ECOWAS – Beitritt Marokkos erst Anfang 2018

Beitrittsbestätigung auf einem Sondergipfel Anfang 2018

ECOWAS
Akute Krisen in den Mitgliedsländern der ECOWAS füllen die Tagesordnung.

Der Beitritt Marokkos zur ECOWAS wird auf dem kommenden Gipfel nicht bestätigt.

Rabat – Am morgigen Samstag, den 16. Dezember 2017, tagen die Mitglieder der „Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“ ECOWAS in Abuja. Die marokkanische Regierung hat dem Gipfel seit Monaten mit Spannung entgegen gefiebert. Marokko hatte Anfang des Jahres einen Beitrittsantrag zur ECOWAS gestellt. Über diesen Beitrittsantrag sollte ab morgen in der nigerianischen Hauptstadt abschließend beraten werden. Nun hat die ECOWAS dieses Thema von der Tagesordnung genommen. Die Folge ist, dass Marokko in diesem Jahr nicht mehr Mitglied der Wirtschaftsgemeinschaft werden kann.

Akute Krisen in den Mitgliedsländern füllen die Tagesordnung.

Nach marokkanischen Medienberichten wurde die Änderung der Tagesordnung im Vorfeld mit der marokkanischen Regierung abgestimmt. Der Generalsekretär der ECOWAS, Marcel de Souza, begründete die Änderung der Tagesordnung damit, dass die aktuellen Mitglieder sich voranging mit akuten Krisen in der Region beschäftigen müssen. Die Tagesordnung dieses Gipfels sei, mit der Krise in Bissau, den wiederholten Anschlägen in Mali und Niger, den Unruhen im Kongo und in Liberia sowie mit formalen Fragestellungen innerhalb der Organisation, überfüllt.

Beitrittsbestätigung auf einem Sondergipfel Anfang 2018

Wie marokkanische Medien aus vertraulichen Quellen erfahren haben wollen, sei die Aufnahme Marokkos weiterhin sehr wahrscheinlich. Die marokkanische Regierung und die ECOWAS stimmen bereits Termine für einen Sondergipfel ab. Einziges Thema des Sondergipfels soll der Beitritt Marokkos sein. Als besonders positives Zeichen wertet man in Rabat, dass das Erscheinen von König Mohammed VI. zum Sondergipfel erwartet wird. Nach aktuellen Informationen soll der Sondergipfel Anfang 2018 stattfinden.

ECOWAS Beitritt ist ein wichtiges strategisches Zwischenziel Marokkos.

Erst Ende 2016 kehrte das nordafrikanische Königreich als Mitglied in die Afrikanische Union (AU) zurück. Marokko war als Gründungsmitglied der AU vor über 30 Jahren ausgetreten, da einzelne Mitgliedsstaaten die Westsaharapolitik Marokkos verurteilten – maghreb-post berichtete. Kaum war die Wiederaufnahme erfolgt, stellte Marokko im Februar dieses Jahres einen Beitrittsantrag zur ECOWAS. Für Marokko ist die Eingliederung in die afrikanischen Organisationen ein wichtiger strategischer Baustein, für die wirtschaftliche und politische Entwicklung des eigenen Landes. Der erfolgreiche Beitritt in die ECOWAS ist dabei nur ein strategisches Zwischenziel bei der Umsetzung des Masterplans – maghreb-post berichtete.

Auf der einen Seite möchte sich Marokko als Plattform für Europa, China und Russland positionieren, von der man Afrika erreichen kann. Zugleich soll sich für die marokkanische Wirtschaft ein neuer Markt eröffnen.

Auf der anderen Seite sollen auch Sicherheitsfragen sowie machtpolitische Positionen im Maghreb neu definiert werden. Dabei geht es auch darum die politische Achillesferse Westsahara besser zu schützen oder ganz aus der Diskussion nehmen zu können. Doch der Beitrittsantrag Marokkos zur ECOWAS stieß nicht nur auf Wohlwollen.

Marokkos Eintritt in die ECOWAS nicht ohne Hürden.

Marokkos Eintritt in die ECOWAS ist nicht unumstritten – maghreb-post berichtete. Einige Mitgliedsstaaten der „Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“ haben Sorge, dass die relativ hohe Wirtschaftskraft Marokkos das vorhandenen Gleichgewicht zu sehr ändern kann und marokkanische Unternehmen die Märkte mit Produkten und Dienstleistungen überschwemmen werden. Daher hatte sich die Organisation dazu entschlossen eine Wirkungsstudie erstellen zulassen, um die Vor- und Nachteile besser bewerten zu können. Nach Angaben marokkanischer Medien lag die Studie erst Anfang des Monats vor und konnte noch nicht von allen Mitgliedern ausreichend berücksichtigt werden. Die Studie soll aber keine ernsthaften Bedenken aufzeigen. Die Wirkungsstudie bezeichnet den Beitritt Marokkos, in Bezug auf Frieden und Sicherheit, als Mehrwert für die Region. Dennoch könnte die späte Fertigstellung Einfluss auf die Tagesordnung des morgigen Gipfels genommen haben.

Aber auch in Marokko wird über einen ECOWAS – Beitritt diskutiert. In der politischen Öffentlichkeit wird zwar vorrangig über das Potential gesprochen, aber gerade der Beschluss der ECOWAS eine Einheitswährung einzuführen, lässt bei einzelnen Verbänden und Parteien Sorge aufkommen. Marokko hat aber bereits zugesagt, dass wenn es zu einer einheitlichen Währung innerhalb der ECOWAS kommt, diese ebenfalls zu übernehmen und damit den marokkanischen Dirham abzulösen.

Ebenso rufen die Krisen in einzelnen Mitgliedsstaaten in Marokko Besorgnis hervor. Als ECOWAS Mitglied müsste Marokko sich an Friedensmissionen beteiligen und sich damit finanziell, personell und ggf. militärisch Engagieren.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (5 Bewertung(en), Durchschnitt: 4,80 von 5)
Empfohlener Artikel