Algerien – Präsident Mauretaniens zu einem Staatsbesuch in Algier

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Präsident
Präsident Abdelmajid Tebboune und Präsident Mohamed Ould Cheikh El-Ghazouani Mauretanien in Algier

Wirtschaftliche Kooperation, Sicherheitsfragen und die diplomatische Krise zwischen Algerien und Marokko auf der Agenda.

Algier – Der Präsident der Islamischen Republik Mauretanien, Mohamed Ould Cheikh El-Ghazouani, ist am gestrigen Montag (27. Dezember 2021) zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Algerien eingetroffen. Der mauretanische Präsident wurde bei seiner Ankunft am internationalen Flughafen Houari Boumediene vom algerischen Präsidenten, Herrn Abdelmadjid Tebboune, empfangen. Bei der Begrüßung war auch ein Großteil der algerischen Führung anwesend, darunter der Präsidenten des Rates der Nation, Salah Goudjil, der Präsident der Nationalen Volksversammlung (APN), Brahim Boughali, der Premier- und Finanzminister, Aïmene Benabderrahmane, der Präsident des Verfassungsgerichts Omar Belhadj, sowie der Stabschef der Nationalen Volksarmee (ANP), Generalleutnant Saïd Chanegriha.

Wirtschafts- und Sicherheitsfragen wesentlicher Teil der Gespräche zwischen Algerien und Mauretanien.

Laut der algerischen Seite findet der Staatsbesuch vor allem statt, um Themen von gemeinsamem Interesse zu beraten. Kurz vor seiner Abreise in Richtung Algier wiederholte der mauretanische Präsident Cheikh El-Ghazouani sein Angebot, in der diplomatischen Krise und angespannten Sicherheitslage zwischen Algerien und Marokko zu vermitteln. Mauretanien sitzt etwas zwischen den Stühlen, befindet sich die Pufferzone in der Westsahara zwischen der Polisario und Marokko mehrheitlich an der Grenze zu Mauretanien. Dort finden vermehrt Kampfhandlungen zwischen der Frente Polisario und den marokkanischen Streitkräften statt. Dabei wird die Frente Polisario offen von Algerien unterstützt. Entsprechend würde sich Mauretanien nahe eine „heißen Zone“ befinden, würde der Konflikt zwischen Algerien und Marokko eskalieren.

Mauretanien sucht Chancen

Mauretanien profitiert aber auch derzeit von der Konfliktsituation, da das Land von beiden Kontrahenten hofiert wird. Mauretanien erhofft sich wirtschaftliche Kooperation und Investitionen sowie Unterstützung bei der Bekämpfung von Terrorgruppen. Algerien könnte günstige Energielieferungen und militärische Unterstützung anbieten, während in Mauretanien bereits zahlreiche marokkanische Konzerne investiert haben und ihr Engagement ausbauen könnten. Für beide Länder ist Mauretanien ein strategisches Ziel, um das sie konkurrieren. Neben der Sicherheitslage ist Mauretanien für Marokko ein wichtiges Transitland für die heimische Wirtschaft in Richtung West- und Zentralafrika sowie ein Bindeglied zur ECOWAS, in der Marokko gerne Mitglied wäre. Algerien hat seine Wirtschaftsstrategie an Marokko angepasst und strebt ebenfalls in Richtung Afrika, wobei man Marokkos Expansion durch einen engen verbündeten Mauretanien rein geographisch deutlich behindern könnte. Mauretanien hat offiziell eine neutrale Position eingenommen und zeigt sich prinzipiell offen in alle Richtungen, auch wenn man zuletzt, aufgrund der enormen Investitionen marokkanischer Konzerne, mehr auf Rabat ausgerichtet war, als auf Algier.

Marokko – Hilfsgüter für Mauretanien angekündigt.

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