Algerien – Wie geht es Präsident Bouteflika?

Präsident Bouteflika zu medizinischen Betreuung in der Schweiz.

Bouteflika
Algerischer Präsident Aziz Bouteflika 2018

Spekulationen um Gesundheitszustand führen zu Verstimmungen zwischen Algerien und Tunesien.

Algier – Über den sichtlich angeschlagenen Gesundheitszustand von Präsident Bouteflika wird bereits seit Jahren spekuliert. Seine seltenen Auftritte in der Öffentlichkeit, die die Sorgen um ihn eher mehrten sowie der Skepsis über die Regierungsfähigkeit des Präsidenten immer wieder neue Nahrung gaben, heizten die Gesamtsituation an. Zuletzt deutete sich an, dass trotz allem der Regierungsapparat eine erneute Kandidatur für weitere fünf Jahre der Präsidentschaft von Abdelaziz Bouteflika vorbereitet. Ein Umstand, der sowohl auf Seiten der Regierungspartei als auch bei der Opposition, zur kritischen Aussagen führte. An diesem Wochenende wurde sogar darüber spekuliert, dass sich der kranke Präsident im Sterben befinden könnte.

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Präsident Bouteflika zu medizinischen Betreuung in der Schweiz.

Ende letzter Woche hielt sich Präsident Bouteflika, in Begleitung seines jüngeren Bruders Said Bouteflike sowie seines Stabes, in der Schweiz auf. Er wurde in einem Krankenhaus in Genf untersucht bzw. behandelt. 2013 erlitt Präsident Bouteflika mindesten einen schweren Schlaganfall. Die Folgen führten zu einer sichtbare Einschränkung seiner Motorik und Sprachfähigkeit. Über weitere Einschränkungen kann nur spekuliert werden, da Informationen darüber ein algerisches Staatsgeheimnis darstellen. Doch zahlreiche Terminabsagen, auch kurzfristig, wie beim Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel Anfang dieses Jahres, lassen vermuten, dass es weitere gesundheitliche Probleme gibt. Rund um den aktuellen Aufenthalt in der Schweiz kamen jetzt Spekulationen auf, dass sich der Präsident im Sterben befinden könnte. Dies hat die algerische Regierung schnell dementiert.

Kanzlerin
Präsident Abdelaziz Bouteflika und Bundeskanzlerin Angela Merkel

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Algerische Verantwortliche werfen tunesischem Premier vor, die Spekulationen verursacht zu haben.

Seit dem Wochenende befindet sich der algerische Präsident wieder in Algerien. Nach dem Aufkommen der Spekulationen über einen möglichen baldigen Tod von Abdelaziz Bouteflika reiste die Delegation schnell aus der Schweiz nach Algerien zurück. Dies soll auch als Signal verstanden werden, dass es sich lediglich um eine Routineuntersuchung gehandelt hat. Hochrangige Generäle des algerischen Militärs werfen aber dem tunesischen Premierminister Yousseh Chahed vor, die Spekulationen ausgelöst zu haben. Ihm wird vorgeworfen persönlich von einem baldigen Tod des algerischen Präsidenten gesprochen zu haben. Eine Diskussion die auch die marokkanischen Medien aufgegriffen haben, nach dem bekannt wurde, dass die algerische Delegation eine Betreuung durch eine marokkanische Krankenschwester in Genf abgelehnt hatten. Die Beziehungen zwischen Algerien und Tunesien sind eng, womit man Aussagen aus Tunis mehr Glauben schenkt, als aus Marokko, mit dem Algerien seit Jahrzehnten im Konflikt steht.

Premierminister
Tunesischer Premierminister Youssef Chahed

Gesundheitszustand gibt weiterhin Raum für Spekulationen.

Trotz der schnellen Rückkehr des algerischen Präsidenten in die Hauptstadt Algier, ebben die Spekulationen über seinen tatsächlichen Gesundheitszustand nicht ab. Er zeigt sich weiterhin äußerst selten in der Öffentlichkeit und eine direkte Stellungnahme der algerischen Regierung hat es bisher auch nicht gegeben. Die Frage über den Gesundheitszustand wird zunehmen wichtig, da der Präsidentschaftswahlkampf praktisch begonnen hat. Dabei geht es vor allem darum glaubhaft zu machen, dass der Präsident weitere fünf Jahre die Amtsgeschäfte führen kann und weniger darum sich gegen einen Mitbewerber durchzusetzen. Algerien wird sich aber der Frage stellen müssen, was passiert, wenn es zum Ableben von Abdelaziz Bouteflika kommt. Bricht dann ein offener Machtkampf um die ungeordnete Nachfolge aus, bei dem z.B. das Militär die Macht ergreifen könnte oder steht im Hintergrund bereits ein Nachfolger bereit, z.B. Said Boutefilika, der dann die Präsidentschaft übernehmen könnte. Allerdings scheint seine Machtbasis eingeschränkt zu sein, weil man ihn nicht bereits jetzt zur Wahl antreten lässt.

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