Freigabe der marokkanischen Währung – Premierminister verplappert sich im TV-Interview.

Gründe für die kurzfristige Verschiebung der Freigabe weiterhin unklar.

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Premierminister legt geplante Schwankungsbreite offen.

Rabat – Das TV-Interview des marokkanischen Premierministers vom letzten Samstag schlägt noch immer hohe Wellen. Hauptsächlich ging es seit dem 01. Juli darum, dass der Regierungschef zu den anhaltenden Demonstrationen im Rif Stellung nahm und den Vorwurf des Separatismus als Fehler bezeichnete – Maghreb-Post berichtete. Aber es wurden auch weitere Themen besprochen. Darunter auch die anstehende Freigabe der marokkanischen Währung bzw. die Freigabe des Wechselkurses innerhalb bestimmter Bandbreiten. Die Freigabe stand eigentlich bereits letzte Woche an, wurde aber überraschend und praktisch in letzter Minute verschoben.

Schwankungsbreite soll bis zu 5% betragen können.

Bisher war geplant, dass der Chef der marokkanischen Zentralbank Abdellatif Jouahri und der Finanz- und Wirtschaftsminister Mohamed Boussaid Details zur neuen Wechselkurssystematik bekanntgeben. Dies sollte bereits am 29. Juni geschehen, wurde aber vom Ministerrat gestoppt. Nun hat Premierminister El Othmani das Geheiminis um die geplante Schwankungsbreite gelüftet. In dem 90. Minutigen TV-Interview, welches gleichzeitig in beiden Hauptsendern ausgestrahlt wurde, erläuterte er, dass die Freigabe des Wechselkurses schrittweise erfolgen soll. In der ersten Phase soll der Wechselkurs innerhalb einer Bandbreite von 5% schwanken können. Das bedeutet, er kann um 2,5% nach oben und ebenfalls nach unten vom einen Mittelwert abweichen. Bisher schwankt die Währung lediglich innerhalb einer Bandbreite von 0,6% zum Referenzwert bzw. Mittelwert. Damit würde sich die Schwankungsbreite um mehr als das Achtfache erhöhen. Bisher war die Schwankungsbreite ein streng gehütetes Geheimnis um gezielte Spekulationen zu erschweren.

Gründe für die kurzfristige Verschiebung der Freigabe weiterhin unklar.

Im weiteren Verlauf des TV-Interviews erläuterte der Premierminister, dass es sich, aus Sicht der Regierung, um eine relativ moderate Bandbreite handelt. Weshalb aber dann die Regierung die Freigabe des Wechselkurses am 29. Juni gestoppt hatte, wollte El Othmani nicht direkt beantworten. Er stellte aber fest, dass aus seiner Sicht diese beschränkte Bandbreite die Befürchtungen und Spekulationen am Finanzmarkt nicht rechtfertigen würde, denn mehr als um 2,5% könne die Währung nicht an Wert verlieren. Aus dieser Erläuterung kann man lediglich die Vermutung ableiten, dass in den Wochen und Monaten zuvor die Spekulationen gegen die Landeswährungen ein bedrohliches Ausmaß angenommen haben. Bei einem hohen Abwertungsdruck, aufgrund von Divisenspekulation kann eine Zentralbank oder eine Regierung schnell gezwungen sein, die Währung deutlich stärker abzuwerten, als ursprünglich geplant. Denn wenn einmal der Markt den Wert der Währung mit beeinflusst, dann wird er auch die Regeln mit bestimmen wollen. Die Folgen der Spekulationen scheinen für die Regierung weniger bewertbar gewesen zu sein, als für die Zentralbank. Dies könnte der Grund gewesen sein, weshalb der Ministerrat hier interveniert hat. Auf Nachfrage bestätigte der Regierungschef, dass die Bank Al Maghreb bereit gewesen wäre, die Freigabe am 29. Juni zu verkünden.

Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank Bank Al Maghreb

Das kurzfristige Einschreiten des Ministerrats und damit der Regierung, hat die Zentralbank innen- und außenpolitisch beschädigt. Gerade der Internationale Währungsfond (IWF), die Weltbank sowie die großen Zentralbanken in Europas (inkl. der EZB), Asiens und der USA sind der Auffassung, dass eine möglichst politisch unabhängige Zentralbank ein wichtiger Stabilisierungsfaktor für eine Wirtschaft und speziell für eine Währung ist. Die Handlungsfähigkeit der marokkanischen Zentralbank, eine durch den Devisenmarkt bewertete Landeswährung aber auch eine autonome Fiskalpolitik, sollten das Vertrauen in die marokkanische Wirtschaft und das Finanzsystem stärken. Die nun kürzlich vorgenommene Intervention der Regierung lässt Zweifel aufkommen, ob der Prozess zur Stärkung der Zentralbank fortgeführt wird oder bereits beendet ist, bevor er wirklich begonnen hat. Auch die weiteren Erläuterungen des Regierungschefs nützen der Bank Al Maghreb wenig. El Othmani stellte klar, dass nun die Regierung feststellen wird, wann die Voraussetzungen für die Freigabe des Wechselkurses gegeben sind. Aus Sicht der Regierung bedarf es der Einführung weitere Prüfungen und Entscheidungsprozesse sowie weitere Analysen zu den möglichen Auswirkungen eines freien Wechselkurses. Die Zentralbank wird aber die Freigabe zum gegebenen Zeitpunkt bekanntgeben. Damit macht der Regierungschef aus der Zentralbank nur noch die verkündende Organisation und stellt in Abrede, dass die bisherigen Vorbereitungen durch die Bank Al Maghreb ausreichend gewesen sind. Das kann dem Chef und den leitenden Angestellten der Zentralbank nicht gefallen.

Unsicherheit in Marokko wächst.

Diese aktuelle Situation und Diskussion hat die Wirtschaft und die Bürger verunsichert. Die marokkanische Zentralbank kündigt seit mehr als einem Jahr an, dass die Freigabe des Wechselkurses kommen wird. Gleichzeitig wird der Wirtschaft und der Bevölkerung ständig mitgeteilt, dass man für den Systemwechsel vorbereitet und nicht mit einem Verfall der Landeswährung zu rechnen ist. Nun stellt sich die Frage, ob das marokkanische Finanzsystem und die Politik tatsächlich gut vorbereitet sind.

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Quellen: Telquel, Medias24

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