Kommission soll Strategie gegen Wassermangel in Marokko entwickeln.

Marokko fest im Griff des Klimawandels.

Wassermangel
König Mohammed VI. leitet Sitzung des Ministerrats in Rabat

Premierminister Marokkos setzt auf Geheiß von König Mohammed VI. eine Kommission ein, die sich mit dem Wassermangel im Land beschäftigen soll.

Rabat – Das Thema Wasserversorgung hat es weit nach oben auf die Dringlichkeitsliste der marokkanischen Regierung geschafft. Anfang der Woche hatte König Mohammed VI. bereits den Regierungschef Saad–Eddine El Othmani angewiesen, innerhalb einer angemessenen Zeit, konkrete Maßnahmen und Strategien zu entwickeln, wie dem Wassermangel entgegnet werden kann (MAP). Nun hat der Regierungschef nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses der Regierungsparteien mitgeteilt, dass man eine eigene Kommission einsetzen wird. Diese soll über alle benötigten Ministerien hinweg Strategien entwickeln, wie in Zukunft die Versorgung, vor allem mit Trinkwasser, landesweit gesichert werden kann. Hintergrund der Anweisung von König Mohammed VI. waren Proteste in einigen Dörfern und Städten. Die Menschen protestierten gegen Versorgungslücken und teilweise gegen die schlechte Qualität des Trinkwassers. Gerade in den Sommermonaten traten vermehrt Probleme auf.

Kommission soll bereits kommende Woche mit der Arbeit beginnen.

Premierminister Saad-Eddine El Othmani sagte am letzten Donnerstag während einer Sitzung des Koalitionsausschusses in Rabat: „Das Thema Wasser ist jetzt ein strategisches Thema für die Regierung“. Die Kommission wird bereits in der nächste Woche ihre Arbeit aufnehmen. Für Marokko spitzt sich die Lage langsam aber zunehmend zu. Gegenüber 1980 sind die Wasserreserven des Landes um 71% gesunken. Gleichzeitig erlebt das Land immer häufiger extreme Wetterphänomene. Es kommt sowohl zu sintflutartigen Regenfällen, die die Infrastruktur überfordern (maghreb-post berichtete) wie auch zu Tagen mit sehr hohen Temperaturen, die man sonst nur aus der Sahararegion kannte. Aber unter dem Strich trocknet das Land zunehmen aus. Bereits in den letzten Jahren erhöhte die Landflucht der Menschen den Druck auf die Infrastruktur in den Städten.

Marokko setzt auf den Bau von Staudämmen.

Dass die Lage in Marokko zunehmend schwieriger wird, ist keine Überraschung für die Regierung. Der amtierende Premierminister hat erst Ende Juli vor einer drohenden Wasserkrise gewarnt. In seiner Regierungserklärung vor dem Parlament nannte er auch die eingeleiteten Maßnahmen. Pro Jahr möchte man in Marokko ca. 10 Staudämme errichten und damit die Wasserversorgung verbessern. Hinzu kommt der Bau von Meerwasserentsalzungsanlagen in den Regionen Agadir und Al Hoceima (maghreb-post berichtete). Die nun gegründete Kommission wäre allerdings etwas spät dran um sich jetzt erst mit den Fragen der Wasserversorgung zu beschäftigen.

Marokko fest im Griff des Klimawandels.

Marokkos Probleme mit der Wasserversorgung sind nicht alleine auf noch nicht umgesetzte Maßnahmen zurückzuführen. Der Klimawandel hat das Land bereits fest im Griff und bedroht die gesamte Versorgungssicherheit der Menschen und die marokkanische Volkswirtschaft. Neben den Schwierigkeiten bei der Trinkwasserversorgung ist die Landwirtschaft, die den wirtschaftlichen Primärsektor des Landes darstellt, bedroht. Die Menschen ziehen nicht nur vom Land in die Städte, wo Sie versorgt werden müssen, sondern gerade die risikofreudigen und nicht selten gebildeten Bevölkerungsgruppen verlasen das Land in Richtung Europa und Kanada. Marokko trocknet nicht nur aus, sondern droht auch noch auszubluten.

Mehr zu Thema im Beitrag „Marokko trocknet aus“.

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