Algerien – Botschafter zu Konsultationen aus Rabat zurückgerufen.

Spannungen zwischen Algerien und Marokko wachsen weiter an.

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Flagge
Flaggen Algerien und Marokko

Algier fordert offizielle Stellungnahme von Marokko zur Position in der Frage des Volkes der Kabilya im Norden Algeriens.

Algier – Algerien hat mitgeteilt, dass es seinen Botschafter zu Konsultationen aus Rabat zurückgerufen habe, nachdem der ständige marokkanische diplomatische Vertreter bei der UNO in New York eine offizielle Note an die Mitgliedsländer der Bewegung der Blockfreien Staaten verteilt hat, in der Marokko „öffentlich und ausdrücklich das mutmaßliche Recht des Volkes von Kabilya auf Selbstbestimmung unterstützt“, so das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und nationale Gemeinschaft im Ausland am Sonntag (18. Juli 2021) in einem Kommuniqué.

„In einer Erklärung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten und Nationale Gemeinschaft im Ausland, die am 16. Juli 2021 veröffentlicht wurde, wurde festgehalten, dass Algerien vom Königreich Marokko erwartet, seine endgültige Position zu der äußerst ernsten Situation zu klären, die durch die inakzeptable Erklärung seines Botschafters in New York entstanden ist,“ heißt es bei der staatlichen Nachrichtenagentur APS.

„Seitdem und in Ermangelung eines positiven und angemessenen Echos wurde heute beschlossen, den algerischen Botschafter in Rabat unverzüglich zu Konsultationen zurückzurufen, ohne andere mögliche Maßnahmen je nach der Entwicklung dieser Angelegenheit auszuschließen.“

Außenminister
Außenminister Algerien Ramtane Lamamra

Spannungen zwischen Algerien und Marokko wachsen weiter an.

Die aktuelle diplomatische Eskalation ist ein Ergebnis des verbalen Schlagabtauschs während er letzten Sitzung der sog. „Blockfreien Staaten“ MNA. Der neu ernannte algerische Außenminister setzte das Thema Westsahara in den Mittelpunkt seiner Rede und forderte das Selbstbestimmungsrecht der Sahraouis. Der marokkanische UNO-Botschafter Omar Hilale reagierte mit einem Rundschreiben auf die Forderungen des algerischen Außenministers. Ramtane Lamamra, der sich „als leidenschaftlicher Verteidiger des Rechts auf Selbstbestimmung sieht, verweigert dem kabylischen Volk, einem der ältesten Völker Afrikas, das die längste ausländische Besatzung durchlebt, dieses Recht“, kommentierte der marokkanische Diplomat die Vorwürfe des Chefs der algerischen Diplomatie zur marokkanischen Sahara während der Generaldebatte des Ministertreffens der Blockfreien Bewegung (MNA) per Videokonferenz am 13. und 14. Juli 2021.

Botschafter
Ständiger Botschafter Marokkos bei der UNO in New York Omar Hilale

Algerien bewertet diese Äußerungen als Angriff auf die territoriale Integrität der Republik und Unterstützung für eine von Algier als terroristische Gruppe eingestufte Exilorganisation, die für ein freies kabylisches Volk einsteht.
Die Reaktion des algerischen Außenministeriums ließ nicht lange auf sich warten. In einer Erklärung verurteilte Algerien „diese schwerwiegende Entgleisung, auch gegen das Königreich Marokko selbst, innerhalb seiner international anerkannten Grenzen. Angesichts dieser Situation, die aus einer zweifelhaften diplomatischen Handlung eines Botschafters entstanden ist, hat Algerien als souveräne und unteilbare Republik das Recht, eine Erklärung der offiziellen Position zu erwarten.“ Diese Erklärung aus Rabat blieb aus, worauf nun Algier seinen Botschafter aus Marokko abgezogen hat.

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