Konflikt zwischen Marokko und Polisario verschärft sich.

König Mohammed VI. fordert die UN auf Einfluss zunehmen.

Konflikt zwischen Marokko und Polisario
Grenzgebiet Marokko Algerien - Konflikt zwischen Marokko und Polisario

König Mohammed VI. fordert die UN auf Einfluss auf die Polisario zunehmen.

Rabat/ New York – Der Konflikt zwischen Marokko und der Polisario verschärft sich weiter. Bereits seit Monaten kommt es in der Grenzregion zwischen Marokko und Mauretanien immer wieder zu Zwischenfällen, bei denen sich die Polisario und die marokkanischen Sicherheitskräfte gefährlich nahe gekommen sind. Seit dem Waffenstillstandsabkommen zwischen Marokko und der Polisario im Jahr 1991 hatte die UN eine Sicherheits- bzw. eine Pufferzone eingerichtet, die von ca. 200 UN-Blauhelmen überwacht wird.

Grenzregion „Guerguerat“ im Zentrum der Konfrontation.

In der Grenzregion „Guerguerat“ starteten Marokkos Polizei- und Zollbehörden eine Aktion gegen „illegale Machenschaften“ und haben dabei, nach eigenen Angaben, unter anderem auch Waffenschmuggel vereitelt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet bauten gleichzeitig marokkanische Bautruppen eine ca. 5 km lange Verbindungsstraße zwischen dem Grenzwall Marokkos und der Mauretanischen Grenze aus. Diese Aktionen der marokkanischen Sicherheitskräfte reichten damit tief in die Pufferzone hinein. Dies hat dann wohl dazu geführt, dass die Polisario sich provoziert fühlte. Die Folge war, dass die Polisario bewaffnete Kräfte in die Pufferzone entsendet hat. Während Marokko der Polisario Waffenschmuggel und Destabilisierungsversuche der Grenzregion vorwarf, sah die Polisario das Waffenstillstandsabkommen von 1991 als verletzt an. Die Situation drohte am letzten Wochenende zu eskalieren. Die bewaffneten Einheiten beider Seiten befanden sich nur noch 200 Meter voneinander entfernt. In dieser Situation forderte der marokkanischen König Mohammed VI. den UN-Generalsekretär, in einem Telefonat, dazu auf, seinen Einfluss auf die Polisario zu nutzen um schlimmeres zu verhindern. Der König warnte vor einer Destabilisierung der Grenzregion und vor den unabsehbaren Folgen eines bewaffneten Konflikts. er erinnerte den UN-Generalsekretär daran, dass sein Land schon mehrfach auf „illegale“ Aktionen der Polisario aufmerksam gemacht hat. Tatsächlich sind die Truppen- und Kämpferbewegungen auf beiden Seiten, die größten Seit dem Abschluss des Waffenstillstandabkommens.

UNO fordert beide Seiten zu besonnenem Handeln und Rückzug auf.

Am letzten Samstag veröffentlichte die UNO eine Erklärung. In dieser Erklärung rief die UN beide Seiten dazu auf mit Besonnenheit zu reagieren und jede weitere Eskalation zu vermeiden. Unter anderem sollen sich beide Parteien wieder aus der Pufferzone zurückziehen. Nach dem Telefonat zwischen König Mohammed VI. und UN Generalsekretär Antonio Guterres sowie der Erklärung der UN sicherte Marokko zu sich binnen weniger Tage vollständig aus der Pufferzone zurückzuziehen.

Der algerische Präsident bekräftigt die Unterstützung für die Polisario Front.

Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika hat nach Middle East Monitor die Entschlossenheit seines Landes bekräftigt, das Saharawische Volk weiterhin zu unterstützen, um ihr Recht auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu verwirklichen.

In einem Brief an den Führer der Polisario-Front, Ibrahim Ghali, anlässlich des 41. Jahrestages der einseitigen Gründung der Sahra-Arabischen Demokratischen Republik (SADR), rief Bouteflika am 27. Februar 2017 die internationale Gemeinschaft auf, ihrer Verantwortung nachzukommen und den Konflikt durch ein Referendum zu lösen.

Konfliktpotential um die Westsahara ist gestiegen.

Die nun aufgeheizte Situation hat sich über Monate entwickelt. Beide Seiten befürchten, dass die Rückkehr Marokkos in die Afrikanischen Union die Westsaharafrage entweder zu sehr auf die Weltbühne zurückholt oder das der Status Quo sich manifestiert. Marokko hat 1984 die Vororganisation der Afrikanischen Union unter Protest verlassen, weil die Polisario von den übrigen Mitgliedern in die Organisation aufgenommen wurde. Marokkos damaliger König Hassan II. empfand die Polisario als Rebellenorganisation und nicht als Vertreter eines Staates. Damit verlor die Afrikanische Union nicht nur ein Gründungsmitglied, sondern auch ein politisch, militärisch und wirtschaftlich starkes Mitgliedsland. Die neuerlichen Aktivitäten der Polisario haben aus Sicht Marokkos an Dynamik gewonnen, seit Marokko seinen Entschluss verkündete wieder in die afrikanische Organisation zurückzukehren. Das Konfliktpotential um die Westsahara ist nicht nur auf einen erneuten Konflikt zwischen Marokko und der Polisario beschränkt. Hinter der Polisario steht direkt die Schutzmacht Algerien und indirekt Ägypten sowie Südafrika. In der Vergangenheit fand die Polisario auch Unterstützung bei Libyen. Gerade diese Länder waren auch nicht gerade erfreut, als Marokko in die AU zurückgekehrt ist. Die aktuelle Äußerung des algerischen Staatspräsidenten lässt befürchten, dass ein Wiederaufflammen des Konfliktes zwischen Marokko und der Polisario auch zu einem Konflikt zwischen Algerien und Marokko werden könnte.

Spanien und Frankreich begrüßen den einseitig erklärten Rückzug Marokkos.

Die beiden mit Marokko stark verbundenen Länder Spanien und Frankreich begrüßten die Erklärung Marokkos sich aus der Pufferzone hinter den Grenzwall zurückzuziehen. Beide Länder haben ein besonderes Interesse daran, dass der Maghreb nicht instabil wird.

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