Erneut Unruhen in der Region Al Hoceima – Marokko.

Schwere Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten

Unruhen in der Region Al Hoceima
Brennendes Auto (Foto ist nur Illustration u. zeigt nicht die Geschehnisse vor Ort) - Unruhen in der Region Al Hoceima

Schwere Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten in der Region Al Hoceima.

Al Hoceima – Erneut Unruhen in der Region Al Hoceima, begleitet von teils schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Wie die staatliche Nachrichtenagentur MAP meldete, kam es Sonntagnacht wieder zu Unruhen, an denen insbesondere junge Menschen in einem Vorort von Al Hoceima beteiligt waren. In der Gemeinde Ait Youssef Ou Ali bewarfen die Demonstranten ein Polizeigebäude mit Steinen und zündeten dabei einige Behördenfahrzeuge an. Nach Angaben von MAP und moroccoworldnews sollen dabei vier Polizeifahrzeuge, ein Bus und ein Privatfahrzeug verbrannt sein.

Die Sicherheitskräfte sollen gegen die Angreifer vorgegangen sein. Angaben über Verletzte oder Verhaftungen sind nicht gemacht worden. Die Provinzregierung kündigte aber an, dass Ermittlungen eingeleitet werden um den Tätern auf die Spur zu kommen und juristische Konsequenzen folgen sollen.

Region Al Hoceima kommt nicht zur Ruhe.

Die gesamte Rif-Region und insbesondere die Küstenstadt Al Hoceima gelten in Rabat als schwieriges Gebiet. Der Freiheitsdrang unter den Rif-Berbern ist groß und der Unmut über die Zentralregierung ebenfalls. Doch in letzter Zeit kommt gerade Al Hoceima nicht zur Ruhe. Seit dem Tod des Fischhändlers Mouhsin Fikri, der bei einer Kontrolle der Fischereibehörde in einem Mülltransporter ums Leben gekommen ist, sind die Proteste intensiver geworden – maghreb-post berichtete.

Demonstranten fordern Reformen und den Kampf gegen die Korruption.

Unter der Herrschaft König Hassans II. wurden gerade die Regionen der Berbervölker in Marokko vernachlässigt und teilweise mit einer bestrafenden Absicht von den Entwicklungen im Land abgekoppelt. Neben der Region Marrakech traf diese Haltung insbesondere die sog. Rif Gebiete im Nordosten des Königreiches. Unter König Mohammed VI. hat sich dies deutlich geändert. Gerade die Region am Mittelmeer ist aktuell die Region mit den umfassendsten Infrastrukturinvestitionen. Allerdings kommt gerade bei den jungen Menschen wenig von den wirtschaftlichen Erfolgen im Land an. Die Arbeitslosenquote gerade bei den unter 30ig jährigen ist hoch und auch die Korruption ist allgegenwärtig. Darüberhinaus beklagen viele Menschen im Land weiterhin Behördenwillkür und Vetternwirtschaft. Aus Sicht der Demonstranten hat der Staat bisher zu wenig getan um hier Veränderungen herbeizuführen.

Marokkaner machen sich Sorgen um Stabilität im Land.

Die Entwicklungen in der Region Al Hoceima machen vielen Marokkanern im In- und Ausland große Sorgen. Zwar teilen viele den Unmut über die sozialen und politischen Gegebenheiten im Land, aber noch viel größer ist die Furcht vor einer instabilen Lage und den möglichen Folgen. Ein Auseinanderbrechen Marokkos ist aktuell noch nicht anzunehmen, aber als unmöglich gilt ein solches Szenario auch nicht. Daher ist die Beliebtheit des Königs Mohammed VI. relativ hoch, gilt er als stabilisierender Faktor. Die Geschehnisse in den Ländern des sog. arabischen Frühlings möchten sowohl die Menschen in Marokko als auch die im Ausland lebenden Marokkaner im eigenen Land nicht erleben müssen. Die in Deutschland lebenden Marokkaner stammen zu ca. 80% aus dem Nordosten des Königreiches.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Empfohlener Artikel