Algerien – Staatministerin Keul beendet dreitägigen Besuch in Algier

Beziehungen zur EU und Fragen der Energiekooperation erörtert.

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Außenminister
Quelle algerisches Außenministerium - Außenminister Ramtane Lamamra Algerien und Staatssekretärin im deutschen Auswärtigen Amt, Frau Katja Keul in Algier

Treffen mit Außenminister Lamamra zu Fragen der Energiekooperation, Sicherheit in der Sahelzone und Beziehungen zur EU

Algier – Wie das deutsche Auswärtige Amt bereits am 10. Juni 2022 auf der eigenen Webseite ankündigte, reiste Staatssekretärin Katja Keul in das nordafrikanische Land Algerien. Ziel der Reise sei, nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes, den politischen Dialog zwischen Algier und Berlin zu intensivieren. Frau Staatsministerin Keul kündigte an, sich insbesondere über die politische Situation und Sicherheitsfragen in der Sahelzone austauschen zu wollen. Frau Keul reiste am 13. Juni nach Algerien und beendet ihren Besuch am heutigen 15. Juni 2022.

Treffen mit algerischem Außenminister Lamamra

Wie die algerische staatliche Nachrichtenagentur APS mitteilte, empfing der algerische Außenminister die deutsche Staatssekretärin am vergangenen Montag in Algier. Der Besuch sei Teil der Stärkung der „Freundschafts- und Partnerschaftsbeziehungen“ zwischen den beiden Ländern, die in diesem Jahr den 60. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen begehen, hieß es in der Pressemeldung des algerischen Außenministeriums. „Das Treffen bot die Gelegenheit, den Stand der deutsch-algerischen Beziehungen in den verschiedenen Bereichen der Zusammenarbeit im Hinblick auf die bevorstehenden gemeinsamen Termine zu prüfen“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Beziehungen zur EU und Fragen der Energiekooperation erörtert.

Staatsministerin Keul wird aber nicht ganz allgemein im algerischen Außenministerium über die bilateralen Beziehungen gesprochen haben. Breits im Vorfeld kündigte das deutsche Auswärtiges Amt an, dass Frau Keul in Begleitung einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation reisen wird.

Gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Kriegs in Europa zwischen Russland und der Ukraine und den Energiesorgen in den Industriestaaten, stand auch die Bewertung von Energiekooperationen im Mittelpunkt der Gespräche. Dabei gehe es, vornehmlich um Kooperationen bei Erneuerbaren Energien, aber wohl nicht nur. „Mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation werde ich der algerischen Regierung außerdem eine noch engere Zusammenarbeit beim Ausbau unserer Energiebeziehungen anbieten“, kündigte sie vorab an.

Doch derzeit wird es auch um die Liefertreue Algeriens bei Gas nach Südeuropa gegangen sein. Das nordafrikanische Land gehört zu den wichtigsten Lieferanten Spaniens und Italiens bei Gas, und beide Länder haben erst kürzlich neue Lieferverträge mit Algerien abgeschlossen. Gerade Italien wendet sich Algerien zu, um sich von russischen Lieferungen weniger abhängig zu machen. Ein Weg, den die EU im gesamten prüft, obwohl Russland der wichtigste verbündete Algeriens, vor allem bei Rüstungsgütern und im Streit mit Marokko, dem engsten Verbündete der USA in der Region, ist.

Derzeit sind die Beziehungen zwischen Algerien und Spanien sehr angespannt, nachdem Madrid seine diplomatische Krise mit Marokko durch eine Annäherung in der Westsahara-Frage an die Position Rabats gelöst hat und damit Algier brüskierte.
Auch Deutschland beendete Anfang des Jahres seinen Streit mit Marokko, indem man den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara / marokkanische Sahara positiv gewürdigt hatte. Ein Umstand, den man in Algier sicherlich nicht wohlwollend wahrgenommen hat. Algerien ist der wichtigste Unterstützer der Frente Polisario, die wieder bewaffnet gegen Marokko für eine unabhängige Westsahara kämpft. Zugleich gehört Algerien zu den wichtigsten Kunden der deutschen Rüstungsindustrie.

Dass bei den Gesprächen zwischen der deutschen Staatssekretärin und dem algerischen Außenminister auch die drohende Krise mit der EU, die sich auf die Seite Spaniens stellt, zur Sprache gekommen ist, darauf weist die Presseerklärung des algerischen Außenministeriums hin.

„Darüber hinaus wurden aktuelle regionale und internationale Fragen sowie die Konsolidierung der Partnerschaft zwischen Algerien und der Europäischen Union (EU) erörtert“, heißt es dort weiter.

Deutschland und Algerien unterzeichnen Kulturabkommen.

Im Anschluss an das Treffen wurde in Anwesenheit des Außenministers ein Abkommen über kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit vom Generalsekretär des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten und die nationale Gemeinschaft im Ausland, Chakib Kaid, und Frau Keul unterzeichnet, hieß es in der Presseerklärung von Seiten Algerien weiter.

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