musste bereits verschoben werden. Die jetzt bekanntgegebene Kandidatenliste lässt befürchtet, dass sich die Demonstranten bestätigt fühlen und das Regime ihre angegriffene Macht verteidigen will.

Algerien – Demonstranten fordern eine „neue Revolution“.

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