Algerien – Demonstrationen gehen weiter.

Bouteflikas politisches Manöver löst Wut aus.

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Demonstrationen
Erneut Demonstrationen in Algerien gegen die Regierung

Demonstranten fordern Rücktritt, Neuwahlen und Richtungswechsel.

Algier – Nach dem gestrigen Freitagsgebet formierten sich in zahlreichen Städten Algeriens neue Demonstrationen. Nach Angaben von Beobachtern gegenüber Euronews, nahmen nochmals mehr Menschen teil, als am letzten Freitag und dem vergangenen Wochenende. Die Menschen auf Algeriens Straßen fordern nun nicht mehr nur den Kandidaturverzicht des amtierenden Präsidenten Abdelaziz Bouteflika, sondern inzwischen seinen sofortigen Rücktritt. Mit ihm sollen auch die übrigen Mitglieder der politischen Elite das Feld räumen und den Weg für Reformen freimachen. Trotz des inzwischen verkündeten Verzichts von Präsident Abdelaziz Bouteflika auf seine Kandidatur um eine fünfte Amtszeit, beruhigt sich die Lage nicht. Die Algerierinnen und Algerier sehen in dem Verzicht Bouteflikas nur ein Manöver zum Machterhalt, denn in seiner Verzichtserklärung verkündete er auch, dass die Präsidentschaftswahlen, die für den 18. April 2019 vorgesehen waren, auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Seine Amtszeit endet formal am 28. April 2019.

Algerien – Bouteflika verzichtet auf erneute Kandidatur.

Bouteflikas politisches Manöver löst Wut aus.

Die ergriffenen Maßnahmen des Präsidenten und seines Machtapparates haben bei den Menschen Wut ausgelöst. Durch die Verschiebung der Präsidentschaftswahlen könnte Präsident Bouteflika theoretisch noch sehr lange Zeit im Amt bleiben, da er die Präsidentschaftswahlen immer wieder aufs Neue verschieben könnte. Sollte er über den 28. April im Amt bleiben, wäre er grundsätzlich nicht mehr durch Wahlen legitimiert. Er könnte sich aber hinter Notstandsgesetzen und dem Vorwand der Abwehr einer nationalen Gefahrenlage barrikadieren. Nicht wenige sehen hinter der Absage der Präsidentschaftswahlen einen politischen Putsch. Nun fordern die Demonstranten den sofortigen Rücktritt des Präsidenten sowie Neuwahlen. Auch die Ernennung des neuen Premierministers Noureddine Bedoui, der eine neue Regierung aus Technokraten und Vertretern gerade der jungen Menschen ankündigte, hat keine Wirkung auf die Demonstranten. Premierminister Bedoui war zuvor algerischer Innenminister und soll über enge Verbindungen zur Familie Bouteflika verfügen.

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