Bis zu einem Jahr Haftstrafe für Demonstranten in Al Hoceima.

Weiterhin zahlreiche Demonstranten in Haft.

Demonstranten
Demonstranten und Sicherheitskräfte in Al Hoceima

Erste Verurteilungen von Demonstranten im Zusammenhang mit der verbotenen Demonstration vom 20. Juli 2017.

Al Hoceima – Trotz der aktuellen königlichen Begnadigungen von verhafteten Mitgliedern der „Hirak“ – Protestbewegung anlässlich des Thronjubiläums, agiert die Justiz unverändert. Für den 20. Juli 2017 war in Al Hoceima zu einer Massendemonstration aufgerufen worden. Die Regionalregierung, unterstützt durch die Zentralregierung in Rabat, hatte die Demonstration untersagt – maghreb-post berichtete. Trotz des Verbots und eines massiven Aufgebots der Sicherheitskräfte, fanden einige hundert Demonstranten zusammen und führten die Proteste fort. Dabei wurden aber auch einige Demonstranten verhaftet. Gegen diese Demonstranten wurden jetzt die Urteile bekannt.

Rund ein Dutzend verhaftete Demonstranten teils zu Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr verurteilt.

Am vergangenen Montag wurden rund ein Dutzend verhaftete Demonstranten zu Gefängnisstrafen verurteilt, wie das Nachrichtenangebot Bladi.net berichtet. Insgesamt standen 20 Personen vor Gericht. Von ihnen wurden vier zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen von drei bis sechs Monaten. Alle übrigen wurden entweder zu Sozialstunden oder Geldstrafen verurteilt bzw. auf Bewährung entlassen. Gleichzeitig wurden vier Angeklagte, die unabhängig von der verbotenen Demonstration am 20. Juli verhaftet wurden, freigesprochen.

Weiterhin zahlreiche Demonstranten in Haft.

Offiziell sollen rund 100 Demonstranten in den letzten Monaten verhaftet worden sein. Inoffiziell wird von nahezu 180 Demonstranten gesprochen. Darunter die beiden Prominenten Gesichter der „Hirak“ – Bewegung Frau Silya Ziani und Nasser Zefzafi. Die Sängerin und Schauspielerin Silya Ziani war unter den 40-50 vom König begnadigten Demonstranten. Zur großen Enttäuschung der Protestbewegung wurde Nasser Zefzafi nicht vom König begnadigt. Gegen ihn läuft seit ca. drei Wochen der Prozess in Casablanca. Ein Urteil wurde noch nicht gesprochen. Am 20. August 2017 steht bereits der nächste hohe Feiertag in Marokko an. An diesem Tag erinnert Marokko an seinen Kampf um Unabhängigkeit und gegen die Kolonialmacht Frankreich – maghreb-post berichtete. Auch zu diesem Ereignis wird üblicherweise eine Rede des Königs erwartet. In diesem Umfeld hat der König erneut die Möglichkeit Begnadigungen auszusprechen. Vor dem Hintergrund der letzten Thronrede von König Mohammed VI. keimen jetzt Hoffnungen bei der Protestbewegung und der Familie von Nasser Zefzafi auf, dass er am 20. August 2017 eventuell freigelassen wird. Ob diese Hoffnungen realistisch sind, bleibt abzuwarten. Die weitere Entwicklung in Al Hoceima könnte Einfluss auf die Entscheidung des Königs haben.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Empfohlener Artikel