Algerien – Aufflammen der Freitagsproteste in Bejaia

Behörden gingen im Vorfeld gegen Aktivisten vor, um Freitagsproteste zu behindern.

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Algerien
Weiterhin Proteste in Algerien

Sicherheitskräfte gehen mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Demonstranten vor.

Bejaia – Seit dem 20. Februar 2019 protestieren im ganzen Land vor allem junge Menschen gegen das algerische Regime und die Elite im Land. Erst durch die auch in Algerien ausgebrochene Coronavirus-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen, kamen die sog. Freitagsproteste zum erliegen.

Nun versucht die „Hirak“ (Bewegung) einen Neustart. In den letzten Wochen kam es bereits zu ersten Protesten in Algier und Oran. Am gestrigen Freitag gingen die Menschen unter anderem in Bejaia auf die Straße.

Algerien – Proteste gegen Regime beginnen wieder.

 

Behörden gingen im Vorfeld gegen Aktivisten vor, um Freitagsproteste zu behindern.

Seit Beginn des Coronavirus – Ausnahmezustands im März sollen, laut Angaben lokaler Menschenrechtsorganisationen, bis zu 200 Aktivisten und Journalisten verhaftet worden sein. Davon sollen sich 60 verhaftete Personen noch in Gewahrsam befinden. Laut dem Vizepräsidenten der algerischen Liga zur Verteidigung der Menschenrechte (LADDH) nutzt das Regime den ausgerufenen Ausnahmezustand, um präventiv ein Wiederaufflammen der Proteste zu behindern. Nach seinen Angaben, die auch von marokkanischen Medien zitiert werden, unterstellt man den Verhafteten falsche Veröffentlichungen in den sozialen Medien. Sie sollen deshalb strafrechtlich verfolgt werden. Er unterstellt den Behörden, sie hätten die Vorwürfe genutzt, um Wohnungen und Häuser zu durchsuchen und Kommunikationsmittel zu beschlagnahmen.

Ausschreitungen bei gestrigen Demonstrationen.

Bei den gestrigen Freitagsdemonstrationen im Nordwesten Algeriens, in der Stadt Bejaia, soll es zu Ausschreitungen und gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen sein. In den sozialen Medien verbreiteten sich Handyvideos, die zeigen sollen, dass Demonstranten auseinander getrieben wurde. Zum Einsatz kamen augenscheinlich auch Tränengas sowie Gummigeschosse. Es ist auch zusehen, dass jungen Demonstranten die Sicherheitskräfte meist mit Steinen beworfen haben.

Je nach Region und Demonstrationsort verstoßen die Demonstranten aktuell gegen geltende Ausgangssperren oder Versammlungsverbote, im Rahmen der Coronavirus – Eindämmungsmaßnahmen. Die Regierung wird sowohl den Hirak behindern, wie auch die Verbote und Beschränkungen durchsetzen wollen. Davon versuchen sich die Aktivisten aber nicht einschüchtern zu lassen.

Algerien – Dokumentation arte „Ein Land erwacht“

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